Amtsgericht
Fünf Monate Haft für 22-jährigen Enkeltrick-Betrüger

22-jähriger deutscher Roma half bei gewerbsmässigem Betrug mit. Mit seinem Urteil bestätigte das Richteramt Solothurn-Lebern den Strafbefehl vom 22. Juni 2011.

Hanspter Schläfli
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Themenbild/az

Als das Telefon Anfang dieses Jahres beim 77-jährigen Solothurner Rentner Armin N.* klingelte, roch er den Braten. Da sprach ihn eine fremde Person auf Hochdeutsch mit seinem Vornamen an. «Ich wusste sofort, dass das einer dieser Vaganten war, die es schon in Obergerlafingen mit dem Enkeltrick-Betrug versucht hatten», sagte der Zeuge am Montag vor dem Richteramt Solothurn-Lebern.

«Ich fragte ihn, bist du es Cäsar, und er ist sofort darauf eingestiegen», erzählte Armin N. von seinem Abenteuer als «Detektiv». Ja, er sei es, und er brauche sofort Geld für eine dringende Renovation an einem Haus, das er in Bern zu einem Altersheim umbauen wolle, habe ihm dieser Cäsar gesagt. «Ich habe dann zuerst 30 000 Franken offeriert, und dann 60 000, und darauf ist er eingegangen. Er sagte, er brauche das Geld noch heute und wollte mir ein Taxi vorbeischicken, aber ich habe ihm gesagt, dass ich mit dem eigenen Auto auf die Bank gehen will.» Auf die Bank sei er natürlich nicht gegangen, er habe sofort die Polizei avisiert.

Als dann im Verlauf des Nachmittags ein Taxi fast vor seiner Wohnungstür angehalten hatte und ein unbekannter, junger Mann ausstieg, da sei ihm schon ein wenig mulmig geworden. Armin N. hatte weit und breit keine Polizisten gesehen. So habe er nochmals die Polizei angerufen und den Unbekannten beschrieben.

Zugriff der Polizei

Während der ominöse Cäsar noch mehrmals anrief, um die Details zu besprechen, verhafteten die Polizisten, die bereits in Zivil durchs Quartier patrouilliert waren, anhand der Beschreibung des Rentners im Wohnquartier einen 22-jährigen Deutschen. Und siehe da, Ronaldo C.*, der sich zur Volksgruppe der Roma zählt und in der Nähe von Mannheim lebt, ist in Deutschland bereits in ein gleichartiges Betrugsverfahren verwickelt, wie es nun in Solothurn aufgezogen wurde.

Ronaldo C. verblieb fast vier Monate im Untersuchungsgefängnis, denn die Polizei versuchte, die Drahtzieher ausfindig zu machen. Anhand Untersuchungen und den Ermittlungsakten sah es das Gericht nun als erwiesen an, dass Ronaldo C. in telefonischem Kontakt mit den Haupttätern stand. Diese riefen ihn von nicht registrierten, polnischen Nummern aus auf seinem Handy an und gaben Instruktionen. «Seine Mitwirkung ist bestätigt und die Vorgehensweise ist geeignet, ältere, vielleicht nicht so misstrauische Personen, arglistig zu täuschen», hielt Gerichtspräsident Rolf von Felten in seiner Urteilsbegründung fest. Es seien viele verschiedene Personen von der Täterschaft kontaktiert worden, weshalb von der Gewerbsmässigkeit ausgegangen werden muss. «Ronaldo C. ist der vollendeten Gehilfenschaft zum versuchten, gewerbsmässigen Betrug schuldig. Denn dass die Taten keinen Erfolg hatten, war nicht sein Verdienst», sagte von Felten.

Strafe ohne Bewährung

Mit seinem Urteil bestätigte das Richteramt Solothurn-Lebern den Strafbefehl vom 22. Juni 2011, gegen den Ronaldo C. Einspruch erhoben hatte, in allen Punkten. Weil er seine Gehilfenschaft tatsächlich durchgeführt hatte, bekommt Ronaldo C., der nicht zur Verhandlung erschien, die Härte des Gesetzes zu spüren. Er wurde zu fünf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, und zwar ohne Bewährung. «Die Prognosen sind sehr schlecht», sagte der Gerichtspräsident. «Er war während eines laufenden Verfahrens bereits wieder in kriminelle Aktivitäten involviert. Es braucht jetzt eine Gefängnisstrafe, um den Herrn Ronaldo C. von weiteren Delikten abzuhalten.»

*Namen von der Redaktion geändert