Mitten im Nachmittag steigt eine mächtige Rauchsäule über der Altstadt auf, Flammen schiessen aus dem Dach des Geschäftshauses Sperisen an der Hauptgasse 54. «Ich lag auf dem Sofa, als sich plötzlich die Sonne verdunkelte und Rauch aufstieg», erklärt zwei Stunden später die gegenüber wohnende Journalistin Eva Berger. Antiquar Paul F. Feser im Parterre wollte schon um 14.20 Uhr Rauch gesehen haben, «und erste Leute riefen an.»

Offiziell sei in der Alarmzentrale der Kantonspolizei der Brand um 14.54 Uhr gemeldet worden, betont die Kantonspolizei. «Kurz nach drei Uhr habe ich davon gehört, wir waren rasch zur Stelle», schildert Martin Allemann, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Solothurn seine Sicht der Dinge. «Wir mussten nun die Schlauchleitungen legen und bekämpften das Feuer zuerst von unten, von der Goldgasse aus.»

«Wann löschen die endlich?»

Deshalb hatte der Hauptharst der Zuschauer auf dem Märetplatz, der dies nicht bemerkte, zuerst gehadert: «Wann löschen sie endlich?», lautet reihum die erregte Frage. «Zum Glück gab es kaum Wind», räumt später auch Allemann ein, denn trotz gezielter Wasserstrahlen von Drehleitern und inzwischen bemannten Dachluken aus frisst sich das Feuer nicht sehr schnell, aber scheinbar unaufhaltsam von einem Dachstock zum anderen.

Grossbrand in Solothurn

Grossbrand in Solothurn

Am Schluss ist das Haus Hauptgasse 54 am schwersten betroffen, aber auch die Dachstöcke der zwei rechts und links liegenden Häuser sind fast völlig ausgebrannt. Bei Westwind hätte es auch das Dach der Jesuitenkirche, das vor der Sanierung steht, treffen können, «aber so bestand für das Kirchendach keine Gefahr», resümiert Martin Allemann um 17 Uhr.

Gerade Mietvertrag unterschrieben

In der Theatergasse strebt Urs Rudolf der Goldgasse zu. Seine Zytglogge AG hat das Haus an der Hauptgasse 54 soeben von Franz Sperisen erworben. «Es ist schon geschrieben, aber Nutzen und Schaden gehen erst am 1. Juni an mich über», erklärt Rudolf hastig.

Eine komplizierte Rechtlage also, «aber um die Schadenabwicklung muss ich mich wohl kümmern.» Paradox, erst zehn Minuten vor dem Brandausbruch hatte Rudolf den Mietvertrag mit den künftigen Nutzern der Ende Mai schliessenden Boutique 54 unterzeichnet, den Modehäusern Nile und Bijoux les Boutiques. Jetzt muss Urs Rudolf weiter, nicht nur die Mieter im Haus Nummer 54 sind betroffen, sondern auch die ihm ebenfalls gehörende Nachbarliegenschaft Hauptgasse 56, wo die Parfümerie Marrionaud eingemietet ist.

Angst um den Vigierhof

Die Feuerwehr reisst inzwischen Ziegel von den Dächer, um darunter immer wieder aufflackernde Brandherde zu löschen. Bellacher Feuerwehrleute lösen den Solothurner Atemschutz-Zug ab, der mit geschwärzten, schweissnassen Gesichtern Mineralwasser in sich schüttet. Ständig hageln Ziegel und Blech aufs Pflaster. «Der Einsatz ist für uns gefährlich», bestätigt Martin Allemann. Immer weiter werden die Gaffer zurückgesperrt, sogar im Manor stinkts jetzt nach Rauch.

Jean-Claude Strebel, Geschäftsführer der Vigierhof AG, fürchtet um wertvolle Akten, die nächste Woche ins Sommerhaus de Vigier gezügelt werden sollen. Zuletzt ist auch eine Wohnung des Vigierhofs ausgebrannt, fünf Häuser sind betroffen. Um 18 Uhr ist das Gröbste vorbei, für die Feuerwehrleute gibts Leckeres von der nahen Bäckerei. Nun gehts ans grosse Aufräumen, die Suche nach der Brandursache und um viel Geld - die zuerst vermeldeten «hunderttausende Franken Schaden» dürften wohl zu tief gegriffen sein.