Wer durch die Fluh nördlich von Welschenrohr steigt, erlebt viel: Man trifft auf Höhlen, Löcher, Steinbrücken und – auf einen einsamen Eisenpfosten an exponierter Lage.

Der Aufstieg bis dorthin hat es in sich. Vom Dorf führt der Weg steil die Röthlen hinauf zur Weide, weiter durch den Wald, vorbei am Ornithologen-Heim bis zu den Felsen. Gesichert durch ein Geländer steigt man höher und steht unvermittelt vor dem mächtigen Bäreloch. Ein eindrücklicher Ausblick auf Welschenrohr bietet sich da. Die Höhle ist überspannt mit Natursteinbrücken. Und über eben diese führt der Weg weiter nach oben, durch die Hohle Flue. Nach dem Schluck aus der Schnapsflasche und dem Eintrag ins Buch erreicht man schliesslich das Grieschöpfli, wo der Eisenpfosten steht.

Gemeinschaftsanlage als Lösung

Der Pfosten selber ist nicht spektakulär. Wohl aber seine Funktion, die er vor Jahrzehnten erfüllte. In den 1950er- und 1960er-Jahren hielt in Welschenrohr das Fernsehen Einzug. Wer es sich leisten konnte, kaufte ein teures Gerät und brauchte dazu eine Antenne, auf dem Dach montiert und nach den Sendern ausgerichtet. Doch wegen der topografischen Lage im Tal zwischen den Juraketten war der Empfang schlecht, und auf ausländische Sender musste man verzichten. So reifte der Gedanke an eine Gemeinschaftsanlage. Als idealer Standort erwies sich die Krete der zweiten Jurakette in der Nähe des Hintern Brandberges. Dort baute die Balsthaler Firma Eggenschwiler die Anlage. Von der Antenne führte ein Kabel zum Grieschöpfli zum erwähnten Eisenpfosten. Von dort wurde ein 200 Meter langes Kabel bis hinunter auf die Weide in die Gegend des Reservoirs gespannt.

Fussball WM im Ratszimmer

Durch den Überlauf des Reservoirs erreichte das Kabel das Dorfzentrum, und durch Kanalisationsleitungen erfolgte die Feinverteilung. Der erste TV-Anschluss wurde im Gemeinderatszimmer im Thalhof erstellt. Da konnten sich die Zuschauer vom guten Empfang überzeugen und auch ausländische Sender testen. Viele Leute verfolgten die Fussball-WM in England mit Beteiligung der Schweizer Nationalmannschaft. Mit dabei war mit dem kürzlich verstorbenen Willy Allemann auch ein Welschenrohrer. So gewann die Firma Eggenschwiler bald eine beachtliche Anzahl Abonnenten für ihre Fernseh-Gemeinschaftsanlage. Die Fernsehzuschauer in Welschenrohr freuten sich über die moderne Anlage. Oft aber wurde bei Stürmen die Antennenanlage beschädigt oder das Kabel aus der Verankerung gerissen.

Anschluss an Schwängimatt

In all den Jahren wechselte die Anlage verschiedene Male den Besitzer: über Radio Steiner, Wiedmann-Dettwiler, Erivision, cablecom und im letzten Jahr zur KDB Medianetz. Welschenrohr verzichtete auf die Gründung einer Fernsehgenossenschaft, die Kunden wurden jeweils direkt von der Firma, welche die Signale lieferte, betreut. Nach 15 Jahren Betrieb mussten mit dem Bau der ARA und den Kurzschliessungen der Klärgruben alle Kabel aus den Kanalisationsleitungen verschwinden. Eine neue Verkabelung drängte sich auf. Zudem wurde die Anlage mit der Gemeinschaftsanlage Schwängimatt verbunden. Antenne und Kabel in der Fluh verschwanden, und übrig blieb aus den Anfängen der Fernsehanlage Welschenrohr, übrigens eine der ersten in der Schweiz, einzig der Pfosten auf dem Grieschöpfli.