Dornach
Nach der Brücke ist (fast) alles anders – ein Besuch auf dem Portiunkula-Markt

Der Dornacher Portiunkula-Markt begeistert auch in reduzierter Form, macht aber dem Kantönligeist alle Ehre.

Tobias Gfeller
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Wer hier mehr Spass hat am Flamingo-Fischen?

Wer hier mehr Spass hat am Flamingo-Fischen?

Juri Junkov

Es ist wie immer – oder besser gesagt, wie es früher immer war: Es wird gejubelt, wenn der Flamingo am Haken hängt, gestürmt und gezwängt, ob es nochmals sieben Versuche sein dürfen und gelitten, wenn der Flamingo im letzten Moment doch davonschwimmt, obwohl er eigentlich schon am Haken hing. Normal ist auch, wenn dann der Papi doch noch für einen erfolgreichen Fang sorgen muss, damit es auch einen ordentlichen Preis gibt.

Beim Flamingofischen beim Bahnhof gleich zu Beginn des «Portiunggeli», wie der Dornacher Traditionsmarkt im Volksmund liebevoll genannt wird, herrscht schon am frühen Freitagabend zwei Stunden nach Märtbeginn emsiges Treiben. «Es ist einfach geil, endlich wieder arbeiten zu dürfen!», druckt Flamingofischen-Inhaber Thomas Peter unmissverständlich seine Euphorie aus. Der Portiunkula-Markt ist für den gebürtigen Aescher der erste Markt seit Pandemiebeginn. «Man spürt förmlich, wie die Leute danach gelechzt haben, dass wieder so etwas stattfindet, sie sich hier treffen und etwas erleben können.»

Erinnerung an die eigene Kindheit

Die Strasse entlang des Bahnhofs gehört den gemütlichen Stöberinnen und Stöbern und den Kleinen. In der Kurve der Amthausstrasse laufen Duelle um die tollsten Plätze auf dem Karussell. Beschaulicher geht es gegenüber bei Sabrina Di Feliciantonio Depeux und ihrer «Bunten Werkstatt» zu und her. Eine potenzielle Kundin schaut sich nach Ohrringen um. «Es wäre toll, etwas zu haben, das man auch unter der Dusche anbehalten kann.» Sabrina Di Feliciantonio Depeux berät und zeigt die verschiedenen Stücke.

Man spürt, die Arlesheimerin ist in ihrem Element. Mit einem kurzen Unterbruch ist sie mit ihren selbstgemachten Ohrringen, Ketten und Dekorationsartikel seit Jahren am Portiunkula-Markt mit einem Stand präsent. «Ich kann von zuhause bequem mit dem Tram kommen und alles mitnehmen. Schon von daher ist das Portiunggeli für mich speziell.» Früher kam sie mit ihren Eltern hierher und hat es «geliebt», vor allem wenn es abends dunkel wurde.

Im Lunapark dreht alles so, wie es muss.
11 Bilder
Auch gerutscht wird fleissig.
Weitere Impressionen.
Weitere Impressionen.
Wunderschöne Matruschka-Exemplare.
Und dieser Mann hier verkauft sie voller Stolz.
Flamingos werden gefischt. Ob es für den Hauptpreis reicht?
Der Markt ist sehr gut besucht.
Es ist ein Anlass für Gross und Klein und auch für Jung und Alt.
Ob diese Dame den passenden Gegenstand findet?
Diese jungen Frauen genehmigen sich einige Süssigkeiten.

Im Lunapark dreht alles so, wie es muss.

Juri Junkov

Laute Musik und noch lauteres Gekreische

Auch an diesem Freitagabend bringt das Eindunkeln ein spezielles Ambiente über den Marktperimeter zwischen Bahnhof und Minigolfanlage Birspark. Die historische Nepomukbrücke ist dabei weit mehr als bloss ein Übergang über die Birs. Sie trennt am Portiunkula Markt Welten, genauer gesagt die Auflagen betreffend Corona der Kantone Solothurn und Baselland.

Während es zwischen Bahnhof und Brücke auf Dornacher Boden eher gemächlich zu und her geht und das Karussell das actionreichste Angebot darstellt, herrscht auf Aescher Seite Herbstmesse-Atmosphäre. Schon auf der Nepomukbrücke, auf der es auch mal richtig eng wird, ist die Mischung aus Gekreische und lauter Musik aus den Boxen zu vernehmen. «Einer geht noch, einer geht noch rein», heizt ein Mann mit cooler Sonnenbrille aus dem Kassenhäuschen der «Factory» ein. Am Boxautomat neben den Putschautos versuchen sich die «starken» Jungs beim Kräftemessen.

Es fehlt nichts, was zu einem richtigen Lunapark gehört. Nur vereinzelte Desinfektionsständer zwischen Magenbrot, Bratwürsten und Fahrgeschäften erinnern daran, dass es doch noch Corona gibt. Auch darf im Gegensatz zum Kanton Solothurn auf Baselbieter Boden sitzend an Tischen gegessen und getrunken werden, was die Leute sichtlich geniessen. Doch auch beim Brauclub ProBier Dornach auf Solothurner Boden wird es trotz fehlender Bänke und Tische eng beim Trinken.

Die Nepomukbrücke teilt das Portisunggeli 2021 in zwei Teile: Action mit nur wenig Auflagen in Baselland, Gemütlichkeit mit vielen Einschränkungen in Solothurn.

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