Kanton Solothurn
Diesjährige Getreide-Ernte: Die Qualität ist oft mangelhaft

Das schlechte Wetter führte bei vielen Landwirten zu Einbussen, sie sind das Resultat des diesjährigen Wetters. Landwirt Sperisen erzählt: «In der Regenperiode gab es warme Tage, das hat den Keimling zum Wachsen angeregt. Das führt zum Auswuchs.»

Ornella Miller
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Die Ernte seines Getreides bereitete so manchem Landwirt dieses Jahr nicht nur Freude.

Die Ernte seines Getreides bereitete so manchem Landwirt dieses Jahr nicht nur Freude.

Themenbild/az

«Von meinem produzierten Weizen erreichte nur ein Drittel die Qualität von Brotgetreide», berichtet Landwirt Peter Sperisen aus Staad. Zwar bedeutet das nicht, dass man den Rest fortwerfen muss. Ein Drittel ist jedoch von solch schlechter Qualität, dass es bloss noch als Futtergetreide Anwendung findet – mit einer happigen finanziellen Einbusse: Brotweizen erbringt etwa 52 Franken pro hundert Kilogramm, Futterweizen bloss 37 Franken.

Da Sperisen IP-Bauer ist, ist der Verlust allerdings noch grösser, denn für IP-Brotweizen gibt es eine zusätzliche Prämie von ungefähr 5 Franken pro 100 Kilogramm. Wird also das Getreide, das er unter den strengeren IP-Bedingungen angebaut hat, bloss Futter- statt Brotgetreide, entfällt diese Prämie. Für ein weiteres Drittel schliesslich wurde dieses Jahr die Kategorie «Mahlweizen» geschaffen – eine Art minderes Brotgetreide.

Ein gutes Apfeljahr

Während die Getreidebauern mit dem Regen zu kämpfen hatten, beschert das Wetter den Apfelbauern eine gute Ernte. Wenn man über Land spaziert, lachen einen die grossen Äpfel von den prallen Bäumen an. «Die Qualität ist hervorragend», bestätigt Apfelgrossproduzent Martin Walter aus Mühledorf, «der Baum braucht Wasser, die Temperaturen stimmten gleichwohl noch, deshalb die Fruchtgrösse und Menge.» Der Frühling war bis Mitte April milder als im Durchschnitt, so setzte die Apfelblüte 14 Tage früher als sonst ein. Die Bienen konnten gut bestäuben. Walter erklärt: «Wenn es den ganzen Sommer trocken gewesen wäre, hätte es wohl eine normale Ernte gegeben, denn nicht alle können bewässern. Aber das brauchte es dieses Jahr ja nicht.»

Neben der Qualität überzeugt auch die Quantität. Letztes Jahr seien unterdurchschnittlich viele Äpfel geerntet worden, dieses Jahr indes etwas mehr. Die Nässe führte allerdings dazu, dass der Mühledorfer Obstproduzent in kürzeren Abständen gegen Schorf und Mehltau spritzen musste.

Überzeugt von der diesjährigen Apfelernte ist auch René Sciboz, Präsident des Obstbauvereins Solothurn und Umgebung. Der immer wieder auftretende heftige Wind habe bei ihm persönlich allerdings zu relativ viel Fallobst geführt.

Die um zwei Wochen frühere Apfelernte führt auch dazu, dass die Mostereien eher öffnen. Erhard Senn aus Biberist hat seine Mosterei bereits letzte Woche in Betrieb genommen – und konnte bereits acht Kunden begrüssen. «Es gibt heuer ein grosses Apfeljahr», lacht er, «der Frühling war halt schön, es blühte früher. Und auch sonst herrschten optimale Bedingungen.» Bei Walter Gloor aus Hüniken startet jetzt der Mostbetrieb. Von ihm lassen jeweils rund 500 Apfelbauern ihr Obst pressen. Das wirklich gute Aroma bilde sich so um den Bettag herum aus, ist er überzeugt, «in den kalten Nächten und warmen Tagen». Für die Aromabildung brauche es also noch etwas Zeit. (omb)

Regen während der Erntezeit

Die Einbussen sind das Resultat des diesjährigen Wetters. Sperisen erzählt: «In der Regenperiode gab es warme Tage, das hat den Keimling zum Wachsen angeregt. Und das führte auch bei mir zu Auswuchs. Während der 20 Jahre, die ich Felder bestelle, hatte ich nur dreimal Auswuchs.»

Von Auswuchs spricht man, wenn das Korn in Keimstimmung gerät, sodass es durch enzymatische Prozesse seine Backfähigkeit verliert. Ausgewachsener Weizen könne, so Sperisen, dann meist noch als Futtergetreide verwendet werden. Schliesslich sei es für die Tiere ja nicht wichtig, dass der Weizen backfähig ist.

Dieses Jahr endete der Winter früh, der Frühling war schön, sodass das Korn üppig wachsen konnte. Eigentlich gute Bedingungen. Aber ausgerechnet im Sommer zur Erntezeit fiel quasi Dauerregen.

Wenn der Weizen reif ist, sollte er innert einer Woche geerntet werden. Doch ist es just in dieser Phase regnerisch, wird das Getreide zu feucht. Zudem waren die Böden teilweise derart matschig, dass sie mit Traktoren unbefahrbar waren.

So haben manche Bauern, wie Sperisen erläutert, mit der Ernte zugewartet oder zuwarten müssen. Der Staader Bauer selber, der acht Hektaren Weizen bewirtschaftet, ist dieses Jahr verglichen mit anderen noch glimpflich davongekommen. «Hier im Dorf gibt es drei Bauern, die 100 Prozent Auswuchs haben.»

Wichtig: Ständige Kontrolle

Der Landwirt Viktor Gasser aus Feldbrunnen bestätigt, dass man in normalen Jahren, in denen es im Sommer stabile trockene Phasen gebe, das Getreide nicht derart fleissig überwachen müsse wie in diesem Jahr. Er habe immer kontrolliert, ob das Korn schon genügend trocken sei. Dann habe er gedroschen – selbst wenn das Getreide einen noch leicht zu hohen Feuchtigkeitsgehalt aufwies.

Gasser: «Damit habe ich die drei bis vier Franken pro 100 Kilogramm für das Trocknen in Kauf genommen, dafür das Risiko des Auswuchses vermieden.» Mit insgesamt acht Tonnen habe er verhältnismässig wenig zum Trocknen geben müssen. Und auch dieses Getreide konnte er als Brotweizen abliefern. Gasser, der ebenfalls integriert arbeitet, meint: «Ich habe wirklich Glück gehabt.»

Der Grund dafür: Der Feldbrunner Landwirt hat seinen Weizen relativ spät ausgesät, wodurch er dann auch eher spät reif geworden ist.» So spät, dass die schlimmste Regenzeit schon vorüber war. Ganz ungeschoren kommt allerdings auch er nicht davon: Auch ein Teil seines Getreides wird im Futtertrog landen.

Ein weiterer Einflussfaktor ist die Sortenwahl. «Ich bin froh, dass ich nicht auf eine einzige Weizensorte gesetzt habe», sagt Mirjam Lüthi aus Bellach. Auch sie ist IP-Bäuerin. Sie hatte befürchtet, dass ein grosser Teil ihre Ernte bloss als Futtergetreide klassifiziert werden würde. Jetzt betreffe dies «nur» 7 von insgesamt 30 Tonnen. Weitere 7 Tonnen gelten immerhin als Mahlweizen, wofür sie noch eine IP-Prämie erhalte. «In Bellach gibt es andere Landwirte, bei denen die ganze Ernte als Futtergetreide klassifiziert wurde.»

Grosse lokale Unterschiede

Wenn auch die Qualität des Getreides oft zu wünschen übrig lässt – die Mengen sind durchweg gross. Denn die Wachstumsbedingungen, wozu insbesondere die Temperatur und die Niederschlagsmenge zählen, waren dieses Jahr ausreichend bis sehr gut.

Das bemerken auch die Abnehmer, die landwirtschaftlichen Genossenschaften. Sie haben den Überblick über die ganze Region. Und da sind grosse lokale Unterschiede auszumachen. Am stärksten betroffen vom heurigen Ernteausfall sind die tiefen Lagen und jene Gebiete, wo das Wachstum früh einsetzte.

Gerold Kofmel, stellvertretender Geschäftsführer der Landi Solothurn, konkretisiert für Solothurn und Leberberg: «Hier gab es grosse Verluste, fast 50 Prozent.» Im Wasseramt hingegen sind die Einbussen gering. «Wir haben nur 8 Prozent Verluste», schätzt Gerald Schütz, stellvertretender Geschäftsführer der Landi Subingen. Er fährt fort: «Das Jahr war gar nicht so schlecht, wir sind relativ gut gefahren. Es gibt zwar schon Jahre, in denen wir gar keine Ausfälle verkraften müssen, aber zu gewissen Verlusten kommt es immer.»

Im Bucheggberg seien vor allem die Extensivbauern betroffen, so Samuel Marti, Geschäftsführer der Landi Lohn. Also jene, die ohne Fungizide und Insektizide wirtschaften. Er erzählt: «Die Extenso-Produktion war dieses Jahr sehr schlecht. Da hatten wir grosse Probleme mit dem Pilzbefall.»

Bei den Intensivbauern indes fielen die Erträge, so Marti, gut bis sehr gut aus. Die Extensivbauern erleiden im Vergleich mit den Intensivbauern um 40 Prozent höhere Verluste. In durchschnittlichen Jahren betrage dieser Unterschied nur 10 bis 15 Prozent. Die höhere Lage des Bucheggbergs sei der Grund für die besseren Ergebnisse gegenüber Solothurn, meint Marti. Denn dadurch sei der Weizen später reif geworden. «400 Meter oder 600 Meter, das ist eine Differenz, die man spürt.»