Mit Autos kennt sich Theo Möll aus. Er ist Garagist, vor seinem Betrieb an der Zürichstrasse in Herzogenbuchsee glänzen neue Wagen in der Sonne. Anfang dieses Jahres aber war es eine Ansammlung eher abgenützter Fahrzeuge, die sein Interesse weckte. Im Industriequartier von Herzogenbuchsee entdeckte er auf einem Platz alte Autos, Lastwagen, Pneuhaufen. «Einen Autofriedhof», sagt Möll.

Rund zwei Monate ist es her, dass Garagist Möll die Autos entdeckt hat. Daraufhin schrieb er der Gemeinde einen Brief und machte darin auf die offensichtlich illegale Autodeponie aufmerksam und legte Fotos bei. Bis heute habe er keine Antwort von der Gemeinde erhalten, stellt er fest.

Vor allen Dingen aber wundert sich Möll darüber, dass auf dem Friedhof noch keine Ruhe eingekehrt ist. Die Autos stehen noch da.

«Nicht gravierend»

Dabei ist nicht allein Theo Möll auf die Autos aufmerksam geworden. Schon vor ihm hatte auch die Kantonspolizei Bern Kenntnis von dem Autoabstellplatz erhalten. «Wir haben einen Rapport erstellt», bestätigt Polizeisprecher Heinz Pfeuti. Sie hat also Anzeige zuhanden der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau erstattet. Und ist auch an die Gemeinde gelangt.

Die zuständige Staatsanwältin Sibylle Röthlin bestätigt auf Anfrage, dass eine Anzeige eingegangen ist. Sie bezeichnet den Fall als «nicht gravierend». Seit September 2009 stelle ein Autohändler auf dem Areal in Herzogenbuchsee Autos ab, die er kaufe und wieder verkaufe. Der Händler stelle die Fahrzeuge nicht irgendwo im Grünen ab, wo es aus ökologischer Sicht bedenklicher wäre, sondern auf einem Platz, der schon seit 1960 für diese Zwecke benutzt werde, sagt Röthlin. Von einem «Autofriedhof» könne nach derzeitigem Ermittlungsstand allerdings nicht die Rede sein.

«Verfahren eröffnet»

Jedoch fehle dem Betreiber für das Abstellen der Autos die Bewilligung, so die Staatsanwältin, weswegen er mit einem Strafbefehl und einer Busse rechnen müsse. Soweit sei es allerdings nicht, noch gelte die Unschuldsvermutung.

Wie es nun mit dem Autoabstellplatz weitergeht, das ist Sache der Gemeinde Herzogenbuchsee. Die Bauverwaltung muss jetzt dafür sorgen, dass auf dem Areal der «rechtmässige Zustand» hergestellt wird. «Wir haben ein entsprechendes Verfahren eröffnet», sagt Hanspeter Rentsch, der stellvertretende Leiter.

«Die Hälfte ist entsorgt»

Dem Besitzer der Autos bleiben nun zwei Möglichkeiten: Er räumt den Platz und sorgt für die fachgerechte Entsorgung der Autos. Oder aber er reicht während der Rechtsmittelfrist der Wiederherstellungsverfügung ein Baugesuch ein und dürfte mit der Betriebsbewilligung rechnen, sofern die notwendigen Gewässerschutzmassnahmen eingehalten sind.

Rentsch sagt, der Betreiber habe ihm gegenüber erklärt, keine baulichen Massnahmen realisieren zu wollen und zudem versichert, den Platz zu räumen. Rentsch hat sich nun mit eigenen Augen davon überzeugt, dass die Zahl der abgestellten Fahrzeuge in den letzten Wochen kleiner geworden ist. «Aktuell sind bereits etwa die Hälfte der Fahrzeuge entsorgt. Ich gehe darum davon aus, dass wir keine Verfügung erlassen müssen», sagt er.

«Immer wieder neue Autos»

Auf die Räumung wartet nun auch Urs Schlup, der an der gleichen Adresse den Metallbaubetrieb Inox Manufaktur GmbH führt. Er hat gar keine Freude an den abgestellten Fahrzeugen. «Wir leiden darunter, obwohl wir damit nichts zu tun haben. Auch von Kunden werden wir immer wieder auf den Autofriedhof angesprochen.» Er hoffe nun, dass der Vermieter des Areals aktiv werde.
Gemäss Schlups Beobachtungen hat die Zahl der abgestellten Autos in den letzten Wochen kaum abgenommen. «Manche wurden abtransportiert», sagt er, «aber es kommen auch immer wieder neue Autos hinzu.»