Biberist
«Es muss ein Ende haben mit dem Ausverkauf der Industrie in unserer Region»

Rund 3000 Personen nahmen am Samstag an einer Solidaritätskundgebung für die Papierfabrik Biberist teil. Die Forderung: Es müssten Alternativen zur Schliessung auf den Tisch. Grosse Solidarität mit der von Schliessung bedrohten Papierfabrik Biberist

Andreas Toggweiler
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Die Kundgebungsteilnehmer berqueren die Emmenbruecke in Biberist
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Die Region zeigt Flagge
Die Region zeigt Flagge
Die Region zeigt Flagge
Die Region zeigt Flagge
Die Region zeigt Flagge
3000 Personen demonstrieren für die «Papieri»
Grossaufmarsch der Kundgebungsteilnehmenden
Kleiner Kundgebungsteilnehmer mit grossem Anliegen
Martin Blaser bei seiner Ansprache auf dem Sappi-Areal
Nicolas Muehlemann, Esther Gassler und Roberto Zanetti applaudieren
Roberto Zanetti bei seiner Ansprache

Die Kundgebungsteilnehmer berqueren die Emmenbruecke in Biberist

Hanspeter Bärtschi

Samstag, 11.10 Uhr auf dem Parkplatz Ost der Papierfabrik Biberist. Der Derendinger Gemeindepräsident Kuno Tschumi winkt zum Aufbruch. Mehrere hundert Demonstranten haben sich versammelt, um am Sternmarsch für die Rettung der Papierfabrik Biberist (siehe auch Seite 23) teilzunehmen, darunter auch Politiker wie FDP-Präsident Christian Scheuermeyer und CVP-Präsidentin Annelies Peduzzi. «Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir das nicht sang- und klanglos hinnehmen wollen», sagt Peduzzi zur angekündigten Schliessung der Papierfabrik durch die südafrikanischen Eigner.

Hoffnung nicht aufgeben

Dass die 550 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade dies nicht tun, wird ihnen an der anschliessenden Kundgebung vor dem Sappi-Eingang immer wieder hoch angerechnet. Auch von SP-Ständerat Roberto Zanetti, der als einstiger Strippenzieher der Rettung des ebenfalls von der Schliessung bedrohten Stahlwerks Gerlafingen die Versammelten aufrief, die Hoffnung nicht aufzugeben. Alle hätten damals weiter gearbeitet, auch auf eine ungewisse Zukunft hin. «Und heute drücken euch die Stahlarbeiter die Daumen – das will was heissen. Auch ich stehe hier als Symbol, dass Totgesagte weiterleben können. Das gilt für mich persönlich, aber auch für das Stahlwerk.»

«Es muss ein Ende haben»

«Was wir hier erleben, ist einmalig», sagte der Biberister Gemeindepräsident Martin Blaser. Man habe sich versammelt, um ein deutliches Zeichen zu setzen. «So geht es nicht!», rief Blaser den Sappi-Verantwortlichen entgegen: zuerst die Werksarbeiter für ihre mustergültige Arbeit loben, um sie danach zu entlassen. Er erinnerte das Sappi-Management an den firmeneigenen Ehrenkodex, der nicht toter Buchstabe bleiben dürfe. Blaser forderte die Sappi-Führung auf, auf die Werksschliessung zu verzichten und einen Verkauf ohne Konkurrenzverbot zu prüfen. In einer Unterschriftensammlung kann die Bevölkerung diese Forderung unterstützen. Bögen können auf den Homepages der meisten Wasserämter Gemeinden heruntergeladen werden.

Auch Blasers Amtskollege Kuno Tschumi gab seiner Empörung ausdruck. «Es muss ein Ende haben mit dem Ausverkauf der Industrie in unserer Region», sagte Tschumi.

Der Lokführer der vorbeifahrenden BLS-Komposition lässt zum Gruss einen langen Pfiff erschallen. Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, die am Dienstag das Sappi-Management ins Solothurner Rathaus zitiert hatte, erklärt, warum sie zusammen mit Regierungsrat Peter Gomm hier ist. «Wir haben kein Verständnis für den Schliessungsentscheid und können auch die Beweggründe nicht nachvollziehen, wieso sich eine Firma in einer schwierigen Lage ausgerechnet von ihren besten Mitarbeitenden trennt.» Gassler, wie auch Zanetti betonten, dass auch Bundesrat Schneider-Ammann seine Unterstützung zugesagt habe. Viel Applaus gabs auch für die Anprachen von Werksleiter Nicolas Mühlemann, der sich der Schliessung widersetzt, sowie der Betriebskommissionspräsidentin Kathrin Schär.

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