Olten
Dokumentarische und experimentelle Fotografie des Jurasüdfusses

Im Historischen Museum Olten wurde die Ausstellung «Fotografie der Gegenwart am Jurasüdfuss» eröffnet. 22 Fotografen stellen ihre Werke aus.

Ueli Wild
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Historische Dokumente: Anti-AKW-Demo vor der Baustelle des Kernkraftwerks Gösgen, 70er Jahre, in der Mitte der Basler Liedermacher (und gelernte Repro-Fotograf) Aernschd Born, Bilder von Thomas Ledergerber und Patrick Lüthy uw

Historische Dokumente: Anti-AKW-Demo vor der Baustelle des Kernkraftwerks Gösgen, 70er Jahre, in der Mitte der Basler Liedermacher (und gelernte Repro-Fotograf) Aernschd Born, Bilder von Thomas Ledergerber und Patrick Lüthy uw

Auch wenn sie im Historischen Museum ausgestellt sind und Museumsleiter Peter Kaiser bei der Vernissage auf die Bedeutung der Fotografie als historische Quelle hinwies: Um eine Präsentation «historischer» Fotografien handelt es sich nur zum Teil. 22 Fotografen vom Jurasüdfuss wurden angefragt und von der Projektbeauftragten Cornelia Meyer besucht.

Sie zeigen, wie Ruth Grossenbacher, Präsidentin des Vereins Archiv Olten, erklärte, die ganze Palette «von der dokumentarischen bis zur experimentellen Fotografie».

Auffällig viel in Schwarz-Weiss

Historische Dokumente in der Ausstellung bzw. in der Begleitpublikation dazu sind die Fotos von Hansruedi Aeschbacher, die den Abbruch der Oltner «Zementi» oder den Untergang der EKO, bildlich dokumentiert anlässlich der Auswechslung der Leuchtschrift, festhalten. Visuelle Quellen sind auch die Bilder, die Thomas Ledergerber und sein damaliger Lehrling Patrick Lüthy bei den Anti-AKW-Demonstrationen in den 70er-Jahren im Niederamt geschossen haben.

Wie friedlich diese Menschenmenge, die dann von den Polizisten hinter ihren Gasmasken weggespült wird, wirkt! Ganz anders, als Kontrast dazu, die vor dem Bundeshaus randalierenden Bauern, die Alain Stouder 1992 fotografiert hat.

Vieles in Schwarz-Weiss

Auffällig vieles in der Ausstellung kommt in Schwarz-Weiss daher – auch wenn es sich nicht um Aufnahmen aus längst vergangenen Zeiten, sondern um zeitgenössische handelt, die eher «vergehende Zeiten» abbilden, wie die lyrischen Werke aus der Serie «Bieler Altstadt. Vielle Ville de Bienne» von Rolf Neeser.

Auslöser der Ausstellung – Ruth Grossenbacher rief es in Erinnerung – war eine Schenkung: Franz Gloor vermachte kurz vor seinem Tod Ende 2009 seinen fotografischen Nachlass der Stadt Olten. Dieser wird seither vom Historischen Museum betreut. Gloor äusserte auch den Wunsch, «eine Stiftung oder einen Verein zu gründen», um den Nachlass zu verwalten. Eventuell sollten weitere dokumentarische Arbeiten und Archive einbezogen werden. Im Dezember 2009 wurde der Verein Archiv Olten gegründet. Den konkreten Anstoss zur aktuellen Ausstellung gab dann Ruth Grossenbacher.

«Verlust – Geschichtsverlust»

An der Vernissage sagte Kurt Deggeller, Direktor des Vereins zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts der Schweiz (Memoriav), das Erhalten wichtiger Dokumente sei eine öffentliche Aufgabe. Und: «Verlust ist Geschichtsverlust.» Alain Gantenbein vom Kuratorium für Kulturförderung des Kantons Solothurn, sprach von einem zwar unvollständigen, aber schon lange fällig gewesenen Überblick.

Das Archiv Olten mache mit dem für die landesweite Positionierung notwendigen Ziel einer langjährigen Ausstellungs- und Publikationstätigkeit «einen grossen Schritt auf dünnem Eis». – Dünn ist das Eis vielleicht auch, weil es im Archivbereich durchaus Konkurrenz gibt: Thomas Ledergerber etwa sagt, er überlasse sein gesamtes Material dem Stadtarchiv Olten.