Mit dem Aufbau eines eigenen Herzkatheterlabors, das von Prof. Rolf Vogel (bisher Inselspital Bern) geleitet werden soll, handelt die Solothurner Spitäler AG (soH) nicht gegen den Willen ihrer Aktionäre. Dies lässt sich der Stellungnahme der Kantonsregierung auf die Interpellation von Andreas Schibli entnehmen. Der Regierungsrat verteidigt das neue Angebot: Es entspreche der Spitalversorungsstrategie des Kantons und auch dem von der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) empfohlenen Leistungsgruppenkonzept.

Die soH stösst nicht in die Spitzenmedizin vor

Die Regierung bestreitet, dass die soH mit der Kardiologie in die Spitzenmedizin vorstosse. Die Herzkatheteruntersuchung mit anschliessender Behandlung sei heute «derart etabliert und standardisiert, dass sie als Angebot der erweiterten Grundversorgung anzusehen ist». Das von der soH gewählte Modell habe sich in Freiburg, Biel, Chur, Sion, Liestal und Frauenfeld bereits bewährt. «Der Betrieb eines Herzkatheterlabors ohne Herzchirurgie vor Ort ist heute Standard.» Den Vorteil für die Patienten sieht die Regierung im Zeitgewinn gegenüber einer Behandlung in Bern: Dieser sei bei einem akuten Herzinfarkt entscheidend.

1250 Untersuchungen pro Jahr

Der Antwort ist zu entnehmen, dass im Jahr 2009 1051 Solothurner Patienten in einem Herzkatheterlabor untersucht wurden, 638 oder 61 Prozent davon wurden im Inselspital behandelt. Für die Zukunft sei mit 1250 Untersuchungen pro Jahr zu rechnen. «Für die soH wird das Angebot ab 400 Patienten bzw. Patientinnen kostendeckend», erklärt der Regierungsrat. Diese Zahl sei auch ausreichend, damit vier interventionelle Kardiologen ein sehr gutes Qualitätsniveau halten könnten. Der Businessplan der soH gehe davon aus, dass die Betriebskosten des Herzkatheterlabors nach zwei Jahren gedeckt sind. Nach drei Jahren sollte es rentieren.

Grundversicherte, aufgepasst

Auf eine weitere Frage bestätigt der Regierungsrat, dass Grundversicherte ohne entsprechende Zusatzversicherung die allfälligen Mehrkosten einer kardiologischen Behandlung ausserhalb des Kantons selber übernehmen müssen, wenn das gewählte Spital für diese Behandlung nicht auf der Solothurner Spitalliste steht.