Lüterswil
Eine Auswahl zu treffen, ist gar nicht so einfach

Im Bucheggberger Bezirksarchiv werden Tausende von Dias und Fotos digitalisiert. Es umfasst um die 250 Sachgebiete von A wie Auswanderung bis Z wie Ziegeleien.

Rahel Meier
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Bezirksarchivar Martin Schoch sichtet den Nachlass von Peter Lätt. Rahel Meier Martin Schoch sichtet den Nachlass von Peter Lätt. Rm

Bezirksarchivar Martin Schoch sichtet den Nachlass von Peter Lätt. Rahel Meier Martin Schoch sichtet den Nachlass von Peter Lätt. Rm

Solothurner Zeitung

Von Anfang 2008 bis Ende 2010 wurden rund 325 Arbeitsstunden in den Aufbau des Bucheggberger Bezirksarchivs in Lüterswil investiert. Unbezahlte Arbeitsstunden notabene. Die Katalogisierung ist EDV-gestützt und umfasst um die 250 Sachgebiete von A wie Auswanderung bis Z wie Ziegeleien.

Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1616, das jüngste aus dem Jahr 2010. Was nun folgt, ist die Digitalisierung der Dias und Fotos, die vorhanden sind. Ein grosser Teil davon stammt aus dem Nachlass von Peter Lätt.

 Ein Hochzeitsfoto (undatiert).
11 Bilder
 Ebenfalls undatiert - eine Männerrunde.
 Alte Luftaufnahme (undatiert) der Gemeinde Brügglen.
 Ein weiteres Bild, von dem nicht bekannt ist wer es ist und von wann die Aufnahme stammt.
 Ein Bucheggberger Landwirt und sein historisches Gefährt.
 Stramme Burschen - ein Bild des Lehrerverbandes Bucheggberg.
 Hier wurden ganze Schinken geräucht (undatiert).
 Die Feuerwehr Aetigen posiert (undatiert).
 Eine Seite aus einem Redenbüchlein.
 Junge Sängerinnen am Sängertag in Gossliwil (1939).
 Eines der ältesten Schriftstücke im Archiv.

Ein Hochzeitsfoto (undatiert).

Solothurner Zeitung

Ganze Gemüsekisten voll

Peter Lätt war ein Mühledorfer und bekannt als «Mr.Bucheggberg». Als er im Jahr 2007 starb, wohnte er in Bern-Liebefeld. «Seine Wohnung war ein einziger Fundus von Fotos und Schriftstücken.» Martin Schoch (als Bezirksarchivar Nachfolger von Peter Lätt) hat sich der Aufgabe angenommen, den Nachlass zu sichten, und hat mitgeholfen, die Wohnung zu räumen.

«Wir haben Gemüsekiste um Gemüsekiste voll mit Sachen mitgenommen.» Der Lastwagen musste zweimal fahren, so Schoch. Und schon bei Räumen der Wohnung habe er aussortiert. «Es war einfach nicht möglich, alles mitzunehmen.»

Dass der ganze Nachlass von Peter Lätt überhaupt in die Hände der Stiftung Schloss Buchegg kam, ist der Familie Lätt zu verdanken. «Seine Angehörigen wussten nicht, was sie mit den Sachen machen sollen. Für uns war klar, dass wir so viel wie möglich retten möchten», erklärt Hans-Ruedi Wüthrich (Mitglied Stiftungsrat Schloss Buchegg). Weil das Schloss als Archiv nicht geeignet ist, wurde ein Raum gesucht – und gefunden in der alten Poststelle in Lüterswil.

«Wir wollten die Sachen zuerst selbst archivieren. Aber wir haben schnell gemerkt, dass da ein Profi ranmuss», erklären Wüthrich und Schoch. Via André Schluchter (Leiter der Abteilung Kulturpflege im kantonalen Amt für Kultur und Sport) kam dann der Kontakt zu einer Spezialfirma zustande.

Eine junge Archivarin kam nach Lüterswil und hat mitgeholfen, das Archiv aufzubauen. «Ohne sie hätte ich die ganze Katalogisierung nicht machen können», erklärt Martin Schoch. Sie habe zudem auch dabei geholfen, das Material zu sichten und zu entscheiden, was archiviert werden soll und was weggeworfen werden muss.

«So weh es tut, alles kann man nicht behalten», so Wüthrich und Schoch einstimmig. «Ich merke sogar, dass ich mich emotional von den Dingen distanzieren muss. Darum ist es gut, dass eine aussenstehende Person da ist, die nach fachlichen Kriterien entscheidet», meint Schoch weiter.

Geld aus dem Lotteriefonds

Jetzt geht es ans Archivieren der Dias und Bilder. Peter Lätt hat ganze Ordner mit Fotos hinterlassen. Alleine für die Gemeinde Mühledorf sind es 2000 Dias. Viele dieser Bilder sind angeschrieben, was das Erfassen und Digitalisieren einfacher macht. Lätt hat zudem auch Flugbilder hinterlassen, Bilder von Viehschauen, von Handwerkern und alten Werkzeugen. Er hat auch Gebäude fotografiert, die später umgebaut wurden.

Die Kosten für die Digitalisierung sind mit rund 30000 Franken veranschlagt. «Wir haben 12000 Franken aus dem Lotteriefonds erhalten. Den Rest sponsern der Anzeigerverband und die Spar- und Leihkasse Bucheggberg.»

Der Bucheggberg sei der einzige Bezirk, der ein Archiv führe. «Die Gemeinden sind dazu angehalten, ein Archiv zu führen – das steht so in der Verfassung des Kantons Solothurn», erklärt Wüthrich, «Aber wir sind ein Bezirksarchiv und übernehmen nicht die Arbeit für die Gemeinden.»

Die Aufgabe des Bezirksarchivs liege darin, alles den Gemeinden über- und untergeordnete, politische, soziale, kulturelle und gesellschaftlich relevante, den Bezirk als Ganzes Betreffende, zu archivieren, denn in den Gemeindearchiven werde ja nur das Gemeindespezifische archiviert.

Viele alte Fotos

Im Bezirksarchiv liegen viele alte Fotos, die nicht zugeordnet werden können, weil sie nicht angeschrieben sind. «Möglicherweise machen wir einmal eine Ausstellung mit all den Sachen und fordern die Leute dazu auf, herzukommen und uns zu helfen, die Bilder zuzuordnen.»

Und wenn die Digitalisierung der Bilder von Peter Lätt abgeschlossen ist, wartet ein weiterer Nachlass, den das Bezirksarchiv erhalten hat. «Eine Archivierung ist nie abgeschlossen.»

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