Strom

Erneuerbare Energie wird zum Standard

Mit einem neuen Standard-Strommix soll Strom aus erneuerbaren Energiequellen – etwa aus Wasserkraft – gefördert werden.Archiv/AZ

Mit einem neuen Standard-Strommix soll Strom aus erneuerbaren Energiequellen – etwa aus Wasserkraft – gefördert werden.Archiv/AZ

Jetzt kommt Bewegung in die regionale Stromwirtschaft. Die Regio Energie Solothurn verkauft ab 2013 für ihre Stadtsolothurner Kunden nur noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen.Regionale Versorger liefern automatisch «grüne» Energie.

 Eine etwas abgeschwächte Variante wählt die AEK Energie AG. Sie liefert künftig automatisch als Standardprodukt ebenfalls nur noch Strom aus erneuerbarer Energie. Allerdings kann der AEK-Kunde auf Wunsch die Stromqualität down- oder upgraden. Dasselbe System führen die Oltner Aare Energie AG sowie die Stadtwerke Grenchen SWG ein (wir berichteten).

Regio Energie ohne Atomstrom

«Das Bedürfnis nach erneuerbarer Energie seitens unserer Kundschaft ist vorhanden», begründet Sandra Hungerbühler, Sprecherin der Regio Energie Solothurn (RES), den Strategiewechsel. Bisher bestand der gelieferte Strommix zu 48 Prozent aus Atomkraftwerken und zu 43 Prozent aus erneuerbarer Energie. RES gehe davon aus, dass der neu zusammengesetzte Strommix – er besteht hauptsächlich aus Wasserkraft – von den Kunden akzeptiert werde. Nach wie vor biete Regio Energie ihre Ökostrompalette an. «Die Kunden können also weiterhin höherwertigen zertifizierten Ökostrom beziehen», sagt Hungerbühler. Den durch den neuen Strommix bedingten Mehrbedarf an erneuerbarer Energie werde unter anderem über den Kauf von entsprechenden Zertifikaten auf dem Markt gedeckt.

Wunschstrommix umgesetzt

Die AEK-Kunden werden standardmässig mit Strom zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energiequellen beliefert, wenn sie nicht aktiv reagieren. Ein Griff in die Trickkiste? Ulrich Münch, Bereichsleiter Strom und Mitglied der AEK-Geschäftsleitung, sagt Nein. «Umfragen zeigen, dass die Mehrheit unserer Kunden Strom aus erneuerbaren Quellen wünscht.» Dem wolle man nun Rechnung tragen. Dass der Wunschstrommix in der Realität nicht dem Kundenverhalten entspricht, weiss auch Münch. Obwohl die AEK seit langem Ökostrom im Angebot habe, beziehe heute nur gerade 1 Prozent der rund 40000 Kunden «grünen» Strom. Die Erfahrung auch anderer Stromversorger zeige, dass sich Kunden aus Desinteresse nicht aktiv um Ökostrom bemühten, es aber begrüssten, wenn er automatisch geliefert werde.

AEK bietet Down- oder Upgrade an

Deshalb stellt nun die AEK ihre Produktpalette für Privathaushalte auf Anfang 2013 um, für Gewerbe- und Industriekunden auf Anfang 2014. Der Standard-Strommix unter dem Namen «Blauer Strom» besteht zu maximal 53 Prozent aus Energie von Grosswasserkraftwerken und zu mindestens 47 Prozent aus neuer erneuerbarer Energie (Kleinwasserkraftwerken, Photovoltaik, Wind und Biomasse). Der Kunde kann aber downgraden und «Grauen Strom» bestellen. Dieser setzt sich zu 100 Prozent aus nicht erneuerbaren Energiequellen (Atom, Öl, Gas, Kohle usw.) zusammen. Oder er macht ein Upgrade und setzt auf «Grünen Strom», zu 100 Prozent zusammengesetzt aus neuen erneuerbaren Energiequellen.

Der Aufpreis für den «Blauen Strom» gegenüber dem «grauen Strom» beträgt 1 Rappen pro Kilowattstunde, jener für den «Grünen Strom» 6 Rappen. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4500 Kilowattstunden macht dies 45 respektive 270 Franken pro Jahr. Es sei nicht Ziel, mit dem neuen Produktmodell mehr Gewinn zu erzielen. Je ökologischer ein Strommix sei, umso höher seien die Produktionskosten. AEK werde vermehrt regionale Projekte im Bereich erneuerbarer Energien fördern oder selber realisieren. «Der erhöhte Verbrauch wird sich positiv auf das Angebot von regionalen Produzenten an Strom aus erneuerbaren Energien haben.»

Breite Akzeptanz erwartet

Münch geht davon aus, dass die Umstellung bei den Kunden grossmehrheitlich akzeptiert werde. «Wir erwarten, dass rund 80 Prozent der Kunden künftig ‹Blauen Strom› beziehen werden.» Der Bedarf an «grüner Energie» werde allein deshalb zunehmen. Zur Deckung werde AEK neue Verträge mit Lieferanten abschliessen, die Nutzung lokaler Stromproduktion aus Kleinwasserkraftwerken oder etwa grossflächigen Photovoltaikanlagen verstärken. «Zudem sind wir an der Ökostrombörse Schweiz aktiv, wo wir unseren Bedarf an erneuerbarer Energie öffentlich ausschreiben.»

Auch Per Just, Chef der Grenchner SWG, ist zuversichtlich, dass die Umstellung des Standardproduktes (98 Prozent Wasserkraft und 2 Prozent Sonnenenergie) breit akzeptiert wird. «Wir wollen einen Beitrag zur Energiewende leisten und neue erneuerbare Stromproduktionsarten fördern.»

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