Die Schliessung einer Sprechstelle im Grundauftrag erfordert die Zustimmung der Standortgemeinde und der ComCom», erklärt Swisscom Sprecherin Annina Merk. «Ist eine Gemeinde dagegen, betreiben wir das Publifon selbstverständlich weiter.»

So geschehen unlängst in Welschenrohr und Kestenholz. Die politischen Behörden haben die Schliessung der jeweils letzten öffentlichen Sprechzelle im Dorf abgelehnt. «In Welschenrohr gibt es viele ältere Leute, die kein Handy haben und deshalb das Publifon bei der Post noch benutzen», begründet Gemeindepräsident Stefan Schneider. Auch werde der Service public auf dem Land laufend abgebaut. Wenn man das als Behörde verhindern könne, sollte man die Gelegenheit wahrnehmen, meint er.

Sprechzellen sollen erhalten bleiben

Auch Roger Wyss, Gemeindepräsident von Kestenholz, will der Bevölkerung die letzte Sprechzelle bei der Post erhalten. Immerhin etwa drei Anrufe pro Woche werden dort noch getätigt, wie die Erhebung der Swisscom zeigte. «Wir haben gesetzlich vorgeschriebene Telefonanschlüsse, zum Beispiel ins Reservoir, die überhaupt niemand benutzt und die nur Kosten verursachen. Da können wir auch noch an unserem Publifon festhalten», findet Wyss. Und der Gemeinderat sieht es auch so.

Die Swisscom beobachte die Auslastung der Publifone laufend, erklärt Annina Merk weiter. «Wenn sie kaum mehr genutzt oder wiederholt beschädigt werden, suchen wir das Gespräch mit der Gemeinde.» Es würden aber auch weitere Faktoren in die Überlegungen einbezogen, wie Topografie, Standortmieten oder Unterhaltskosten.

2011 23 Publifone abgebaut

Stellt die Swisscom einen Antrag zu Aufhebung, zeige die Gemeinde in der Mehrheit der Fälle Verständnis. In der Tat wurden im Jahr 2011 im Kanton Solothurn 23 Publifone abgebaut. Schweizweit waren es sogar 800 Apparate. Davon gehörten jedoch nur rund 40 Prozent zur Grundversorgung. Bei den Publifonen der Grundversorgung ging die Anzahl Gespräche innert Jahresfrist laut Swisscom um 30 Prozent zurück. Von 2004 bis 2008 sei die Anzahl Gespräche sogar um 60 Prozent zurückgegangen.

Auch die Gemeinde Wynau im Oberaargau hat seit rund einem Jahr kein Publifon mehr. Der Gemeinderat hat dem Begehren der Swisscom 2010 zugestimmt, nachdem diese aufgezeigt hatte, dass innerhalb von sechs Monaten nur noch drei Gespräche vom Gerät bei der Gemeindeverwaltung geführt wurden. «Uns ist nach der Aufhebung keine einzige Reklamation zu Ohren gekommen», sagt Gemeindeschreiberin Nelly Heusser heute. Für Heusser ist das allerdings nicht verwunderlich. «Heute hat ja fast jeder ein Handy.»

4100 Publifone sind Bestandteil der Grundversorgung

«Gemäss unseren Informationen werden Publifone primär noch von drei relevanten Kundengruppen benutzt», erklärt Swisscom-Sprecherin Merk: generell für günstige Anrufe ins Ausland, von Touristen und von «Notfall»-Nutzern; zum Beispiel wenn beim Handy der Akku leer oder das Guthaben aufgebraucht ist. Die öffentlichen Publifone seien somit ein Nischengeschäft.

Schweizweit gibt es noch 6700 Publifone, davon sind rund 4100 Bestandteil der Grundversorgung, die noch bis mindestens 2017 gewährleistet werden muss. In der Stadt Solothurn gibt es noch acht öffentliche Sprechstellen, in Langenthal vier und in Grenchen fünf.

Folgende Gemeinden in der Region haben überhaupt kein öffentliches Telefon mehr: Aetigkofen, Aeschi, Arch, Balm b. G., Berken, Bleienbach, Bolken, Brügglen, Drei Höfe, Dürrenroth, Feldbrunnen-St.-Niklaus, Graben, Gunzgen, Halten, Heimenhausen, Hessigkofen, Hüniken, Kammersrohr, Küttigkofen, Leuzigen, Limpach, Lüsslingen, Lüterkofen-Ichertswil, Meienried, Niederbuchsiten, Oberdorf, Ochlenberg, Oeschenbach, Reisiswil, Romont, Rohrbachgraben, Rumisberg, Rütschelen, Safnern, Stüsslingen, Tscheppach, Walliswil b. N., Walterswil (BE und SO), Wangenried, Wolfisberg, Wolfwil, Wynau, Wyssachen und Zielebach.