Olivier F. Ziegler und seine Mitarbeitenden lassen die Räume im Schlösschen Vorderbleichenberg als Farbarena erscheinen.

Tatsächlich werden in der Jubiläumsausstellung einige interessante Stücke gezeigt. So sind zwei grosse resedagrüne Gabbeh-Teppiche ausgestellt. Neu kann Ziegler auch Teppiche in violett anbieten. «Ein Stamm knüpft diese Stücke speziell für uns. Sie werden mit Aubergine und einer speziellen Sorte Krokus eingefärbt.»

Sogar in Pink können Teppiche heute produziert werden. Ziegler kennt die Produzenten seiner Teppiche gut. 14 Familien verkaufen ihre Werke ausschliesslich an den Solothurner Teppichhändler. «Jedes Stück ist ein Unikat. Ich habe noch nie einen Teppich gekauft, der gleich aussah wie ein anderer.»

Die Bedeutung hat sich gewandelt

In der Ausstellung werden moderne Teppiche neben alten präsentiert. Dabei zeigt sich, dass sich der Teppich gewandelt hat. «Früher hatten viele Leute eine so genannte gute Stube, darin einen Teppich, den man nur mit Socken betreten durfte.

Heute sind Teppiche Gebrauchsgegenstände. Sie werden eingesetzt wie jeder andere Bodenbelag.». Weil Ziegler diesen neuen Wohntrend erkannte, hat er schon vor acht Jahren ein zweites Geschäft eröffnet. In diesem wird Parkett angeboten. Parkett aus europäischen Hölzern. «Damit verbinde ich sozusagen den Orient und den Okzident», lacht Ziegler.

Wie die gesamte Wohnungseinrichtung, hätten sich auch die Teppiche verändert. «Heute wird vermehrt auf Farbe und Form geachtet. Die klassischen Perserteppiche, mit ihren üppigen Mustern, sind kaum noch gefragt.»

Deshalb haben die so genannten Nomadenteppiche an Bedeutung gewonnen. Sie werden fast immer mit Pflanzenfarben eingefärbt und zeigen häufig auffällige safrangelbe oder rote Farbtöne. Ziegler schätzt, dass die veränderte Umwelt, die hektische Zeit auch das ihre zum Wandel beigetragen habe. «Der Alltag ist oft grau. Da kann man etwas Farbe gut gebrauchen.» Nicht nur die jungen Leute würden Mut zum farbigen Teppich zeigen. «Alle Generationen lassen sich begeistern.»Heuer findet nicht nur die 20. Ausstellung statt, es wird auch der 100. Künstler begrüsst.

Stühle reichen meist nicht

Olivier Ziegler nützt die Ausstellung im Schlösschen jeweils dazu, um auch ein kulturelles Rahmenprogramm anzubieten (siehe Kasten). Das werde offenbar geschätzt. Meist würden die bereitgestellten Stühle nicht reichen, um allen Interessierten Platz zu bieten. «Das Schöne an der Ausstellung ist aber, dass oft auch Leute hierher kommen, die mein Geschäft sonst wohl nicht betreten würden.»

Neben dem kulturellen Rahmenprogramm hat Ziegler heuer zwei weitere spezielle Ausstellungsobjekte. So zeigt er drei Werke einer jungen iranischen Künstlerin, die alte Teppiche zusammensucht und sie als Patchwork in neue Teppiche verwandelt. In der Kapelle des Schlösschens sind zudem ein rund 100 Jahre alter Teppich aus Täbriz und sein modernes Gegenstück, ein Luribaft, ausgestellt.