Der Wertzerfall von Euro und US-Dollar gegenüber dem Franken ist Gift für die Schweizer Exportbranchen. Besonders alarmierend ist es für den Kanton Solothurn mit seinen vielen exportorientierten Unternehmen. Von «einem ungemütlichen Szenario» spricht Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso) und Chef des Bellacher Werkzeugherstellers Fraisa. Er geht nämlich davon aus, dass die Frankenstärke trotz Interventionen der Nationalbank vorerst anhalten wird. Gleichzeitig hätten die USA und einzelne Euro-Staaten mit ihren Schuldenproblemen starke Signale in Richtung Senkung der Staatsausgaben gesandt. Dies werde letztlich zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums führen. «Wenn deshalb für die hiesigen Firmen zu den negativen Währungseinflüssen auch noch Auslastungsprobleme hinzukommen, dann wird es für viele schwierig.» .

Voll ausgelastet, sinkende Marge

An der Front werden diese Aussagen bestätigt. So sind bei der Nachbur AG in Holderbank Auslastungsprobleme zwar noch kein Thema. «Die Auftragslage für hochpräzise Drehteile ist weiterhin sehr gut und die Maschinen laufen nach wie vor auf Hochtouren», sagt Daniel Graf, CEO des Unternehmens mit 80 Beschäftigten und einem Exportanteil von über 60 Prozent. Hingegen leidet der Betrieb unter der Währungskrise. «Der starke Franken drückt massiv auf die Marge und führt zu unbefriedigenden Erträgen.» Der Wettbewerbsnachteil sei enorm und eine Überwälzung der «Währungskosten» auf die Preise sei deshalb nicht möglich. Sein Fazit: «Wenn der Eurokurs unter 1.30 Franken bleiben sollte, müssen wir Massnahmen ergreifen und die Kosten senken.»

Länger arbeiten bei gleichem Lohn

Im Klartext heisst das: «Wir werden an unserer nächsten Geschäftsleitungssitzung die Erhöhung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn intensiv diskutieren.» Das wäre im Moment die einzige und vernünftigste Massnahme, um die Arbeitsplätze zu retten. Graf denkt an eine Erhöhung von bisher 40 auf 42,5 Wochenstunden. Konkret entschieden sei noch nichts. Die Massnahme müsste mit den Sozialpartnern ausgehandelt werden. «Ziel ist es, die Produktivität weiter zu erhöhen. Ansonsten sind die Arbeitsplätze gefährdet.» Keine Themen sind für Daniel Graf eine reine Reduktion der Löhne ( «das würde die Konjunktur schwächen») oder eine Verlagerung der Produktion in den Euroraum («wir sind auf das Know-how unserer Mitarbeitenden angewiesen»).

Bereits Aufträge verloren

Sowohl mit dem starken Franken wie mit nachlassendem Auftragseingang muss sich Elmar Stoll, Geschäftsführer der Etampa Feinstanztechnik AG in Grenchen, auseinandersetzen. Als typischer Zulieferer versorgt Etampa weltweit Firmen, schwergewichtig im Automobilbereich, mit Stanzteilen; der Exportanteil liegt bei rund 90 Prozent. «Die Margenerosion ist Tatsache. Mit dem aktuellen Eurokurs gegenüber dem Franken könnten wir langfristig nicht überleben.» Die Schmerzgrenze siedelt auch er bei 1.30 Franken je Euro an. Zwar sei man noch nicht in die roten Zahlen abgerutscht, aber man bewege sich auf Messers Schneide. Nach dem guten ersten Halbjahr 2011 stelle man fest, dass in den vergangenen Wochen der Auftragseingang stocke. «Wegen dem Euro sind wir zu teuer geworden.»

Im Gegensatz zur Nachbur AG und anderen Firmen sieht Stoll in der Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn für seine Firma mit rund 80 Angestellten nicht das geeignetste Mittel. Das mache eher für Betriebe mit überlasteten Kapazitäten Sinn. «Die Etampa ist zwar gut ausgelastet, aber nicht überlastet.» Aber wenn sich die Situation nicht verbessere, müssten «Massnahmen zur Kostensenkung» ergriffen werden, sagt Stoll, ohne diese zu konkretisieren. Entscheide seien noch keine gefällt.

Einfluss auf Arbeitsmarkt

Industrieverbandspräsident Maushart befürchtet negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die meisten Firmen würden ihre expansive Personalpolitik beenden und vorerst keine neuen Stellen mehr schaffen. Es sei aber zu differenzieren. Stark hier verwurzelte Firmen würden versuchen, ihre hiesigen Firmenstrukturen zu verteidigen. Dagegen werde bei internationalen Konzernen ohne Zentrale in der Schweiz die Tendenz steigen, Produktionsteile ins Ausland zu verlagern. Maushart: «Dort mache ich mir Sorgen um den Standort Schweiz. Aber die Industrie insgesamt wird sich nicht auflösen.»