Matzendorf

Einweihung Krimispass-Weg: Jetzt sind Hobbykommissare gefordert

Startschuss für Freizeitkommissare und Bibliophile: Am Freitagabend wurden in Matzendorf Krimispassweg, offener Bücherschrank und der Spielplatz eröffnet.

Ab sofort kann auf dem Krimispass-Weg ein fiktiver Mordfall aufgeklärt werden.

Gleich drei neue Attraktionen durfte Gemeindepräsident Marcel Allemann am Freitagabend einweihen. «Heute ist ein Freudentag für Matzendorf», kommentierte er dies zu Beginn seiner Rede. Neben dem neuen Spielplatz beim Kindergarten sowie einem offenen Bücherregal ist ab sofort der erste Krimispass-Weg im Kanton Solothurn eröffnet. Auf diesem Themenweg schlüpfen die Leute in die Rolle eines Kommissars, der den fiktiven Mordfall an Pierre Salzmann im Dorf aufklären muss.

Am Freitagabend war mit David Baumgartner auch der Initiant der Krimispass-Wege anwesend. Baumgartner erklärte den rund 70 Anwesenden, wie der Themenweg funktioniert: Via die Website von Krimispass können sich die Interessierten anmelden. Sie erhalten eine E-Mail mit der Spielanleitung sowie den Koordinaten der Tafeln, die gleich in der Karten-App geöffnet werden können. In Matzendorf beginnt der Weg hinter der Gemeindeverwaltung und führt dann durchs Dorf. Auf den Tafeln kann ein QR-Code gescannt oder der Link zu einer Website abgetippt werden. Zuerst werden die Personen vorgestellt, die verdächtigt werden, Pierre Salzmann ermordet zu haben. Bei den nächsten Tafeln kommen Hinweise in Form von Tatortfotos oder Audioaufnahmen von Gerichtsmedizinern dazu. Am Schluss des rund zweistündigen Wegs durch das Dorf kann jeder auf der Website die Vermutung eingeben, wer der Mörder ist, worauf per E-Mail die Auflösung folgt. Die Teilnahme ist gratis, mehr als ein internetfähiges Handy braucht es nicht.

Neue Geschichte in zwei Jahren

Krimispass-Wege gibt es seit sechs Jahren an mittlerweile 13 Standorten, überwiegend im Kanton Bern. Die Anforderungen an einen Standort sind gering, wie Baumgartner nach dem offiziellen Teil erzählte. «In den Geschichten kommt zum Beispiel eine Bäckerei oder eine Bushaltestelle vor. Das gibt es fast in jeder Ortschaft», sagt Baumgartner. Die Geschichten schreibt er alle selbst. Falls ein Element in einer Gemeinde fehlt, passt er die Geschichte an. Derzeit können sechs verschiedene Geschichten gespielt werden. Nach ein bis zwei Jahren kann die Gemeinde entscheiden, ob sie eine neue Geschichte im Dorf haben möchte. Die Änderung ist dann in wenigen Klicks erledigt, die Schilder können unverändert hängen bleiben. Die Standorte sind alle in ländlichen Gegenden, was nicht zwingend ist. «Mir persönlich sind ländliche Gegenden lieber», sagt Initiant Baumgartner. «In den Städten gibt es ja bereits viele Angebote, wie zum Beispiel Foxtrail.»

Nach Matzendorf kam der Themenweg auf die Idee von Gemeindepräsident Marcel Allemann, der den Krimispass-Weg in Utzenstorf (BE) absolviert hatte. «Wir wollen damit dem Dorf etwas zurückgeben», erklärte Allemann den Anwesenden. Gleichzeitig sollen auch Leute von ausserhalb nach Matzendorf und in den Naturpark Thal gelockt werden. «In Matzendorf haben wir viele verschiedene Läden», stellte er nach der Veranstaltung fest. «Das sollen die Leute auch sehen.» Er hoffte, dass auch das lokale Gewerbe profitieren wird. «Ich sehe oft, dass die Leute sich anmelden und eine Woche später woanders einen Weg absolvieren», sagte Baumgartner. «Gut möglich also, dass auch Leute nach Matzendorf kommen, die schon anderswo eine Geschichte gespielt haben.»

An jenem Abend wollte aber noch niemand direkt den Weg absolvieren. Auch der neue Spielplatz leerte sich rasch nach dem offiziellen Teil. Grund dafür war der Regen, der pünktlich nach Ende der Reden und Danksagungen einsetzte. Dies machte die anschliessende Festwirtschaft im Trockenen attraktiver. «Ich habe gesehen, dass sich schon ein paar Leute für den neuen Weg registriert haben», stellte Baumgartner fest. Beim nächsten Tag mit schönem Wetter dürften also schon die ersten Hobbykommissare in Matzendorf unterwegs sein.

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