Pflege
Ein Mann arbeitet mit fünfzig Frauen

Pascal Brunner ist der einzige männliche Spitex-Mitarbeiter in Solothurn – und fühlt sich wohl. Auch die Bedenken seiner Vorhesetzten sind rasch verflogen.

Astrid Bucher
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Solothurner Zeitung

Wer an die Spitex denkt, denkt in der Regel an typische Frauenberufe. Bei der Spitex Solothurn ist Pascal Brunner als einziger Mann unter zirka 50 Frauen angestellt. Während Pfleger im Spital unterdessen allgegenwärtig sind, gewöhnt man sich auch bei der Spitex rasch an sie.

Zur Spitex Solothurn kam Brunner durch eine Blindbewerbung über den Kantonalverband und mit dem Velo, denn ein Auto oder die Autoprüfung hatte er damals noch nicht. «Die älteren Leute freuten sich immer sehr, wenn «der mit dem Velo» an ihrer Haustüre klingelte», erinnert sich der 22-Jährige an seine Anfänge.

Unterdessen ist Brunner mit seinem Auto unterwegs und hat sich bei der Spitex gut eingelebt. «Anfangs hatten meine Vorgesetzten Bedenken, weil ich ein Mann bin, aber diese sind rasch verflogen», sagt er. Es sei ihm angenehm, ausschliesslich mit Frauen zu arbeiten. Zickenalarm kennt Brunner nicht. Auch seine Freundin arbeitet bei der Spitex: «Wir haben uns bei der Arbeit kennen gelernt», sagt Brunner mit einem Schmunzeln im Gesicht. Zudem gäbe es ja noch bei den Mahlzeiten-Fahrten Männer bei der Spitex. Lediglich bei den Hausbesuchen für Pflege- und Hauswirtschaftsarbeiten sei er der einzige Mann.

Herr Brunner putzt gründlich

«Sie müssen nicht so gründlich putzen Herr Brunner, nächste Woche kommt ja wieder eine Frau», sagte einst eine ältere Dame zu ihm, als er hauswirtschaftliche Arbeiten erledigte. «Putzen gehört genauso zu meiner Arbeit wie die Pflege», stellt der junge Mann klar. «Nie sage ich, dass ich dieses oder jenes lieber mache. Ich mag meinen Job als Ganzes», so der gelernte Fachangestellte Gesundheit. Heute wird ein Kunde von der Spitex lediglich noch informiert, dass nicht eine Frau, sondern ein Mann, nämlich Herr Brunner, vorbeikommt. «Es gibt nur wenige Klienten, die mich als Mann tatsächlich nicht akzeptieren», hat er erfahren. Anderseits gibt es auch solche, die nur noch «Herrn Brunner» wollen.

Vom Gesundheitswesen war Brunner schon als Jugendlicher fasziniert. Oft war er im Bürgerspital Solothurn anzutreffen. Glücklicherweise nicht als Patient, sondern zum Schnuppern: «Mein Vater arbeitet im technischen Dienst im Bürgerspital und kennt praktisch das ganze Spitalpersonal. So konnte ich in den Schnupperwochen, während der obligatorischen Schulzeit, viele Abteilungen kennen lernen.» In der Pflege hat es Brunner am besten gefallen. «Es ist der Kontakt zu Menschen, der mir besonders liegt», sagt er. «Ich verspüre ein Bedürfnis, den Alltag von Hilfsbedürftigen so schön wie möglich zu gestalten.» Seine Ausbildung als Fachangestellter Gesundheit hatte er im Pflegeheim Schwabgut in Bümpliz absolviert.

Inselspital war nicht das Richtige

Nach dem obligatorischen Militärdienst folgte ein kurzes Intermezzo im Inselspital. Dort hat er aber noch während der Probezeit gekündigt und sich schliesslich bei der Spitex beworben. Grundsätzlich fühle er sich im Gesundheitswesen gut aufgehoben, auch mit Blick in die Zukunft. Er will sich auch ständig weiterbilden. Doch vorerst bleibt Pascal Brunner der Spitex Solothurn ganz sicher noch erhalten.

Aufgewachsen in der Weststadt, lebt Brunner seit Kurzem mit seiner Freundin in Lohn-Ammannsegg. In seiner Freizeit gibt es – nebst der Freundin – eigentlich nur zwei Dinge: «Fussball spielen – bei Blustavia Solothurn – und Eishockey schauen. Ich bin Fan vom HC Lugano und reise an jedes Spiel – auch an jedes Heimspiel bis ins Tessin.»

Die Spitex Solothurn hat eine neue Homepagewww.spitex-solothurn.ch

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