Pilotprojekt
Für Senioren gibts den Pöstler im Abo

Die Schweizer Post testet im Kanton Solothurn und in Uster ein neues Projekt: Pöstler sollen betagten Personen die Briefe persönlich zustellen - und so gleich kontrollieren, wie es der betroffenen Person geht.

Lucien Fluri
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Neues Angebot für Betagte und ihre Angehörigen: Der Pöstler bringt das Paket an die Haustür und sorgt damit für Sicherheit.

Neues Angebot für Betagte und ihre Angehörigen: Der Pöstler bringt das Paket an die Haustür und sorgt damit für Sicherheit.

AZ

Wenn der Postmann zweimal klingelt, könnte künftig ein Abonnement dahinterstecken. In einem Pilotprojekt der Schweizerischen Post bringen Briefträger betagten Personen die Briefe persönlich an die Haustür. Nach ihrer Zustelltour informieren die Pöstler die Angehörigen per SMS oder Telefon, dass die betroffene Person die Tür geöffnet hat und alles in Ordnung war. Bis Ende August testet die Post das neue Dienstleistungsangebot an zwei Standorten – in Uster und im Raum Solothurn. Momentan verteilt die Post Flyer rund um die Stadt Solothurn sowie in verschiedenen Gemeinden der Bezirke Bucheggberg, Lebern, Wasseramt und im Thal.

Mehr Sicherheit im Alter

«Die Zielgruppen dieser Dienstleistung sind betagte Personen und Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit», erklärt Postsprecherin Nathalie Salamin. Fr.4.90 kostet der Service pro Tag. Auch wenn jemand an einem Tag keine Post erhalten sollte, klingelt der Briefträger und schaut, ob die Person die Türe öffnet. Hat der Briefträger seine Zustelltour zwischen 12 und 14 Uhr beendet, schickt er ein Bestätigungs-SMS an eine zuvor bestimmte Person – Verwandte, Bekannte oder Nachbarn.

Das Angebot sorgt laut Post für mehr Sicherheit bei der betagten Person und ihren Angehörigen. «Sie wissen, dass an den vereinbarten Tagen ein Zusteller an der Türe klingelt und eine entsprechende Rückmeldung an Angehörige auslöst.» Angehörige sollen die Gewissheit haben, dass alles in Ordnung ist. Das Angebot kann auch nur für bestimmte Tage gebucht werden.

Zum «Schwatz» kommt der Briefträger aber nicht. «Wir sind kein Alarmsystem», sagt Postsprecherin Salamin. Der Briefträger stelle keine Fragen zum Wohlbefinden oder zur Gesundheit der Personen. Öffnet eine betagte Person die Türe nicht, verständigt der Postbote ebenfalls erst nach der Zustelltour, also frühestens nach 12 Uhr, die Angehörigen. Eine sofortige Mitteilung an die Kontaktpersonen oder an die Rettungsdienste ist nicht vorgesehen.

Alterung oder Briefpost-Rückgang?

«Die zunehmende Alterung der Bevölkerung führt dazu, dass immer mehr ältere Menschen in der Schweiz alleine leben», begründet Salamin das Dienstleistungsangebot der Post. Die Alterung ist aber nicht die einzige gesellschaftliche Veränderung, der die Post mit dem Projekt begegnet. Klar ist auch: Hinter dem Pilotprojekt steckt auch der Rückgang der Briefpost. Wegen der E-Mails geht die Zahl der verschickten Briefe seit Jahren zurück.

Die Post testet mit dem Pilotprojekt neue Wege, um der sinkenden Rentabilität der Postzustellung zu begegnen. Es gehe darum, «auch künftig eine gute Auslastung der Zusteller gewährleisten zu können, weil die Entwicklung bei der Menge der adressierten Briefe seit einigen Jahren rückläufig ist», erklärt Salamin auf Anfrage.

Wie viele Personen das Angebot in Solothurn und Uster bisher nutzen, kann die Schweizerische Post nicht sagen. «Wir suchen noch Testpersonen», erklärt Salamin. Auch zu ersten Ergebnissen des Pilotprojekts gibt es noch keine Angaben. Die Testphase läuft bis Ende August.