Wahlen 2011

Ein Handtuch ist bereits geflogen, wann flattert das nächste?

Die beiden Zugpferde in der BDP. Präsiden Hans Grunder und Bundesrätin Evelyn Widmer-Schlumpf.

Die beiden Zugpferde in der BDP. Präsiden Hans Grunder und Bundesrätin Evelyn Widmer-Schlumpf.

Was bleibt von den Wahlen 2011 in Solothurn? Das Ergebnis: Suchen Sie einen undankbaren Job? Werden Sie Parteipräsident, oder -präsidentin und Sie können schnell einmal ein mehrstimmiges Lied davon singen.

Viel Knochenarbeit, alle wollen etwas, dann die hohen Präsenzzeiten und schliesslich kübelweise Kritik, weil die Erwartungen immer höher sind als die Wahlergebnisse. Ohne breiten Rücken geht es nicht. Und selbst mit kann es für die eigene Politkarriere schnell mal eng werden.

Am vergangenen Sonntag sind auf nationaler Ebene Fulvio Pelli und Ueli Leuenberger mit einem dunkelblauen Auge davongekommen. Das muss man sich einmal vorstellen: Ein paar Stimmen weniger auf seinem Konto und der Tessiner hätte nicht wieder nach Bern fahren können (zumindest nicht ins Parlament). Wie Maikäfer strahlen derzeit einzig die Präsidenten der aufstrebenden Alternativparteien GLP und BDP. Wie lange sie dies tun können, ist ein anderes Thema.

Nur BDP-Präsident spielt vorne mit

Aufschlussreich und für die Solothurner Wählerinnen und Wähler mindestens so spannend ist allerdings ein Blick auf die Resultate der kantonalen Parteipräsidenten. Vorweg mal so viel: Um die Abwahl aus dem Nationalrat musste keiner fürchten – weil bisher gar keiner im nationalen Parlament vertreten war. Noch weit ernüchternder ist allerdings die Feststellung, dass bei den jüngsten Wahlen keiner auch nur den Hauch einer Chance hatte, überhaupt in die Situation zu kommen, in vier Jahren seinen Sitz zu verlieren.

Heinz Müller, der Präsident mit den weitaus meisten Stimmen aller Parteichefs, hat diese Woche desillusioniert das Handtuch geworfen. Mister BDP Solothurn, Ernest Cavin, landete intern mit deutlichem Abstand auf Platz 2. Gleiches Schicksal haben Markus Flury bei den Grünliberalen und Eric Schenk bei der EVP erlitten. Von den 14 Kandidaten der CVP waren letztlich 11 besser als Annelies Peduzzi (immerhin auch schon Ständeratskandidatin). Bei den Grünen waren es dagegen bloss fünf, die Iris Schelbert überflügelten. Keine Bilanz ist bei SP und EDU möglich. In beiden Fällen liess man die Chefin, den Chef gar nicht erst antreten.

Eine besondere Betrachtung verdient das Resultat von FDP-Chef Christian Scheuermeyer. Er hat die zweitniedrigste Stimmenzahl seiner beiden Listen gesammelt. Das ist bitter. Kommt belastend hinzu, dass die Partei trotz vordergründigem Schulterschluss in der Fluri-Frage nach wie vor auf beiden Seiten des Gäu-Grabens verzettelt ist. Scheuermeyer ist gefordert. Ist er der Brückenbauer? Der starke Mann, der die geschwächte Partei zusammenschweissen kann? Oder lautet die Frage vielmehr: Wann fliegt das nächste Handtuch, denn das Wetzen der Messer jenseits des Gäu-Grabens ist unüberhörbar. Wie gesagt, es gibt dankbarere Jobs.

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