Solothurner Filmtage

Direktorin Rohrer fordert «bald wieder mehr Filme statt Filmpolitik»

Seraina Rohner, Direktorin der Solothurner Filmtage: «ich finde, man sollte jetzt nicht die Konfrontation suchen, sondern Filme machen.»

Seraina Rohner, Direktorin der Solothurner Filmtage: «ich finde, man sollte jetzt nicht die Konfrontation suchen, sondern Filme machen.»

Das Festival soll wieder mehr Junge und Fachpublikum anziehen. Ziel ist eine Werkschau, die Dynamik in den Schweizer Film bringt, wobei aber eine gewisse Entspanntheit nicht schaden könnte.

Sie stehe zwar «dafür ein, dass es Fördergelder gibt», die für den Film «ausserordentlich wichtig» seien, doch sei sie in ihrer Dissertation über transnationale Low-Budget-Produktionen zum Schluss gekommen, dass man auch Filme machen könne «ohne staatliche Fördergelder». Sie habe bei ihrer Arbeit in Los Angeles und Mexiko beobachtet, «wie kreativ die Leute waren, um Geld zu beschaffen», ansonsten man «von Tag zu Tag improvisiert» habe. «Diese Entspanntheit könnte dem Schweizer Film guttun», so die Direktorin. Nun sollen wieder «mehr Filme und weniger Filmpolitik» gemacht werden, denn es müsse ja nicht immer alles 100 Prozentig geplant sein.

Denken ausserhlab der gängigen Kategorien

Sie habe gelernt, ausserhalb der gängigen Kategorien zu denken. Bei ihr stehe denn auch «nicht die Ideologie» im Vordergrund, «sondern die Lust, zu entdecken und über Grenzen zu springen», so Rohrer. Sie fordert, Ideale auch zu verändern, denn Ideologien stünden bei ihr «nicht hoch im Kurs.»

Nicht die Konfrontation suchen, sondern Filme machen

Sie wolle vermitteln zwischen den Verbänden, von denen die einen mehr erfolgsabhängige Förderung, die anderen aber eine breitere Vielfalt wünschen. Sie habe nicht vor, dem Filmchef des Bundesamts für Kultur (BAK) «ans Schienbein zu treten», wie es ihr Vorgaänger Ivo Kummer zu pflegen getan habe, denn «ich finde, man sollte jetzt nicht die Konfrontation suchen, sondern Filme machen.» Sie wolle nun mit den Verbänden nach Lösungen suchen und stehe ein für eine Politik der Debatte und wolle den Gegnern zuhören und hart diskutieren. Denn «urschweizerische Hang, diese Bereitschaft zum Kompromiss, ist in mir sehr stark verankert.»

Gerne eine zusätzliche Schiene für die internationale Filmbranche

Künftig müsse Solothurn für die Branche der Ort bleiben, wo die Debatte stattfinde. Denn Filme könnten auch ein Motor zur Veränderung der Gesellschaft sein, so die Direkorin. Was das Festival betrifft, würde sie gerne eine zusätzliche Schiene für die internationale Filmbranche fahren, wozu man aber die Filme englisch untertitelt müsste. Auch müsste man muss die Visionierungsstationen für die Professionals einrichten. «Dazu müsste man die Einladungen aber auch finanzieren können», sagt Rohrer trocken. Doch stehe über allem der wille, die Solothurner Filmtage zu einer Werkschau zu machen, die Dynamik in den Schweizer Film bringt. (dme)

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