Gotthard-Durchstich

«Ein wenig stolz sind wir schon»

Christian Angst, Geschäftsführer der IMP Bautest AG Oberbuchsiten, wird dem Durchbruch des Gotthard-Basistunnels beiwohnen. Foto: EVA

Christian Angst, Geschäftsführer der IMP Bautest AG Oberbuchsiten, wird dem Durchbruch des Gotthard-Basistunnels beiwohnen. Foto: EVA

Für die IMP Bautest ist der heutige Durchstich des Gotthardtunnels ein Meilenstein.

Wenn heute kurz nach Mittag nahe Faido TI der Durchstich für den längsten Eisenbahntunnel der Welt erfolgt, wird neben Verkehrsminister Moritz Leuenberger und zahlreichen Gästen auch eine von Christian Angst angeführte Delegation der in Oberbuchsiten ansässigen IMP Bautest AG anwesend sein. Das Gäuer Institut für Materialprüfung begleitet den Bau dieses 57 Kilometer langen Tunnels seit nunmehr sieben Jahren. Das seit 1992 akkreditierte Labor analysiert in seinem 1300 Meter unter dem Berg Tgom bei Sedrun liegenden Baustellenlabor die Qualität des im Gotthardtunnel verbauten Betons.

Ab 13.30 Uhr geht es los

«Dass wir beim Durchstich als am Bau beteiligte Firma teilnehmen dürfen, erfüllt mich schon ein wenig mit Stolz», sagt IMP-Bautest-Geschäftsführer Christian Angst. Bei einem solchen Jahrhundertbauwerk mitzuwirken, hinterlasse ein schönes Gefühl. Der auch von Christian Angst mit einem gewissen Herzklopfen erwartete Durchschlag wird gemäss Programm heute Freitag ab 13.30 Uhr mittels Grossleinwänden auf den Festplatz übertragen. «Wir werden diesen Moment geniessen», so Angst erwartungsvoll.

Gegen Konkurrenz durchgesetzt

Dass sich das Gäuer Prüfungslabor bei der Vergabe des prestigeträchtigen 6-Mio.-Franken-Auftrages im Jahr 2002 gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte, führt Angst auf das etwas andere Konzept der IMP Bautest AG zurück. «Wir konnten die Abläufe im Baustellenlabor vereinfachen und damit die Kosten entscheidend senken.» Qualitätseinbussen in Bezug auf die Arbeit des Solothurner Labors mussten deshalb aber nicht in Kauf genommen werden.

Im Gegenteil: Die IMP Bautest AG entwickelte sich im Verlauf der Tunnelbauarbeiten zur Anlaufstelle für die verschiedensten Problemstellungen – auch für vertraglich nicht vereinbarte. So musste sich das wöchentlich sieben Tage im Einsatz stehende dreiköpfige IMP-Bautest-Team unter anderem mit den Schadstoffen des im Tunnel fliessenden Wassers befassen oder mit der Beschaffenheit des herausgebrochenen Felsens, aus welchem vor Ort Beton hergestellt wird.

Proben von sechs Betonsorten

Zu den Hauptaufgaben des IMP-Bautest-Labors bei Sedrun gehört primär die Überprüfung des in den Tunnel eingebauten Spritz- und Frischbetons. Je nach Anforderungsprofil werden täglich Probekörper von bis zu sechs verschiedenen Betonsorten erstellt. Parallel dazu werden von den bereits eingebauten Tunnelwänden Proben entnommen.

Geprüft wird auch die Verformbarkeit (Duktilität) des Betons. Dieser Test sowie die Bestimmung des Anteils der beigemischten Stahlfasern werden vornehmlich im heimischen Labor in Oberbuchsiten durchgeführt. Ebenfalls in Oberbuchsiten gemessen werden die Dichtigkeit des Betons sowie die Wassereindringtiefe. Dafür wurden der Tunnelwand vorgängig Bohrkerne entnommen und anschliessend während 72 Stunden einem Wasserdruck von 5 bar ausgesetzt. Um die Eindringtiefe des Wassers zu messen, werden die Prüfungskörper gespalten. «In Sedrun waren maximal 30 Millimeter erlaubt, in der Regel lagen die Werte eher bei 15 Millimetern», so Angst.

935 Tonnen durchliefen die Labors

Die erwähnten Tests sind äusserst wichtig, zumal sich Fehler bei einem solchen Bauwerk fatal auswirken könnten. So müssen die Tunnelröhren den vom Berg erzeugten Druck von bis zu 3000 Tonnen pro Quadratmeter nicht nur aushalten, sondern auch schadlos überstehen, wie Angst berichtet.

Seit 2003 hat das Baustellenlabor der IMP Bautest AG jeweils 5000 Proben von Frischbeton und Spritzbeton genommen und analysiert. Ferner wurden 3000-mal die Wasserleitfähigkeit und 840-mal die Wassereindringtiefe sowie weitere 29400-mal die Druckfestigkeit des verbauten Betons untersucht. «Zusammengezählt kommen wir auf rund 935 Tonnen Material, das unsere Labors in Sedrun und Oberbuchsiten bisher durchlaufen hat», bemerkt Angst.

Labor noch drei Jahre aktiv

Noch ist das Ende des Tunnels indessen nicht erreicht – trotz Durchstich. Gemäss Angst wird das IMP-Baustellenlabor noch mindestens drei weitere Jahre in Betrieb bleiben. So lange dauert es, bis das Gewölbe in den 57 Kilometer langen Tunnelröhren fertiggestellt ist und Nebenarbeiten am Schacht und Zugangsstollen abgeschlossen sind. Dabei werden wiederum Hunderte von Proben genommen und analysiert. Das Gesamtgewicht der beim Bau des Gotthardtunnels von der IMP Bautest AG genommenen Proben wird damit auf total 1200 Tonnen anwachsen.

Bis Züge zwischen Erstfeld und Biasca mit rund 250 Kilometern pro Stunde durch die Röhre rasen, dauert es noch weitere vier Jahre. Die offizielle Eröffnung soll im Jahr 2017 erfolgen. Danach wird sich die Reisezeit zwischen Mailand und Zürich um eine Stunde verkürzen. Schätzungen zufolge werden auf der neuen Gott-hard-Linie jährlich 20 Millionen Reisende verkehren.

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