Theater Gurten
Eine Nashornherde auf dem Gurten?

Die Gurten-Theater-Truppe führt auf dem Berner Hausberg Eugene Ionescos absurdes Stück «die Nashörner» auf.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Fredi Stettler als Behringer und Corinne Thalmann als Daisy auf dem Gurten. zvg

Fredi Stettler als Behringer und Corinne Thalmann als Daisy auf dem Gurten. zvg

studio z-arts | Hannes Zaugg-Gra

Theater auf dem Gurten ist doch immer wieder eine Reise wert. Erst einmal, weil man so unkompliziert und schnell auf den Berner Hausberg anreisen kann, weil die Aussicht hier oben am Abend einfach atemberaubend ist und weil es die Gurten-Theater-Truppe um Regisseurin Livia Anne Richard alle zwei Jahre wieder schafft, das Publikum mit einem neuen, überraschenden Stück zu überzeugen.

Das war mit der Theaterfassung von Dällebach Kari 2006/07 so, das war mit dem selbst erdachten Stück «Paradies» vor zwei Jahren so, und das ist auch diese Saison wieder so. Dieses Jahr hat sich Richard für ihr bewährtes Laien-Schauspiel-Ensemble einem Klassiker des modernen Theaters verschrieben. Eugene Ionescos «Die Nashörner», das Paradestück des absurden Theaters, geschrieben im Jahr 1957, zunächst als Erzählung. Zwei Jahre später wurde das Stück des in Frankreich lebenden rumänischen Autors als Dreiakter in einer Uraufführung am Düsseldorfer Schauspielhaus gespielt; seither ist es auf den Spielplänen der Theater aus aller Welt immer wieder zu finden. Mit den «Nashörnern» hält uns der Stückeschreiber einen allzu menschlich-absurden Spiegel vor.

Die Geschichte: Menschen einer Kleinstadt werden über Nacht zu Nashörnern – ob gewollt oder nicht – und zum Entsetzen des Hauptprotagonisten Behringer machen immer mehr seiner Bekannten begeistert bei dieser Verwandlung vom moralisch denkenden Menschen zum alles zertrampelnden und zerstörerischen Ungeheuer mit. Es sind Typen, die in diesem Stück gezeigt werden: der human agierende, vermeintliche Alkoholiker, der karrierestrebende Freund, der geschniegelte Chef, der weltfremde Philosoph, die besserwisserische Lehrerin, die ängstliche junge Frau, die geldgierige Wirtin.

Kongenialer Hauptdarsteller

Livia Anne Richard hat Ionescos Text ins Berndeutsche gesetzt und bei den vorgegebenen Typen verblüffend wenig Anpassungen für ihr Ensemble schaffen müssen. Der Hauptakteur Behriger wurde mit Fredi Stettler kongenial besetzt, ebenso sein stänkerischer Freund Hans, verkörpert von Markus Maria Enggist, der die Verwandlung ins Nashorn beklemmend wiedergibt. Auch alle anderen Ensemblemitglieder haben das in Text und Spiel doch sehr anspruchsvolle Stück ausserordentlich gut an der Premiere letzten Donnerstag gemeistert.

Ein wesentlicher Part in dieser Inszenierung kommt der Musik von Hank Shizzoe zu, gespielt von ihm an der Gitarre und am Keyboard und Simon Baumann an den Drums. Sie schafft eine zusätzlich emotionale Ebene, die das Stück noch bedrohlicher und absurder werden lässt. Das spartanisch anmutende Bühnenbild von Fredi Stettler und die zurückhaltenden Kostüme von Karin Schilt sind äusserst passend. Einzig die Tonanlage müsste für einige Schauspieler etwas besser abgestimmt werden. Die Unterschiede für die Hörqualität sind doch beträchtlich. Insgesamt aber lässt sich sagen: Diese Nashornherde auf dem Gurten darf man getrost über sich ergehen lassen.

Infos: www.theatergurten.ch