Derendingen

«Elsässli»-Gärten sind stark mit Schadstoffen belastet

Marianne Knecht (links) und Franz Borer (Bodenspezialisten) führten die Untersuchungen in den Gärten durch. Gaby von Rohr (Leiterin Fachstelle Bodenschutz, Amt für Umwelt) begleitet sie. hanspeter Bärtschi

Marianne Knecht (links) und Franz Borer (Bodenspezialisten) führten die Untersuchungen in den Gärten durch. Gaby von Rohr (Leiterin Fachstelle Bodenschutz, Amt für Umwelt) begleitet sie. hanspeter Bärtschi

Untersuchungen bestätigen: Die Gärten im «Elsässli» sind stark mit organischen Schadstoffen belastet. Diese stammen von Teerplatten, die früher für die Gartenwege verwendet wurden.

Die Untersuchungen der Gärten im «Elsässli» in Derendingen (wir berichteten) sind abgeschlossen. Sie zeigen, dass die Böden belastet sind. Besonders hoch ist die Belastung mit organischen Schadstoffen PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Diese hohe Belastung ist auch für Fachleute eine Überraschung. Und es gibt schweizweit keine vergleichbare Situation. «Wir wissen auch nicht genau, wie die organischen Schadstoffe auf Lebewesen wirken«, so Gaby von Rohr (Leiterin Fachstelle Bodenschutz, Amt für Umwelt).

Deshalb sind weitere Abklärungen nötig. Erst danach können auch Massnahmen ergriffen werden. Die Bewohner der Siedlung wurden gestern Abend informiert. Sie reagierten relativ gelassen. Dies bestätigte auch Franz Borer. Er hat gemeinsam mit Marianne Knecht die Untersuchungen in den Gärten durchgeführt. «Wir wurden freundlich aufgenommen und konnten auch viele Gespräche führen, die uns wiederum bei den Untersuchungen weiterhelfen.»

Rund 80 Aren Nutzfläche

28 Gärten gibt es im «Elsässli». Sie sind zwischen drei bis vier Aren gross. Alle werden seit Jahrzehnten mehr oder weniger intensiv genutzt. Die Untersuchungen zeigen, dass alle Grundstücke ähnlich hohe Schadstoffbelastungen aufweisen. Der Gehalt an Schwermetallen wie Blei oder Zink ist vergleichbar mit den Ergebnissen von Untersuchungen aus anderen alten Gärten. Die hohe Belastung mit organischen Schadstoffen wird auf Teerplatten zurückgeführt, die im ganzen «Elsässli»-Quartier verwendet wurden, um Gartenwege und Vorplätze zu befestigen.

Die Bewohner hatten gestern Abend viele Fragen. Längst nicht alle konnten beantwortet werden. Entwarnung gab Gaby von Rohr aber, was das Essen von selbst gepflanztem Gemüse angeht. Die organischen Schadstoffe würden vom Gemüse in aller Regel nicht aufgenommen. «Gut waschen und rüsten», gab sie als Tipp. Die Schadstoffe seien im Boden eingebunden. Sie gelangen deshalb auch nicht ins Grundwasser, wie einer der Anwohner befürchtete.

Am ehesten könnten die Schadstoffe aufgenommen werden, wenn Erde gegessen würde. Deshalb auch der Tipp von Franz Borer kleine Kinder im Moment nicht im Gartenbeet spielen zu lassen, bis man mehr wisse. «Auf dem Rasen hingegen können sie die Kinder problemlos lassen.» Die Umweltschutzgesetzgebung sei ganz allgemein auf Vorsorge ausgerichtet. «Sie können davon ausgehen, dass keine akute Gefährdung besteht, auch wenn die Werte hoch sind.»

Ob die Böden im «Elsässli» saniert werden müssen oder nicht, konnten die Fachleute gestern Abend nicht sagen. Auch nicht, wer eine solche Sanierung zahlt. «Der Verursacher ist nicht mehr da und kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden.»

Absprache mit dem Bund

Weil die Verordnung über die Belastung des Bodens eine eidgenössische Verordnung ist, muss sich der Kanton mit dem Bund absprechen. «Das ist auch der Grund, wieso wir ihnen heute Abend noch keine Massnahmen vorschlagen können», so Gaby von Rohr. Das Amt für Umwelt wolle aber unbedingt bis nächsten Frühling Klarheit über die Situation haben. «Sobald wir mehr wissen, werden wir wieder informieren», versprach von Rohr.

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