Der Gemeindepräsident zürnt: Gerlafingen landet im neusten Gemeinderanking der «Weltwoche» auf Rang 867 und ist damit die unattraktivste Gemeinde in der Deutschschweiz. Das ist ein dicker Tolggen im Reinheft. Nur das jurassische Reconvilier schneidet in der Rangliste sämtlicher Schweizer Gemeinden mit mindestens 2000 Einwohnern noch schlechter ab. Der Zürcher Immobilienberater IAZI hat verschiedene Kennzahlen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Dynamik, Reichtum, Steuerbelastung und Sozialstruktur verglichen und die Gemeinden eingestuft. Auch Zuchwil fungiert auf Rang 858 unter den Schlusslichtern.

«Ich habe die Nase voll von den Verfassern solcher Listen», sagt Peter Jordi. Da hätten irgendwelche «Wall-Street-Bonsais» Daten in ein Computerprogramm gespeist, herausgekommen sei eine völlig unbrauchbare und intransparente Liste. «Keiner der Verfasser hat mich vorher angerufen oder sich in Gerlafingen erkundigt», sagt Jordi.

Es sei der Firma wohl kaum bewusst, welch rufschädigendes Potenzial hinter solchen Listen stecke. Als Beispiel erwähnt er die Arbeitersiedlung Transvaal, die abgerissen wird, damit neue, attraktivere Wohnungen gebaut werden können. «Stellen sie sich vor, die Studie wäre herausgekommen, bevor sich der Investor für die Überbauung entschieden hatte?», fragt er rhetorisch. «Wäre das Projekt trotzdem zustande gekommen?»

Kein Stellenabbau im Stahlwerk

Der Gemeindepräsident ärgert sich über die Kriterien, die man so nicht auf Gerlafingen adaptieren könne. So sei die hohe Arbeitslosigkeit im Dorf vor allem mit den Fabrikschliessungen der Borregaard, Mühlemann und nun auch der «Papieri» zu begründen. «Viele der ehemaligen Angestellten dieser Firmen wohnen nun mal in Gerlafingen.» Damit sei im Übrigen auch der hohe Ausländeranteil mit vielen «wirtschaftlich nicht sehr leistungsfähigen» Einwohnern» zu begründen. Im Stahlwerk dagegen sei keine einzige Stelle abgebaut worden.

Zum stagnierenden Bevölkerungswachstum sei zu sagen, dass die Gemeinde quasi fertig gebaut sei und nur noch Baulücken aufzufüllen habe. «Gerlafingen wurde in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut – wir können, schlicht kaum mehr weiterwachsen.» Immerhin sei es korrekt, dass die finanzielle Perspektive der Gemeinde nicht gut sei. Wie auch immer: Peter Jordi fürchtet nun, dass die Gemeinde das ihr angehängte Verliererimage aufgrund des schlechten Abschneidens im Ranking nicht mehr so schnell loswird.