Verenaschlucht

Einsiedelei wird zum Event-Paradies - zum Ärger der Verantwortlichen

Schön in der Nacht...

Schön in der Nacht...

Das Kerzenaufstellen in der Schlucht ist beliebt . Das Problem: Die Abfallberge die übrig bleiben, so dass der Ort zu einem Rummelplatz verkommt.

Schon während des ganzen Dezembers stellen Menschen in der Verenaschlucht immer öfter und immer mehr Kerzen auf. In jeder kleinsten Nische, auf noch so steilen Felswänden, dem Bach entlang, auf Sitzbänken oder auf den Geländern – überall werden die meist kleinen Teelichter aufgestellt.

Mancher zündet sogar eine Fackel an oder Grabkerzen leuchten rötlich. Eigentlich eine schöne Sache, besonders, wenn es dunkel wird in der Schlucht und – so wie dieses Jahr – auch noch Schnee liegt. Man freut sich an dem schönen, wild-romantischen Anblick. Denn die Menschen sind alle auf der Suche nach Ruhe und Einkehr in der hektischen Weihnachtszeit. Doch finden sie dies hier auch nicht mehr unbedingt, denn inzwischen pilgern ganze «Völkerstämme» an den Abenden kurz vor und nach Weihnachten durch den mystischen Ort.

Ort der Besinnung – Rummelplatz

«Ganze Belegschaften von Firmen, Familienverbände und andere Gesellschaften kommen vor Weihnachten in die Schlucht, um ihrem Festessen wohl noch eine besondere Note zu geben», beobachtet Hans Hug, Riedholz, der dem Vorstand der Gesellschaft Einsiedelei St. Verena angehört und Führer durch die Schlucht ist.

Der Ort der Besinnung wird immer mehr zum Event-Paradies. Punsch wird ausgeschenkt oder Feuer gemacht. Immer mehr Leute aus der Umgebung spazieren nächtens durch die Schlucht, stets auf der Suche nach einer freien Nische, in welcher sie ihre Kerzen aufstellen können. Hug: «Da veranstalten manche richtige Kletterpartien, um an einen unwegsamen Platz zu kommen. Bei den winterlichen Verhältnissen derzeit besonders gefährlich.»

Leider nicht nur schön

Leuchtet dann die Schlucht im Kerzenschein, lockt das nochmals weitere Besucher an. «Im Grunde ist es ja schön, dass die Leute Freude an der Verenaschlucht haben und sie besuchen, doch leider bringen sie neben ihrer Freude auch einen Haufen Abfall mit», sagt Hug weiter.

Und dieser Abfall ist es dann, der den Verantwortlichen der Gesellschaft Einsiedelei St. Verena, der Eremitin Schwester Verena und auch der Eigentümerin der Schlucht, der Bürgergemeinde Solothurn, Kopfzerbrechen bereitet. «Schwester Verena geht im Dezember jeden Morgen auf Einsammel-Tour durch die Schlucht», erzählt Hans Hug. Er und einige seiner Vereinskollegen unterstützen sie dabei. «Pro Tag braucht man alleine mindestens drei Stunden, die Kerzenreste einzusammeln. Sind wir zu fünft oder sechst, gehts natürlich etwas schneller. Und es ist nicht ungefährlich.»

Wäre es denn nicht besser, den ganzen Kerzenabfall einfach stehen zu lassen, damit die Leute sehen, welche Verschmutzung da angerichtet wird? «Das haben wir uns auch schon überlegt», sagt Solothurns Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger. Doch da wären dann schnell Reklamationen zu hören, die Verenaschlucht sei verdreckt, ist er überzeugt.

Verhaltensregeln definieren

Das Ganze ufert zunehmend aus, und dies nicht nur in den Weihnachtstagen, so Wyniger. Die Verenaschlucht wird inzwischen während des ganzen Jahres in Beschlag genommen. «Da gibt es beispielsweise Leute, die in den Felsnischen Kerzen für ihre Verstorbenen aufstellen. Bei allem Verständnis, aber dafür ist die Schlucht nicht der richtige Ort», sagt Wyniger. Das Kerzeneinsammeln sei eine Sisyphusarbeit, sagt er: «Jetzt hat das Ganze ein Ausmass angenommen, das wir nicht mehr tolerieren können, und wir überlegen uns, für das kommende Jahr Verhaltensregeln zu definieren.»

«Eigentlich ist es ja schade, dass man den Leuten Vorschriften machen muss», sagt Hug, und doch ist er auch überzeugt, dass jetzt gehandelt werden muss. Am Weihnachtsmorgen habe er zusammen mit nur wenigen Helfern fast wie jeden Morgen Kerzenreste zusammengelesen, und den Alu-Abfall erst noch in separate Säcke gepackt. «Erwähnen will ich aber auch noch, dass es auch andere Leute gibt.» Beim Einsammeln sei ihm nämlich eine Familie mit fast erwachsenen Kindern begegnet, die alle auch am Aufräumen waren. «Sie hatten mindestens fünf Abfallsäcke voll eingesammelt.»

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