Raserprozess
«Es gab wahnsinnigen Chlapf»

«Ich kann mir nicht erklären, warum es zur Kollision kam.» Das sagten der Fahrer wie die Beifahrerin des roten VW Golf, in dem Lorena Wittwer am 8.November 2008 starb.

Christian von Arx
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Schwere Last

Schwere Last

Solothurner Zeitung

«Es gab einen Chlapf, einen wahnsinnigen Lärm. Dann war Nacht. Ich fragte: ‹Was ist das, ist einer in uns hineingefahren?› Mein Mann sagte: ‹Ich weiss es auch nicht.› Lorena sagte nichts mehr.»

So schilderte Bernadette S. den Moment, als ihr VW Golf beim Abbiegen von einem Raserauto erfasst wurde. Der heute 61-jährige Rainer S. und seine 63-jährige Ehefrau berichteten als Auskunftspersonen klar und gefasst. Lorena Wittwer kam an jenem Freitagabend aus ihrem Arbeitsort Montreux und wurde vom Ehepaar am Bahnhof Aarau zum Nachtessen in Muhen abgeholt. Kurz nach 1 Uhr brachen sie auf, um Lorena an ihren Wohnort Schönenwerd zu bringen: Rainer S. am Steuer, seine Frau auf dem Beifahrersitz, Lorena hinten rechts.

«Ich sah nichts kommen, gab Gas»

Unterwegs trafen sie abschnittweise auf dichten Nebel. «In Schönenwerd betrug die Sicht 80 bis 90 Meter», sagte Rainer S. Er sei mit eingeschalteten Nebellampen gefahren. Er habe Richtung Stiftshaldenstrasse eingespurt und im Rückspiegel ein Auto gesehen, das dann rechts vorbeifuhr. «Ich habe geblinkt und kurz angehalten, schaute Richtung Aarau, sah nichts kommen, gab Gas.» Danach wisse er nichts mehr, nur dass er ein paar Stunden später in der Notfallaufnahme des Spitals wieder zu sich kam. «Meine Frau sagte mir, dass Lorena gestorben war.»

Auch Bernadette S. sprach von dickem Nebel am Unfallort. Sie habe ihren Mann zum Einspuren eingewiesen, da er die genaue Lage von Lorenas Wohnung nicht kannte. «Ich schaute auch nach rechts und sah nichts kommen. Wir fuhren über die Strasse.» Dann kam der «Chlapf». Während Lorena bei der Kollision sofort getötet wurde, überlebten Rainer und Bernadette S. mit Verletzungen, unter deren Folgen sie heute noch zu leiden haben.

Für die Zuhörer war es starker Tobak, dass die Pflichtverteidigerin des griechischen Rasers, Corinne Saner (Olten), dann den Spiess umdrehte: «Stimmt es, dass bei Ihnen kein Atemlufttest und keine Urinprobe durchgeführt wurden?» Höchstens anderthalb Schlucke Rotwein habe er zum Nachtessen getrunken, antwortete S; Cannabis habe er nie im Leben geraucht.

Unklares zur Autobahn-Raserei

Die Angeklagten werden erst am Donnerstag zum Unfall befragt. Die gestern aufgebotenen sechs Zeugen konnten wenig zur Klärung beitragen. Zwei waren damals, kurz vor dem Raserunfall, auf der A1 zwischen Egerkingen und Aarau von Rasern überholt worden und überzeugt, dass es sich um diese Autos gehandelt haben müsse. Ihre Aussagen waren allerdings etwas ungenau. Tatsächlich waren Agrapios und Bojan zuvor im Egerkinger «Atlantis» gewesen. Schliesslich wurden drei Aargauer Polizisten befragt. Zwei hatten die drei Raser kurz vor dem Unfall in Aarau vorbeibrausen gesehen oder gehört und schätzten die Geschwindigkeit (innerorts) auf 100 bis 120 km/h. Heute stehen weitere Zeugenbefragungen an.

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