Marti-Grossprojekt
Gemeinderat stemmt sich gegen das geplante Marti-Grossprojekt

In Bellach wird gegen das geplante Recycling Center der Baufirma Marti mobilisiert – nun setzt auch die Exekutive ein Zeichen. Die Anlage würde am westlichen Dorfrand gebaut werden.

Christof Ramser
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Mirjam Lüthi bewirtschaftet das angrenzende Land und wehrt sich gegen die Bodenwaschanlage.

Mirjam Lüthi bewirtschaftet das angrenzende Land und wehrt sich gegen die Bodenwaschanlage.

Der Widerstand gegen das sogenannte Recycling Center in Bellach wächst. In den Leserbriefspalten der az Solothurner Zeitung wird munter debattiert, die neu gegründete Interessensgemeinschaft Lebenswertes Bellach hat binnen kurzem Zulauf von 80 Mitgliedern erhalten.

Der Protest richtet sich gegen eine geplante Anlage am westlichen Dorfrand, in der die Baufirma Marti AG belastete Böden waschen und aufbereiten will. Später soll das Material in einer Deponie endgelagert oder in den Markt rückgeführt werden.

In der Gegnerschaft engagieren sich prominente Namen wie Alex Naef, Geschäftsführer der Carrosserie Hess oder Volg-Schweiz-Chef Ferdinand Hirsig, der in Bellach wohnt. Im Vorstand sind auch Miriam und Markus Lüthi vom Aarhof, die das angrenzende Land bewirtschaften.

Am Dienstagabend setzte nun auch der Gemeinderat ein deutliches Zeichen gegen die Aufbereitungsanlage. Überraschend wurde ein entsprechender Antrag der Fraktion SP/Grüne mit 12 Stimmen und 1 Enthaltung angenommen – trotz Mahnungen von Bauverwalter Hans Lüthi, zuerst die kantonale Vorprüfung des Projekts abzuwarten.

Grundstück in Reservezone belassen

Im Detail fordert der Antrag, einen Teil des Grundstücks zwischen Bielstrasse und Bahnlinie in der Reservezone zu belassen. Für Felix Glatz (Grüne) eine Frage des Prinzips. «Wir sollten unsere letzte Industriefläche nicht für eine Anlage mit derart kleiner Wertschöpfung preisgeben.»

Heli Schaffter (SP) forderte einen Grundsatzentscheid. «Je länger wir das Verfahren laufen lassen, desto grösser wird der Druck, dem Projekt schliesslich zuzustimmen.» Auch die Landwirte Stefan Henzi (CVP) und Fritz Lehmann (SVP) sind dagegen. Sie vermuten, dass stets nur so viel Infos ans Licht kämen, um das Verfahren nicht zu behindern.

Linda Walter (FDP) schliesslich verwies auf frühere Interessenten wie die Landi, die ebenfalls auf dem Gelände bauen wollten. Diese hätten zum Teil zwar mehr Arbeitsplätze, aber ungleich mehr Verkehr generiert als das Marti-Projekt.

Ein Grund, weshalb der Kanton die Ansiedlungen ablehnte. 15 Arbeitsplätze würde Marti auf 144000 Quadratmetern schaffen. «Wenn man konsequent wäre, würde man aufgrund des Mehrverkehrs dort gar nichts bauen», so Walter. «Dann gibts aber auch keine zusätzlichen Arbeitsplätze.»

Center ist noch nicht gebodigt

Nun scheint das gemeinderätliche Verdikt zwar deutlich, gebodigt ist das Recycling Center damit noch nicht. Zum einen unterstützen die kantonalen Ämter für Raumplanung und Umwelt dem Vernehmen nach den Standort des Projekts. Deshalb könne das Gelände unabhängig von einer Ortsplanungsrevision umgezont werden. Zum andern könnten laut Bauverwalter Lüthi mit dem Gestaltungsplan, der derzeit vom Kanton geprüft wird, neue Fakten ans Licht kommen.

«Noch liegt nicht die ganze Wahrheit auf dem Tisch.» Nicht zuletzt stehe der Firmensitz der Marti AG auf dem Spiel. Lüthi bat, das Prüfungsverfahren, für das Marti einen sechsstelligen Betrag investiert, fair ablaufen zu lassen «Am Schluss werdet Ihr Ja oder Nein sagen können.»

Ob das 35-Millionen-Projekt gebaut wird, oder ob die von Marti avisierten Grundstücke tatsächlich in der Reservezone belassen werden, dürfte sich nach Abschluss der kantonalen Vorprüfung noch dieses Jahr entscheiden. Im Oktober ist eine öffentliche Mitwirkung geplant, später entscheidet der Gemeinderat, ob der Gestaltungsplan aufgelegt wird.

Danach beginnt die Einsprachefrist mit dem Bundesgericht als letzter Instanz. Erst nach einer Einsprachefrist wäre der Gestaltungsplan rechtskräftig – und die Baubewilligung erteilt.

Daran hat die IG Lebenswertes Bellach kein Interesse. Sie wehren sich zwar nicht partout gegen das Recycling Center – doch Bellach sei dafür der falsche Standort.

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