Die Bechburg-Musikanten Oensingen machten sich ein Geburtstagsgeschenk der Extraklasse: Es ist bereits das zehnte Mal, dass sie sich der Bevölkerung an ihrem Oensinger Blaskapellen-Samstag präsentieren. Und zu diesem runden Jubiläum richteten sie ein besonders reiches musikalisches Menu an, indem sie gleich drei Gastformationen auf die Bühne des Bienkensaals einluden. So kamen die Liebhaberinnen und Liebhaber der Blaskapellenmusik in den Genuss eines farbigen, abwechslungsreichen Konzerts.

Den Auftakt machte die Blaskapelle Lochbrünneler aus Farnern, der höchstgelegenen Gemeinde des Bipperamts mit gut 200 Einwohnern. Das Oberaargauer Orchester pflegt den böhmisch-mährischen und den Egerländer Stil. Es eröffnete den Abend mit der böhmischen Polka «Nechod’k nám» und unterhielt das Publikum im ausverkauften Saal mit einem schmissigen Auftritt. Die Lochbrünnler bestehen aus einer Untergruppe der Musikgesellschaft Farnern. Diese ist eigentlich eine Brassband. Und so ist die Besonderheit der Blaskapelle Lochbrünneler, dass sich die Ad-hoc-Gruppe unter Leitung von André Christen einzig aus Blechinstrumenten zusammensetzt.

Gäste aus dem Allgäu

Aus der entgegengesetzten Richtung kommt die zweite Gastformation, das Blech-Bläserensemble Quattro Poly. Wie der Name sagt, taten sich ursprünglich vier junge Hobbymusiker aus Kempten im Allgäu zusammen, um gemeinsam polyphon, das heisst mehrstimmige Blasmusik zu pflegen. Bald erweiterten sie das Quartett um einen fünften Mann, beliessen den Namen aber, wie er war. In ihrem ersten Auftritt in der Schweiz überhaupt spannten sie den Bogen von traditionell-volkstümlicher Blasmusik bis zu fetzigen modernen Klängen. Sie brachten eine ganze Auswahl an Instrumenten mit und spielten lauter eigenen Kompositionen, was auch Raum für gelungene Improvisationen liess. Sie hatten offensichtlich selber Spass am Musizieren, was sich auch aufs Publikum übertrug und ihnen beste Unterhaltung bot.

Im Zentrum des insgesamt fünfstündigen Programms stand der Auftritt der gastgebenden Bechburg-Musikanten. Die 18 Männer und 2 Frauen um Hanspeter Balsiger, Initiant und Präsident seit der Gründung 2001, erfreuten ihre Fans mit böhmischen Melodien in schönster Spielfreude. Unter der Leitung von Kapellmeister Ueli Zaugg aus Lützelflüh BE zeigten sie ein Straus von Melodien in höchster Präzision. Den Start in ihren Auftritt justierten sie mit dem Marsch «Schwarz Sächs» von Jakob Bieri, der auf den Zielpunkt am unteren Rand der schwarzen Zielscheibe anspielt. Anschliessend präsentierten die Bechburg-Musikanten eine bunte musikalische Palette mit Stücken wie «La Bonita Polka» oder «Midnight Dream». Schliesslich rundeten sie das Konzert mit der «Böhmischen Liebe» ab, bevor sie mit der Zugabe, der eigens für sie komponierten «Bechburg-Musikanten-Polka» den Schlussakkord setzten.

Frische Klänge aus der Ostschweiz

Mit frischen Klängen trumpften schliesslich die «Fidelen Humpa Spatzen» auf, eine Truppe junger Profi- und ambitionierte Amateurbläser aus der Ostschweiz. Eines ihrer Markenzeichen ist denn auch der grosse Stellenwert, den bei ihnen die Soloparts einnehmen. Ihr betont uneinheitliches Outfit illustrierte ihr musikalisches Programm, das von einer böhmischen «Aha-Polka» über Wiener Walzer und Balkanpop zu Beatles-Songs reicht. Beim Welthit «Those Were The Days» von Mary Hopkin erinnerten sie an dessen russischen Wurzeln, indem sie ihn gegen Ende wie ein Kosakenlied immer schneller spielten. Bei aller Lockerheit im Rampenlicht brillierten sie mit stilsicheren Interpretationen und perfekter Beherrschung ihrer Blechblasinstrumente. Was 2008 mit einem Konzert der Einheimischen im Oensinger Rössli begann, fand mit dem Kleeblatt der Formationen im Bienkensaal einen vorläufigen Höhepunkt.