Solothurn
Es gibt sie noch die Ritter des Heiligen Landes

Zweifellos klingt die Bezeichnung «Ritter» in unseren Ohren etwas merkwürdig. Doch es gibt sie noch, die «Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem» und dieses Wochenende sind sie in Solothurn anzutreffen.

Reto Stampfli
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Der feierliche Einzug des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist auch heute noch eine eindrückliche Veranstaltung.

Der feierliche Einzug des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist auch heute noch eine eindrückliche Veranstaltung.

Solothurner Zeitung

Eine schweigende Kolonne von Männern in weissen Umhängen und Damen in schwarzen Ordensmänteln bewegt sich durch Solothurns Hauptgasse Richtung Jesuitenkirche. Die Herren tragen schwarze Barette und ein rotes Kreuz prangt auf ihrem Gewand, sie erinnern in ihrem Ornat ein wenig an mittelalterliche Kreuzritter. Das ist keine Szene aus einem Historienfilm. Nein, das war der letzte Auftritt des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem bei ihrem Jahreskongress in Solothurn. Der Schweizer Ordenszweig feiert in der Ambassadorenstadt seine alljährliche feierliche Investitur, bei der die neuen Kandidaten aufgenommen werden. Für Aussenstehende mag dieser Orden wie eine Geheimgesellschaft wirken. Verborgene Rituale oder Weltverschwörung sind jedoch auf keinen Fall das Tagesgeschäft der Grabritter.

Ganz verschont geblieben von verschwörerischen Theorien sind die Ritter jedoch nicht. So wurde schon mal von der «schwarzen Elitetruppe des Heiligen Stuhls» gesprochen und vor allem in Deutschland ist immer wieder zu hören, dass die Grabritter einen Filz der katholischen Grossindustriellen bilden würden. Sicher spielen Beziehungspflege und eine gewisse Verschwiegenheit wie in jedem anderen Verein eine Rolle, doch Macht und Einfluss des Ordens sollten diesbezüglich nicht überschätzt werden.

Einmal das Grab des Erlösers sehen

Dennoch kann der international tätige Orden auf eine interessante Geschichte zurückblicken. Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem (Ordo Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani) hat seine Wurzeln im 14. Jahrhundert am Ort von Tod und Auferstehung Jesu Christi. Während Jahrhunderten hatten immer wieder Adelige und Patrizier die strapaziöse Pilgerreise auf sich genommen, um in Jerusalem den päpstlichen Ritterschlag zu empfangen.

Sie waren von der Sehnsucht getrieben, das Grab des Erlösers zu sehen. Die Franziskaner als Wächter des Heiligen Grabes hielten dieses Brauchtum mit päpstlicher Vollmacht über die Jahrhunderte hinweg am Leben. Nach der jeweiligen Rückkehr der Pilger in ihre Heimat bildeten die Grabesritter bruderschaftsähnliche Zusammenschlüsse, woraus allmählich der Orden in seiner heutigen Form entstand. Der Ritterorden vom Heiligen Grab existiert als Institution päpstlichen und internationalen Rechts seit Papst Pius IX. (1846–1878).

20'000 Damen und Ritter

Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist neben den Maltesern heute der einzige Ritterorden, der noch aktiv wirkt und bis heute überlebt hat. Der Malteserorden, der seinen Sitz in Rom hat, unterhält in 102 Ländern – darunter sind viele nicht katholische Staaten – diplomatische Beziehungen, während der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem eine rein innerkatholische Organisation ist, obwohl dessen Hilfe im Heiligen Land auch Andersgläubigen zugute kommt.

Weltweit gehören dem Orden in 30 Ländern rund 20000 Damen und Ritter an. Die Leitung des Ordens oblag ursprünglich dem Papst, wurde jedoch unter Benedikt XV. (1914–1922) einem Kardinal übertragen, der die Funktion eines Kardinalgrossmeisters ausübt. Seit 2007 ist dies Kardinal John Patrik Foley.

Grossprior erteilt Ritterschlag

Die 1950 errichtete Schweizerische Statthalterei ist in drei Sektionen unterteilt: Deutsche Schweiz, Suisse romande und Svizzera italiana. Jede Sektion ist in Komtureien gegliedert. In der Sektion Deutsche Schweiz sind dies die Komtureien Basel-Tierstein, Bern, Churrätien, St.Gallen, Solothurn, Waldstätte und Zürich.

Der oberste Würdenträger ist dieses Jahr in Solothurn nicht anwesend. Er wird vertreten durch den Schweizer Grossprior Pier Giacomo Grampa, Bischof von Lugano. Dieser hat den Kandidaten am Samstagnachmittag in der Marienkirche den Ritterschlag erteilt und ihnen die Ordensinsignien und den Mantel überreicht. Kandidat oder Kandidatin wird man übrigens nur auf Vorschlag.

www.oessh.ch