Emma Sägesser wurde laut Angaben der «Encyclopedia Titanica», einer Titanic-Datenbank im Internet, am 16. August 1887 in Aarwangen geboren. Sie hatte sechs Geschwister und verlor ihre Mutter, als sie elfjährig war. In der Folge lebte sie während mehreren Jahren bei einer Schwester in Genf und ging 1908 nach Cannes. Im Kanton Bern dürfte sich Sägesser – wenn überhaupt – nur kurze Zeit aufgehalten haben, redete sie doch später, in einem Radiointerview, das sie 1937 anlässlich des 25. Jahrestages des Untergangs gab, hörbar mit Ostschweizer Dialekt. Aktenkundig ist hingegen, dass Sägesser in Aarwangen heimatberechtigt war.

«Es ist das älteste Tondokument, das von einem Überlebenden der Titanic erhalten ist», sagte Günter Bäbler, Präsident des Titanic Vereins Schweiz, in einer Sendung von Radio DRS 2, welches zum bevorstehenden Jahrestag Auszüge aus dem Interview mit Sägesser wiederholte. Bäbler hat ausführlich über die Schweizer Passagiere auf der Titanic geforscht und seine Ergebnisse 1998 in Buchform publiziert.

Jedenfalls: 1912 war Sägesser bei der jungen Sängerin Leontine Pauline («Ninette») Aubart in Paris angestellt. Diese war die Geliebte des Industriellen und Lebemanns Benjamin Guggenheim. Guggenheim, der verheiratet war und eine Zweckehe führte, scheute sich nicht, Aubart anlässlich des Geburtstages seiner Tochter bei seiner Familie in New York einzuführen. Die Gesellschaft aus insgesamt fünf Personen bestieg die Titanic in Cherbourg.

«Wenn ich nicht erste Klasse gereist wäre, würde ich heute wohl nicht mehr leben», sagte Sägesser im Interview. Sie sei auf der Überfahrt seekrank geworden. Am Unglückstag habe sie in ihrer Kabine einen leichten Stoss verspürt und sei danach auf Deck gegangen. Jemand habe ihr gesagt, dass man mit einem Eisberg zusammengestossen sei. « Ich wusste nicht, was ein Eisberg ist», gab sie zu Protokoll. Deshalb habe sie sich danach wieder Schlafen gelegt. Erst als der Stewart kam und Schwimmwesten verteilte, wusste Sägesser, dass es ernster war.

Dass es um Leben und Tod ginge, habe sie hingegen nicht gewusst. «Man sagte uns, wir würden jetzt ausgeschifft, um die Titanic reparieren zu können und wir könnten danach wieder zurückkeren.»

Die 17-jährige Auswanderin Bertha Lehmann aus Lotzwil, deren Schicksal Bäbler ebenfalls nachgezeichnet hat, erfuhr sogar erst auf der «Carpathia» (das Schiff, das die Überlebenden aufnahm), dass die Titanic gesunken ist. Bertha Lehmann war allein unterwegs und konnte gemäss Bäbler wohl kein einziges Wort englisch. Das Schicksal von Bertha Lehmann ist im Oberaargauer Jahrbuch 2011 ausführlich dokumentiert.

Emma Sägesser und Ninette Aubart kehrten bereits am 3. Mai auf der «Adriatic» nach Liverpool und anschliessend nach Paris zurück, wo Sägesser wenig später ihre Stelle verliess (oder gekündigt wurde).

1917 trifft man sie in St. Gallen an und kurz danach in Zürich, wo sie bei Globus und Jelmoli arbeitete. Im März 1926 heiratete sie Karl Ernst Arnold. Das Ehepaar führte in Zürich ein Geschäft für Raucherwaren. Emma Sägesser starb am 24. Mai 1964, einen Monat nach ihrem Mann.

Ein weiterer 1.-Klasse-Passagier der Titanic kam aus Solothurn: der 1851 geborene Maximilian Josef Frölicher. Frölicher war Textilkaufmann in New York und Zürich und stieg 1892 in die Firma seines Zürcher Schwiegervaters ein. Max Frölicher und Emerentia Margaretha «Gritli» Stehli lebten in Zürich und hatten fünf Kinder.

Max Frölicher, seine Frau und Tochter Margaritha wollten im Frühjahr 1912 nach Amerika und Kanada reisen. Unter anderem sollten Freunde besucht, nach den Geschäften geschaut und Margaritha vorteilhaft verheiratet werden. Diese musste allerdings noch die Matura machen, so dass die Reise um ein paar Tage verschoben wurde. Das Reisebüro machte in der Folge der Familie eine Passage auf dem neuen Luxusdampfer «Titanic» beliebt, der erst noch seine Jungfernfahrt absolvieren sollte. Max Frölicher reiste geschäftlich oft nach Amerika. Auch Frölichers bestiegen das Schiff in Cherbourg. Noch in Queenstown (heute Cobh, Irland), der letzten Gelegenheit für Postaufgabe, gab Mutter Frölicher einen Brief an ihren Sohn Willy auf. «Vergiss das Beten nicht ganz», schrieb sie. «Gedenke unser und hoffe mit uns, dass wir am nächsten Dienstag glücklich in New York landen werden.» Auch Max Frölicher schrieb – er an seinen Schwiegervater. Er pries vor allem die Vorzüge des neuen Schiffes.

Alle drei Frölicher-Familienmitglieder fanden im Rettungsboot Nummer 5 einen Platz und wurden gerettet. Max Frölicher verstarb am 22. November 1913 im Alter von 62 Jahren an einem Herzinfarkt, seine Ehefrau Margaretha lebte bis 1955. Tochter Margaritha heiratete 1913 in New York Robert Schwarzenbach, späterer Generalkonsul der Schweiz. Das Ehepaar hatte drei Kinder. Robert starb bereits 1929, Margaritha 1972, 82-jährig in Zürich.