«Die Atomkatastrophe in Japan hat das Interesse an Energieeffizienzsteigerungen und erneuerbaren Energien deutlich ansteigen lassen», erklärt Urs Stuber, Leiter der Energiefachstelle des Kantons Solothurn. Insbesondere Informationen zu Photovoltaik (Solaranlagen zur Stromerzeugung) und zum Umstellen von Elektroheizungen seien nachgefragt. Dieses Phänomen trete immer nach «energierelevanten Ereignissen» auf. Letztmals bei der Preisexplosion für Rohöl im 2008. Ob sich das Interesse letztlich in steigenden Gesuchen zur Teilnahme am Förderprogramm «Energieeffizienz und erneuerbare Energie» niederschlage, sei noch offen. «Die Auswirkungen spüren wir jeweils zeitverzögert.»

Aber bereits vor «Japan» sei die Bevölkerung für das Thema Stromsparen viel stärker sensibilisiert worden. Auch auf politischer Ebene habe eine Veränderung stattgefunden. Stuber spricht die oppositionslose Zustimmung zum Globalbudgets «Energiefachstelle 2009 bis 2011» durch den Kantonsrat an, mit welchem das erwähnte Förderprogramm mit über acht Millionen Franken alimentiert wurde. Im Vergleich zu den Jahren vorher sei das ein «Riesensprung».

Über 100 Gesuche pro Monat

Seit Anfang März 2009 sind bei der Energiefachstelle knapp 2600 Gesuche eingereicht worden. Davon wurden rund 2200 Gesuche bewilligt, der Rest aus verschiedensten Gründen abgelehnt. Zusätzlich wurden im Rahmen des vom Bund auf Anfang 2010 lancierten Gebäudeprogrammes 1400 von 1540 Beitragsgesuchen zur Sanierung der Gebäudehülle an Objekten im Kanton Solothurn bewilligt (siehe Kasten). Das heisst durchschnittlich sind 165 Gesuche pro Monat eingegangen. Der Grossteil der Gesuche entfällt auf Gebäudesanierungen, den Bau von solarthermischen Anlagen (zur Warmwasseraufbereitung), das Umsteigen auf Wärmepumpen, den Einbau von Holzfeuerungen und Photovoltaikanlagen.

«Unsere kühnsten Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Das kantonale Förderprogramm ist ein voller Erfolg», zieht Stuber Bilanz. Davon profitiere die Umwelt direkt. Die CO2-Emissionen könnten dank den durch das Programm geförderten Massnahmen um 2500 Tonnen jährlich reduziert werden. Über die ganze Lebensdauer der bisher erfolgten Sanierungen und installierten Anlagen gerechnet, würden es letztlich über 50000 Tonnen sein.

Mehr als 10 Millionen Franken

Seit März 2009 seien im Rahmen des Förderprogramms Beiträge im Umfang von 6,6 Millionen Franken ausgeschüttet worden. Hinzu kommen 1,6 Millionen Franken, die über das Gebäudeprogramm ausbezahlt wurden. Bis Ende 2011 rechnet Stuber mit einer Ausschüttung von über 10 Millionen Franken.

Dem Förderprogramm stehen für die Jahre 2009 bis 2011 kantonsseitig 6,3 Millionen Franken zur Verfügung. Aus dem mit der Teilzweckbindung der CO2-Abgabe finanzierten Globalbeitrages des Bundes kamen bislang 4,7 Millionen Franken hinzu, die Höhe des Beitrages für 2011 ist noch offen. Das Gebäudeprogramm hat wie erwähnt 1400 Gesuche aus dem Kanton Solothurn bewilligt, die mit 7,8 Millionen Franken gefördert werden.

Zurzeit laufen, so Urs Stuber, die Vorbereitungen zur Erarbeitung des neuen Globalbudgets für die Periode 2012 bis 2014. Details wollte er noch keine verraten, aber die Grössenordnung dürfte mindestens im Rahmen des bisherigen Budgets liegen. Er ist zuversichtlich, dass sowohl Kantons- wie Regierungsrat dem entsprechenden Antrag zustimmen werden.

Regionale Wirtschaft profitiert

Dies umsomehr, weil das Förderprogramm nicht «nur» das Energiesparen, sondern auch die regionale Wirtschaft unterstütze, erklärt Stuber weiter. So steckten etwa allein hinter den erwähnten 2200 bewilligten Gesuchen Investitionen von weit über 100 Millionen Franken. Hauptnutzniesser seien vorwiegend das Heizungs- und Sanitärgewerbe, Elektroinstallateure, Alternativ-Energiefirmen, Ingenieurbüros, Dachdecker und die Forstwirtschaft.