Ein Mann, so stark wie ein Bär, stand am Dienstag vor dem Solothurner Obergericht, und selten ist eine Anklageschrift so bunt gemischt: Zum bandenmässigen Diebstahl und der Hehlerei wurden D. Medico Pornographie, Gewaltdarstellung, Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Waffengesetz sowie Tierquälerei vorgeworfen. Medico hatte gegen das Urteil vom Februar 2010 des Richteramts Solothurn-Lebern rekurriert, das ihn zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Gefängnis verurteilt hatte.

«Ich bin kein Verräter»

Als er auf Bewährung auf freiem Fuss war, nutzte Medico im August 2008 die Gelegenheit zu einem Diebstahl von Zigaretten im Wert von rund 130 000 Franken. Er horchte in Grenchen eine Bekannte aus und gab die Informationen an eine mysteriöse Gruppe Albaner weiter, die Medico nicht näher bezeichnete. Aus Angst und aus Stolz, wie er mit den Worten, «ich bin kein Verräter» erklärte. Mit dem Diebstahl habe er gar nichts zu tun gehabt, behauptete er, gab aber zu, die Zigaretten gelagert und einen Teil verkauft zu haben. «Warum helfen sie Unbekannten, ihre Freunde zu bestehlen?», fragte Oberrichter Hans-Peter Marti, der als Referent wirkte. Medico hatte keine Antwort. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Grenchen und seines Autos kam so einiges zum Vorschein. Die verbotenen pornographischen Filme, die Tiere und Exkremente beinhalten, und die brutalen Gewaltdarstellungen, die habe er ungefragt zugeschickt bekommen und gar nicht beachtet.

Ein anderes Vergehen, das etwas Licht auf die Persönlichkeit eines verurteilten Diebes wirft, der als Sicherheitsbeamter arbeiten will, ist die Tierquälerei. Medico hatte zwei Hunde gefilmt, die eine Katze zerbissen. Der Kampf sei nicht von ihm inszeniert worden, sondern von den beiden unbekannten Italienern, die ihm einen Welpen verkaufen wollten, sagte er.

Den Kampfhund hat Medico tatsächlich gekauft, und das sei ein ganz liebes Tier, wie seine Ehefrau erklärte, die als Zeugin angehört wurde. Die zierliche Frau beschrieb ihren Mann, den sie vor einem Jahr geheiratet hat, als tierliebend. «Er besitzt etwa 40 Vögel, um die er sich hingebungsvoll kümmert, obwohl ihn einige seiner Freunde deshalb auslachen», sagte sie.

Der Staatsanwalt forderte eine Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils, den Widerruf der bedingten Entlassung und eine Gesamtstrafe von drei Jahren Gefängnis. «Er hat während der Probezeit neue Verbrechen begangen. Das Rückfallrisiko ist gross» begründete er.

Schuldig in allen Punkten

«Medico weiss, dass er ins Gefängnis muss, aber drei Jahre sind zu viel», sagte der Verteidiger Roland Winiger. Er forderte eine Strafe von 15 Monaten und Freisprüche in allen Punkten, ausser der zugestandenen Hehlerei. «Es gibt Hoffnung auf Besserung», sagte der Verteidiger, «er hat psychiatrische Hilfe angenommen.» Das Obergericht folgte den Forderungen der Staatsanwaltschaft. D. Medico wurde in allen Punkten schuldig gesprochen zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Im Kanton Bern laufen zwei weitere Verfahren gegen Medico, für die die Unschuldsvermutung gilt. So wird untersucht, in wieweit er in eine Schiesserei um Biel im August 2010 verwickelt ist.

*Name von der Redaktion geändert