Kulturaustausch
Eine besondere Art des Reisens entdeckt

Kulturaustausch in Niederwil. Sieben junge Freiwillige aus sieben Nationen helfen dem Stall Vamaris, einen Weiher zu putzen. In seinen Sommerferien ein Land mittels handfester Arbeit kennen zu lernen, ist das Konzept von Workcamp.

Simon Binz (Text und Bild)
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Solothurner Zeitung

Korea, Armenien, Russland, Türkei, Tschechische Republik, Portugal und Schweiz. Das sind die sieben verschiedenen Heimatländer der Freiwilligen, die während zweier Wochen Andrea Schneider und Jan Kneubühler vom Stall Vamaris in Niederwil tatkräftig unterstützen. Fünf davon sind Volontäre (Volunteers) und zwei davon Teamleiterinnen von Workcamp. Es sind drei Männer und vier Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren.

Oberhalb des Hofs Vamaris gilt es, einen verwilderten Weiher von Büschen und Bäumen zu befreien. «Im Internet habe ich Workcamp Switzerland entdeckt und mich mit einem Projekt angemeldet», sagt Andrea Schneider. Ruedi Roth, Projektverantwortlicher von Workcamp Switzerland, sei dann vorbei gekommen und habe die Lage vor Ort begutachtet. «Mir ist es wichtig, dass ich die Projektpartner persönlich kennen lerne und mir ein Bild machen kann. Wir wollen, dass die Projekte, im Dienst der Gesellschaft stehen, und nicht nur Privaten nützen», erklärt Roth. Das sei bei Andrea Schneider der Fall, und darum habe sie auch den Zuspruch erhalten.

Am 13. August sind die Freiwilligen aus allen Ecken der Welt angereist. Bereits vier Tage später ist schon viel erledigt. «Rund um den Weiher neigen sich die Arbeiten allmählich schon dem Ende zu, aber wir müssen noch aufräumen und häckseln», erklärt Andrea Schneider. Beim Besuch der «Baustelle» sind die Volontäre heftig bei der Arbeit. Sieben enthusiastische junge Leute mit Handschuhen und langen Hosen bei geschätzten 30 Grad. Sie schleppen Holz. Alle sind gut gelaunt und packen zusammen an. «Ich lerne hier viel übers Wälder Holzen und Holz schleppen», lacht Andre Carqueja aus Portugal. Interessant ist zu beobachten, wie freundlich und hilfsbereit die Volontäre miteinander umgehen. Kommuniziert wird in Englisch. Zusammen mit Fridolin Flury, einem ehemaligen Förster, wird der ganze Weiher rundherum von den verwilderten Bäumen befreit. Flury erklärt mit Händen und Füssen, was zu tun ist.

Hilfreich ist, dass zwei der Volontäre ein bisschen Deutsch sprechen und natürlich übersetzt die Schweizer Teamleiterin. An diesem Tag sind auch die Tochter und der Sohn von Andrea Schneider und Jan Kneubühler auf dem Gelände rund um den Weiher zugange. Der Kleine packt kräftig mit an und wird von den Volunteers in Englisch gelobt. «Good Job», ruft Park Hyunuk. Zwischendurch schnappt er auch ein paar deutsche Worte auf. So hört man immer öfters «Ja» oder «Nein», mit einem südkoreanischen Akzent, was alle zum Lachen bringt. Genau diese kleinen Dinge, machen das Kollektiv aus. Zusammen wird gelacht, geredet und «geblödelt». Wie in jeder Gruppe gibt es auch hier die Offeneren und die Schüchternen. «Manche brauchen halt ein bisschen länger, bis sie sich öffnen, aber das ist ja normal», meint auch Andrea Schneider.Nach der Arbeit wird zusammen gekocht, gespielt und viel geredet. «Zusammen sein und zusammen reden, das ist wohl das Wichtigste», erklärt André Carqueja.

Verschiedene Ausflüge wurden auch schon gemacht und werden noch folgen. «Am letzten Samstag waren wir zusammen an der Chräbs-Chilbi», sagt Andrea Schneider. Es sei gut, mit den Freiwilligen ein richtiges Schweizer Fest zu besuchen, damit sie einen solchen Anlass auch kennen lernen. In Südkorea beispielsweise, gebe es keine solchen Feste, habe sie erfahren. «Ich fragte die Freiwilligen, ob wir uns trennen möchten, da schaute mich Hyunuk Park mit grossen Augen an und sagte, lieber nicht, er kenne diese Art Feste nicht», schmunzelt Schneider. Nach einiger Zeit sei dann aber auch der aus Südkorea stammende Jugendliche nicht mehr eingeschüchtert gewesen.

Nicht nur die Chräbs-chilbi war ein Teil der Aktivitäten. «Wir hatten ein «BBQ» auf einem Berg da hinten», sagt André Carqueja und zeigt Richtung Felsen in Niederwil. Alles hätten sie raufgeschleppt, um da oben zu «bräteln». Stehen einmal keine Aktivitäten am Abend auf dem Plan, haben sich die Freiwilligen etwas Spezielles ausgedacht, um einander näher kennen zu lernen. «Jeden Abend kocht jemand eine Köstlichkeit aus seinem Land und stellt seine Kultur näher vor», sagt Gayane Yerkanyan. Es sei sehr interessant, auf diese Art verschiedene Länder kennen zu lernen. Dinge, die man ohne diesen Kulturaustausch nie erfahren würde, fügt die Armenierin an. Noch bis am 27. August werden die Freiwilligen im Stall Vamaris den Weiher und das Gelände rundherum für die Öffentlichkeit wieder herrichten.

Andrea Schneider sagt nur wenige Tage nach der Ankunft der Helfer nachdenklich: «Ich glaube, dass ich diese Persönlichkeiten vermissen werde, wenn sie nicht mehr um uns herum sind.» Anzunehmen, dass diese Feststellung auf Gegenseitigkeit beruht.

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