Im vollen Saal fand die Gemeindeversammlung von Niederbipp statt. Es ging um die Abstimmung, 15 Hektaren Land in der Stockmatte der Arbeitsnutzung zuzuführen. Und um einen Kredit von 3,5 Mio. Franken für die Verkehrs- und übrige Erschliessung. Bei einem Ja hätte die Bell AG, die sich das Land bereits gesichert hatte, einen Neubau für die Schweinezerlegerei erstellen können.

Offiziell hatten 302 Personen (11,3 Prozent) an der Versammlung teilgenommen. Bei der Abstimmung wurden dann allerdings fünf Stimmen mehr gezählt. Doch die Sache war zu deutlich, als dass eine Wiederholung nötig gewesen wäre: 173 Personen sagten Nein, 127 stimmten mit Ja, dazu gab es 7 Enthaltungen.

Es ist eine Niederlage für den Gemeinderat, aber auch für die Parteien; SP, FDP und knapp auch die SVP hatten sich für die Umzonung und damit für Bell ausgesprochen. Doch es kam anders, und das war bei hitzigen Verhältnissen im vollen Saal bald abzusehen.

Die meisten, die sich zu Wort meldeten, taten ihre Bedenken kund, und letztlich lief es für die Bevölkerung darauf hinaus: «Entweder entscheiden wir uns für die Wohnqualität oder für das Geld.» Für Gemeindepräsident Manfred Cordari war es die erste Niederlage in seinem Amt; er bezeichnete sie etwas sarkastisch als «Bruchlandung»: «Bell war wohl eine Nummer zu gross.»

Bell zeigt sich enttäuscht

Aus der Ferne erfuhren die Verantwortlichen von Bell vom Entscheid der Gemeindeversammlung. Dabei sein durften sie nicht. Bell mache der Gemeinde deswegen keine Vorwürfe, sagt Davide Elia, Mediensprecher der Bell AG. Schon vor der Versammlung «habe man alles unternommen, um offen und transparent zu zeigen, was Sache ist». Allerdings: Die eine oder andere sachliche Frage aus der Versammlung hätten die Fachleute des Unternehmens aber wohl beantworten können, und die eine oder andere Behauptung richtigstellen.

So aber ist die Sache für Bell abgeschlossen. «Wir sind enttäuscht, die Stockmatte hätte uns viele Möglichkeiten eröffnet», sagt Elia. Gedeutet wird der Entscheid beim Unternehmen aber nicht in erster Linie als Ablehnung gegenüber Bell, sondern als Bekenntnis, das Landwirtschaftsland in der Stockmatte zu erhalten.

Bell werde sich nun weiter umsehen. «Wir strecken unsere Fühler aus. Es gibt in der Region verschiedene Optionen», so Elia. Die würden nun geprüft, erste Entscheide sollen bis im Spätsommer oder Frühherbst fallen. «Es könnte für uns eine Verzögerung von ein bis zwei Jahren geben, aber die können wir verkraften.» Am bestehenden Standort in Basel gebe es bezüglich eines Wegzugs «keinerlei Zeitdruck».

Und vielleicht geht es ja bald sehr schnell. Denn die Absicht von Bell, in Niederbipp zu bauen, wurde in Oensingen einst mit einem «weinenden Auge» zur Kenntnis genommen, wie Gemeindepräsident Markus Flury sagt. Vor etwa einem Jahr sah es so aus, als würde die Schweine-Zerlegerei in Oensingen gebaut werden, wo Bell einen Schlachthof betreibt.

Oensingen hat schon Ja gesagt

Besinnt sich das Unternehmen jetzt wieder auf Oensingen zurück? Sprecher Elia äussert sich nicht zu einzelnen Standorten. In Oensingen würde sich Gemeindepräsident Flury allerdings freuen. «Wir haben A gesagt und sehen keinen Grund, nicht auch B zu sagen.» Es geht um sechs bis sieben Hektaren Land. Gemäss Flury fehlte nur noch eine Einigung zwischen dem Eigentümer und Bell sowie eine Unterschrift des Regierungsrats. «Dann stünde einem Baugesuch der Firma Bell nichts mehr im Weg.»

Angrenzend an besagtes Landstück hat sich die Swiss Nutrivalor AG rund zwei Hektaren Land gesichert. Nutrivalor ist eine Tochtergesellschaft von Centravo, an der Bell beteiligt ist. Flury erachtet es als unwahrscheinlich, dass Bell das Land mit den Nutrivalor-Hektaren erweitern könnte und somit auf rund neun Hektaren käme.