Privatsphäre
Ex-Miss Solothurn hat Ärger mit Facebook-Fotos

Buchstäblich am eigenen Leib musste Fabienne Stocker, Miss Solothurn 2008, erfahren, wie leicht die Privatsphäre im Sozialnetzwerk Facebook perforiert wird: Eine unbekannte Person verwendete Bilder von ihr unter anderem Namen.

Samuel Misteli
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Fabienne Stocker.

Fabienne Stocker.

Felix Gerber

«Facebook ist nicht der Privatraum, den es zu sein vorgibt, sondern pure Öffentlichkeit», sagte der Berner Medienjurist Franz A. Zölch im November des vergangenen Jahres gegenüber dieser Zeitung. Er nahm dabei Bezug auf einen Vorfall, bei dem die beiden SP-Bundesparlamentarier Bea Heim und Roberto Zanetti gegen ihren Willen in einer Facebook-Gruppe als Unterstützer von CVP-Amtsrichterkandidat Rolf von Felten aufgeführt wurden (siehe az Solothurner Zeitung vom 12. 11. 2010).

Fabienne Stocker, Miss Solothurn 2008, könnte den Satz von Medienanwalt Zölch unterschreiben. Sie hat unlängst eine ähnlich unangenehme Erfahrung mit Facebook gemacht wie die beiden SP-Politiker: Mitte Dezember berichtete ihr ein Bekannter, dass er auf Facebook von einer gewissen «Ines Lorence» eine Freundschaftsanfrage erhalten habe.

Kein Doppelleben

Das Merkwürdige daran war, dass das Profilfoto von Ines Lorence Fabienne Stocker zeigte. Die Ex-Miss führte aber kein Facebook-Doppelleben unter anderem Namen - es war ihr schleierhaft, wieso ein Profil, das nicht das ihre war, ihr Bild verwenden sollte.

Als Stocker die unbekannte Person per Facebook zu kontaktieren versuchte, reagierte diese, indem sie ein zweites Bild der Ex-Miss auf ihr Profil stellte. «Als ob sie mich provozieren wollte», sagt Fabienne Stocker. Für sie war das Mass voll: «Unangenehm war vor allem, dass ich nicht wusste, was diese Person mit meinem Gesicht anderen Leuten schrieb.» Leuten, die möglicherweise glaubten, mit der echten Fabienne Stocker zu kommunizieren.

Von Facebook selber war keine Hilfe zu erwarten: Obwohl Fabienne Stocker und etliche ihrer Freunde das falsche Profil meldeten, reagierten die Betreiber nicht - Ines Lorence existierte weiter, mit Bildern von Fabienne Stocker als Profilfotos. Erst als Ernst Brechbühl, Stockers Fotograf, der unbekannten Person mit rechtlichen Schritten drohte, weil sie sein Urheberrecht verletzte, verschwand eines der beiden Bilder von der Profilseite. Einige Tage später, nach einer abermaligen Intervention von Fabienne Stocker, wurde auch das zweite Bild gelöscht.

Verdacht überprüfen

Seither existiert Ines Lorence auf Facebook weiter, sie besitzt aber nicht mehr das Gesicht von Fabienne Stocker. Die 22-jährige Ex-Miss und Studentin aus Bellach hat einen Verdacht, wer ihr den Streich mit den Fotos gespielt haben könnte. Sie erwägt, einen IT-Experten beizuziehen, um die verantwortliche Person ausfindig zu machen - und dann möglicherweise rechtliche Schritte einzuleiten.

Vorerst hat sie ihre Lehren für den Umgang mit Facebook gezogen: Sie handhabt die Einstellungen zur Privatsphäre restriktiver, ist beispielsweise nur noch für Freunde kontaktierbar. «Facebook», so Stockers Erkenntnis, «bietet Möglichkeiten, jemanden zu mobben.» Auch ihr Fotograf Ernst Brechbühl hat aus dem Fall gelernt. Er stört sich vor allem daran, dass Facebook das Herunterladen von Bildern erlaubt. Um künftig zu verhindern, dass seine Bilder heruntergeladen werden, will er auf der Facebook-Seite seines Geschäfts künftig keine hoch aufgelösten Bilder mehr präsentieren.