Wer diese Tage durch die Räume des Schlösschens Vorder-Bleichenberg spaziert, wird so einiges entdecken. Denn vielseitiger könnte die am Samstag eröffnete Azeiger-Gruppenausstellung 2011 kaum sein. Neben grossformatigen Fotografien und Gemälden finden sich Illustrationen in Form von handgezeichneten Comicbüchern, selbst gemachte Mode und Installationen.

Hinter den Werken stehen 12 junge Künstler und Künstlerinnen aus der Region, die im Rahmen der Azeiger-Kulturtage von einer Jury aus über 20 Bewerbern ausgewählt wurden. Einer von ihnen ist der Solothurner Kaspar Flück. Seine Ölbilder zieren die Wände eines ganzen Raumes. «Auf diesem Gemälde ist keine Landschaft abgebildet» oder «Dieses Gemälde versteht sie auch nicht», ist da zu lesen. «Mir ist es wichtig, ein Bild auf das Wesentliche zu reduzieren», erläutert der 22-Jährige. Dabei soll die eigentliche Frage, was ein Bild darstellen soll, an Gewicht verlieren - er selber wisse nämlich nicht, was ein gutes Bild ausmacht, so Flück.

Auch nicht viele Worte zu ihren Werken verlieren will Stefanie Daumüller. Neben Theaterplakaten präsentiert die Grenchnerin eine «sehr freie, ironische Serie», zu der sich jeder selber etwas denken soll.

Eine unendliche Geschichte

Ganze Geschichten erzählen die Tuschzeichnungen von Celine Fluri. Hauptperson ist ein Indianer. Auf seiner Weltreise durchkreuzt dieser zusammen mit einem König das Land der Kriege und kommt unter anderem bei Adam und Eva vorbei. «Die Bilder nehmen Bezug auf viele Orte, an denen ich schon einmal war, können aber auch völlig losgelöst sein von der Realität», so die 26-Jährige. Und: «Die Geschichte könnte unendlich weitergehen.»

Im Raum gegenüber springt eine über die ganze Wand gespannte transparente Haut ins Auge - hier stellt Franziska Baumgartner aus. Anhand der Skulptur will sie Farbe loslösen vom Bildträger und «Malerei in den Raum bringen», sagt die 24-Jährige, die sich mit Themen wie Formation und Deformation beschäftigt: «Ich bin dauernd am Experimentieren und am Suchen neuer Formen.» Um den Eindruck von Verlassenheit geht es Roshan Adhihetty aus Solothurn in seiner Serie «Übriggeblieben». Kulisse bildet ein leer stehendes Industrieareal. «Der Mensch wird zur Nebensache in dieser riesigen, verlassenen Landschaft», fasst der 21-Jährige Fotografiestudent seine Bilder in Worte.

Förderung junger Kunst ist das Ziel

Ziel des vom Azeiger lancierten Wettbewerbs ist es, jungen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten und die Kommunikation zwischen den Generationen zu fördern. «Ich bin sicher, dass der eine oder andere anwesende Künstler den Sprung eines Tages schaffen wird», zeigte sich Ausstellungskuratorin Gabriella Affolter überzeugt.

Doch die Kulturtage bieten nicht nur eine Ausstellungsmöglichkeit, sondern auch eine finanzielle Unterstützung in Form einer Preisverleihung mit einer Gesamtgewinnsumme von 21 000 Franken. Wer von den Ausstellenden einen Preis einheimst, wird nächsten Samstag bekannt - dann nämlich findet ebenfalls im Schlösschen Vorder-Bleichenberg die Kulturförderpreisverleihung im Rahmen der Kulturnacht statt. Die Ausstellung ist bis am 28. August zu sehen.