Nationalbank

«Ein bisschen Luft für die exportierenden Firmen der Region»

Der Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung begrüsst den Schritt der Nationalbank

Josef Maushart

Der Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung begrüsst den Schritt der Nationalbank

Alle – Parteien, nationale Verbände, Arbeitgeber und Arbeitnehmer – sind sich einig: Die Festlegung einer Wechselkurs-Untergrenze des Frankens gegenüber dem Euro ist positiv. Doch die Verbände und Firmen wollen einen noch schwächeren Franken.

Auch die im Kanton Solothurn überdurchschnittlich stark vertretene Exportindustrie kann aufschnaufen, zumindest für kurze Zeit. Die Massnahme hat nämlich umgehend Wirkung gezeigt; die Schweizer Währung hat sich gegenüber der europäischen Einheitswährung bereits deutlich abgeschwächt.

Kurs-Untergrenze nur temporär

«Wir begrüssen den Schritt sehr. Das Eingreifen der Nationalbank war überfällig», kommentiert Roland Fürst, Direktor der Solothurner Handelskammer, den gestrigen Entscheid. Denn die Situation sei für die in den Euroraum exportierenden Unternehmen «sehr dramatisch». Für Fürst kann die Wechselkursuntergrenze von Fr. 1.20 aber nur ein temporäres Ziel sein, denn die Schweizer Währung sei auch nach der Festlegung dieser Untergrenze viel zu stark bewertet.

Hauptziel müse sein, den Franken gegenüber dem Euro und dem US-Dollar auf einen realistischen und fairen Wert zu bringen. Aber für den Moment habe die Nationalbank eine pragmatische Lösung gewählt. Zudem könnten die Notenbanker die Verunsicherung über die Entwicklung der Devisenkurse etwas reduzieren.

Höhere Planungssicherheit

Gerade diesen Punkt streicht Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), als positiv hervor. «Die Unternehmer haben nun mit der festgelegten Wechselkurs-Untergrenze eine klare Planungs- und Kalkulationsgrundlage.» Auch deshalb sei die Industrie «sehr erleichtert». Zwar liege der «wahre Wert» der Schweizer Währung zwischen Fr. 1.35 und Fr. 1.40 gegenüber dem Euro. Aber die Nationalbank habe wohl in Abwägung aller gesamtwirtschaftlicher Aspekte einen Kompromiss bei Fr. 1.20 gewählt.

Dieser Kurs werde nun einige Zeit Bestand haben. «Mit diesem Wechselkurs können die meisten Firmen mittelfristig überleben», sagt Maushart. Er ist auch CEO und Inhaber der Fraisa AG in Bellach, die Präzisionswerkzeuge herstellt. Allerdings sei damit der Zwang verbunden, die Produktivität weiter zu steigern, um Gewinne zu erwirtschaften.

Noch keine Rettung

Indirekt bestätigt Peter Mügeli, Chef der Bellacher Herstellerin von Montageanlagen, Lanco AG, diesen Befund. Der Entscheid bringe zwar kurzfristig etwas Luft für die Exportindustrie. Aber die Untergrenze von Fr. 1.20 reiche nicht. «Wir können zu diesem Kurs nicht kostendeckend produzieren. Wenn er langfristig auf diesem Niveau bleibt, dann muss sich die Firma ‹arrangieren›.» Knapp konkurrenzfähig sei Lanco erst bei einem Kurs zwischen Fr. 1.30 und Fr. 1.35. Deshalb erwartet Mügeli weitere Aktivitäten der Nationalbank. «Die jetzige Massnahme rettet die Exportindustrie noch nicht.»

Von «einem wichtigen Signal» spricht Peter Riedweg, Geschäftsleiter der Solothurner Schliesstechnik-Spezialistin Glutz AG. Er hofft nun, dass der Franken dauerhaft eine Richtungsänderung einschlage. Wie seine Berufskollegen Maushart und Mügeli ist auch er überzeugt, dass es bei einem langfristigen Wechselkurs von Fr. 1.20 in der Schweizer Industrie zu Anpassungen kommen werde.

Gewerkschaft: ein erster Schritt

Für Markus Baumann, Präsident des Gewerkschaftsbundes des Kantons Solothurn, ist die Festlegung der Wechselkurs-Untergrenze «ein erster Schritt in die richtige Richtung». Der Franken müsse sich aber noch weiter abschwächen. Von den Wechselkursen seien nicht alle Betriebe gleichermassen betroffen. Einige könnten dank günstigeren Importen gar profitieren. «Für viele Exportfirmen aber ist die Situation brutal.» Er hofft, dass sich nun die Lage für die Exportindustrie in der Region entspanne.

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