Oensingen
«Gläserne Verwaltung»: Transparenz geschaffen und Dialog gesucht

Zum ersten Mal veröffentlicht die Einwohnergemeinde Oensingen einen Rechenschaftsbericht. Dieser gibt einen Einblick in die «Machenschaften» der Gemeinde und soll nebst Transparenz auch Raum zum Dialog schaffen.

Alois Winiger
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Diese Wettersituation lässt sich symbolisch auf den Betrieb in der Verwaltung übertragen: Es klart auf. Hanspeter Bärtschi

Diese Wettersituation lässt sich symbolisch auf den Betrieb in der Verwaltung übertragen: Es klart auf. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

«Was machen eigentlich die Leute auf der Verwaltung?» Antwort gibt der Geschäftsbericht 2010 der Einwohnergemeinde. Der Bericht ist zum ersten Mal in dieser Form erschienen, er ist in Papierform auf der Gemeindeverwaltung erhältlich oder elektronisch via Internet. Man wolle hin zur «gläsernen Verwaltung» und umfassend Rechenschaft ablegen über die Leistungen, welche die Verwaltung erbringt.

«Es ist uns ein grosses Anliegen, das gesamte Handeln der Gemeindeverwaltung transparent zu machen», schreibt der Leiter Verwaltung, Pascal M. Estermann, im Vorwort. Allerdings soll der Bericht nicht nur Transparenz, sondern auch die Möglichkeit zum Dialog schaffen: «Welche Form der Verwaltung wird gewünscht? Eine mit minimaler Dienstleistung, die sich an den gesetzlichen Bestimmungen orientiert? Oder eine, die innovative Wege beschreitet und die man sich deswegen auch etwas kosten lässt?»

Man hoffe, dass der Geschäftsbericht auf breites Interesse stösst und diskutiert wird, schreibt Estermann und kündigt an, dass im nächsten Geschäftsbericht auch über jene Bereiche rapportiert werde, über die für diese Ausgabe noch nicht genügend detaillierte Angaben vorlagen. Ein weiteres Ziel sei, Geschäftsbericht und Verwaltungsrechnung in einem zu publizieren.

Absprache verbessert

Für die Verwaltung standen «einschneidende Reorganisationsmassnahmen» an, die nach «teilweise schwierigen Prozessen» umgesetzt wurden. «Personell gab es glücklicherweise nur wenig Veränderungen. Diese Stabilität half, die Reorganisation ohne grössere Schwierigkeiten umzusetzen», fügt Estermann bei. Eingeführt wurden regelmässige Sitzungen des Stabs (Geschäftsleitung), unter Beizug des Gemeindepräsidenten und dessen Stellvertreters. «Diese an und für sich völlig üblichen Koordinationssitzungen waren seit längerer Zeit nicht mehr durchgeführt worden, was zu Abstimmungsproblemen und punktuellen Informationsdefiziten geführt hatte.»

Mit dem Bericht lassen sich alle relevanten Themen und Entscheide des Jahres 2010 Revue passieren, mit denen sich der Gemeinderat befasst hat. Dieser wurde bekanntlich 2009 von elf auf sieben Mitglieder verkleinert worden war. «Schon zu Beginn der Legislatur sah sich der Rat mit verschiedenen Baustellen konfrontiert», schreibt Gemeindepräsident Markus Flury zum Thema Politik.

«Verwaltung in guten Händen»

Für die Leitung von Verwaltung und Abteilung Finanzen bestanden Interimslösungen. Diese konnte durch die Festanstellung von Pascal M. Estermann und Rolf Niederer abgelöst werden. Die beiden Führungspersonen hätten sich rasch eingearbeitet, Schwachstellen erkannt und Gegensteuer gegeben. «Daran änderte auch die Trennung vom Leiter Bau nichts, konnte doch intern eine gute Lösung gefunden werden», führt Flury weiter aus. Zur Erinnerung: Karin Horisberger wurde zur Abteilungsleiterin Hochbau, und Andreas Affolter zum Bereichsleiter Tiefbau ernannt; Gemeindepräsident Markus Flury erhielt ein befristetes Mandat als Bereichsleiter Planung.

«Die Verwaltung in guten Händen wissend, konnte sich der Gemeinderat mit der Bewältigung weiterer Altlasten befassen und sich Gedanken für die Zukunft von Oensingen machen», schreibt Flury. Bis auf wenige Fälle seien die Altlasten entsorgt, bei der Planung hingegen steckten die Gremien voll in der Arbeit. Zentrales Element bildet dabei die Entwicklungsstrategie, die im Dezember 2010 von der Gemeindeversammlung abgesegnet worden ist.

Wird denn danach gefragt?

Die Reaktionen auf den Geschäftsbericht seien erfreulich zahlreich und positiv, erklärt der Gemeindepräsident. Es stehe einer Gemeinde dieser Grösse gut an, in geraffter Form Rechenschaft abzugeben über die Arbeit eines Jahres, laute der Tenor. «Und wenn auch noch die Bereiche Bau, Werke und Kulturkommission inklusive Sportwesen hinzukommen, dann können wir wirklich sagen: Wer informiert sein will, der hat die Möglichkeit dazu.»