Er sei eigentlich eher zufällig im Kanton Solothurn Kantonsbaumeister geworden, erzählt Martin Kraus, nachdem er vor gut zwei Monaten in Pension gegangen ist. Es war Mitte 2001, als er das Amt von seinem Vorgänger Herbert Schertenleib übernahm. Kraus arbeitete damals noch beim Amt für Bundesbauten in Bern, betreute jedoch für den Kanton Aargau einige Hochbauprojekte. Einem glücklichen «Missverständnis» lag dann seine Bewerbung zugrunde, denn ein Bekannter verriet ihm, dass im Kanton Solothurn in zwei Jahren ein Kantonsbaumeister gesucht werde, das sei doch etwas für ihn. Kraus streckte die Fühler aus, doch man musste den geeigneten Mann bereits in Kürze anstellen, und so geschah es dann auch.

Eine Arbeit nahe bei den Menschen

Kraus war der richtige Mann. Es wurde eine für alle Seiten praktikable Übergangsregelung gefunden und der gebürtige Wiener konnte seinen Traumjob antreten. Er habe den Kanton Solothurn, aber auch die Stadt Solothurn, bereits gekannt, erzählt Kraus, der seit vielen Jahren im bernischen Moosseedorf lebt. «Dieses Amt war die richtige Herausforderung, um meine Interessen und beruflichen Schwerpunkte, nämlich die Architektur, die Ökonomie und die Politik, miteinander zu verbinden». Die Arbeit im Kanton Solothurn sei «näher bei den Leuten» gewesen als jene beim Bund, das habe ihm gefallen.

Welches waren – und sind – nun aber die Aufgaben eines Kantonsbaumeisters? Kraus führt aus: «Als kantonaler Bauherr muss man immer den kulturellen Aspekt eines Baues im Auge behalten. Dann sind Fragen wie: Hat das Gebäude eine Seele, passen Hülle und Form zur Aufgabe des Objektes, wichtig. Man müsse ein Gespür dafür entwickeln, ob ein Objekt auch in 50 Jahren noch seine Berechtigung habe, oder ob Perspektiven bestünden, beispielsweise für eine Umnutzung. Kraus weiter: «Eminent wichtig ist die Kostenseite. Zu bedenken ist dabei auch immer, dass die Investitionskosten nur ein Bruchteil der echten Kosten ausmachen, welche der Bau eines Objektes verursachen. Wie sieht es zum Beispiel bei den Betriebskosten aus? Wie wird das Objekt gebaut?» Solche Punkte gipfeln in Überlegungen zum volkswirtschaftlichen Sinn eines Baues. «Arbeitsplätze erhalten oder solche zu generieren, ist genauso wichtig wie die Kostenfragen. Dazu kommen immer noch regionalpolitische Abwägungen», sagt Kraus.

Die Lebensdauer einer Immobilie sei sehr vom Gebäude selbst abhängig, hat Kraus erfahren. Spitalbauten sollten für 30 bis 50 Jahre Bestand haben. Sorgfältiges Planen ist somit das A und O. «Wenn man dann mit dem Bauen begonnen wird, sind die Sorgen des Kantonsbaumeisters eigentlich vorbei», meint Kraus. Die grösste Arbeit bestehe darin, ein Bauprojekt so weit zu bringen, dass es politisch bewilligt und realisiert wird.

Physik- oder Architekturstudium?

Als die wichtigsten Bauten seiner Amtszeit bezeichnet Kraus die 2. Etappe des Neubaues des Kantonsspitals Olten, den Umbau der Justizvollzugsanstalt Schachen sowie die Planung zum Neubau des Bürgerspitals Solothurn. Doch auch andere Objekte seien persönlich wichtig für ihn gewesen. So zum Beispiel der Umbau des Franziskanerhofes in Solothurn, die Mithilfe bei der Umsetzung der Seminarmeile mit dem Umbau des Palais Besenval in Solothurn oder die Sanierung des Museums Altes Zeughaus. Ein Erfolg in wirtschaftspolitischer Hinsicht war das Zustandekommen des Umbaus Zeughaus Zuchwil für die Synthes. Doch auch bei der Immobilienentwicklung für die Stadt Solothurn hatte der Kantonsbaumeister ein paar Worte mitgeredet. Kraus erwähnt die Sphinx-Matte oder das Fegetzhof-Areal.

Seit 1. Oktober ist Martin Kraus in Pension. Er übergab seine Arbeit dem Nachfolger Bernhard Mäusli. Kraus kam 1964 als 18-Jähriger in die Schweiz. Das kriegszerstörte Nachkriegs-Wien ist ihm immer noch in lebendiger Erinnerung. «Mittels eines eigentlichen «Evaluationsprozesses», bei dem ich durch Europa reiste, wollte ich durch Interviews bei Fachleuten in Erfahrung bringen, ob ich eher ein Physik- oder ein Architekturstudium in Angriff nehmen sollte. Schliesslich haben mir die Architektur und als Ort die Schweiz am besten gefallen, und so begann ich das Studium an der ETH Zürich», erinnert er sich. 15 Jahre lang arbeitete Kraus dann als Architekt, bevor er, wie erwähnt, die Stelle beim Bund antrat.

Jetzt, nach der Pensionierung, will er sich vermehrt seinen Hobbys widmen. «Alles, was mit Gestaltung, Architektur, Kunst, aber auch mit Musik zu tun hat. Das interessiert mich als Konsument, aber auch als Macher.» Zudem gibts noch einige Pflichttermine. «Als Berater habe ich noch einige Mandate und Architektur-Jurymitgliedschaften übernommen.» Und er plant, einen Lehrgang zur Ausbildung für Bauherren der öffentlichen Hand ins Leben zu rufen.