Solothurn
Dieser Mann ist mit den Elektronen per Du

Fortwerfen ist out, reparieren ist wieder in. Von diesem gesellschaftlichen Trend profitiert Max Aeschlimann. In seinem Elektronik-Atelier in Solothurn repariert er Geräte aller Art.

Andreas Toggweiler
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Max Aeschlimann repariert in seiner Elektronik-Werkstatt in Solothurn einen Audio-Verstärker aus den 70-er-Jahren.

Max Aeschlimann repariert in seiner Elektronik-Werkstatt in Solothurn einen Audio-Verstärker aus den 70-er-Jahren.

Solothurner Zeitung

«Eine Reparatur lohnt sich leider nicht mehr. Wir empfehlen Ihnen, das Gerät zu ersetzen. Wir hätten hier gerade...» Wer hat nicht schon ein solches Gespräch geführt, beispielsweise in einem Discountladen. In kaum einer Branche hat die Wegwerf-Mentalität so stark Einzug gehalten, wie in der Unterhaltungselektronik. Die Geräte werden – im Auftrag der Marketing-Abteilungen – bewusst auf eine Lebensdauer von 2 bis drei Jahren ausgelegt. Danach werden sie zu Elektroschrott.

Gesellschaftlich sind aber Gegentendenzen auszumachen. Immer mehr Leute verweigern sich dieser Haltung und möchten die Geräte reparieren lassen – oder zumindest feststellen, ob eine Reparatur wirklich nicht möglich ist. Hier kann Max Aeschlimann aus Solothurn helfen. Seit zehn Jahren betreibt er eine Reparaturwerkstatt in der er das ganze Spektrum der Elektronik vom Transistorradio bis zum MacIntosh-Computer repariert.

Fachwissen und Erfahrung

Damit dies möglich ist, braucht es grosses Fachwissen und viel Erfahrung. «Dies ist durch meine berufliche Laufbahn gegeben», erklärt Aeschlimann. Schon als Bub habe er ein Flair für Elektronik-Basteleien gehabt. Sein erstes «Ausbauprojekt» war ein Plattenspieler, den er wieder auf Vordermann gebracht hatte. Was sein Interesse am Tüfteln geweckt hat kann er selbst nicht sagen. Sein familiäres Umfeld sei es jedenfalls nicht gewesen.

Sein Vater war Metzger in Solothurn. «Als Teenager habe ich die Mondlandung verfolgt», erzählt der heute 52jährige. Das habe wohl sein Interesse an der Technik allgemein geweckt. Naheliegend war deshalb die Lehre als Radio-TV-Elektriker im seinerzeitigen «Strittmatter»-Geschäft in Solothurn, wo er danach auch noch ein Jahr arbeitete. Für Elektroniker war das eine interessante Zeit. Die Transistoren hatten soeben die Röhrentechnik abgelöst und diese wiederum wurden zu den ersten integrierten Schaltungen (ICs) zusammengefasst. Es war die Blütezeit der analogen Audio- und später Videotechnik.

Ende der 70er-Jahre wechselte Aeschlimann als Leiter der Serviceabteilung zur legendären Burgdorfer Plattenspielerfabrik Lenco. Diese hatte allerdings damals den Zenit schon überschritten. «Die Techniker hatten zwar den Direktantriebsmotor für Plattenspieler bereits entwickelt, die Chefs lehnten aber deren Einführung ab.»

Das war ein Fehler, denn die Technik setzte sich als Standard für Plattenspieler im mittleren Preissegment durch. Auch hier kauften die Japaner einer Schweizer Traditionsfirma den Schneid ab. Nach fünf Jahren wechselte Aeschlimann in die Telekom-Branche, zur damaligen Autophon in Solothurn. Hier half er die Abteilung der Prüfmittel-Überwachung auszubauen und später auch zu leiten. «Diese Tätigkleit gab mir einen umfassenden Einblick in die Messtechnik. Davon kann ich heute noch profitieren».

Überhaupt, so Aeschlimann weiter, habe er sich das ganze Elektronik-Fachwissen mehrheitlich autodidaktisch angeeignet. Bei der Ascom erlebte er den Technologiesprung der Digitalisierung. 17 Jahre war er beim Konzern, zuletzt auch noch bei der Nachfolgefirma Flextronics, 2001 entschloss er sich für den Schritt in die Selbständigkeit. Sein Atelier befand sich zuerst in der Theatergasse, dann in der Dammstrasse.

Den Ehrgeiz wecken

Jetzt sitzt Aeschlimann inmitten seiner aufgetürmten Geräte in einem Bürogebäudes an der Zuchwilerstrasse. Ein Marantz-Verstärker aus den 1970er-Jahren mit schönen Aluknöpfen steht auf dem Arbeitstisch. «Am liebsten habe ich die Geräte, von denen es heisst, man könne sie nicht reparieren. Das weckt meinen Ehrgeiz», erklärt der Tüftler. Die Fehlerursachen sind in der Tat mannigfaltig. «Die Leute bedenken manchmal nicht, dass gewisse elektronische Bauteile eine definierte Lebensdauer haben», erklärt er. Im Internet sucht er nach Schaltschemen der alten Geräte und findet sie meistens auch.

Schwieriger wird es bei neuen Geräten, denn diese sind manchmal aus Kostengründen gar nicht mehr richtig dokumentiert. Ähnlich ist es bei den Bauteilen. Sie sind heute – oft auch aus Gründen der Miniaturisierung – auf ein ganz bestimmtes Gerät zugeschnitten und werden vom Hersteller en bloc aufgekauft. Für Reparaturen bleibt nichts übrig. Auch das hat System. «Aber ich habe auch meine Quellen», meint Aeschlimann. Wenn ich ein Gerät repariere, lege ich Wert darauf, dass es auch äusserlich wieder gut aussieht», erklärt er. Denn viele Leute bringen Apparate, an denen sie emotional hängen. Sie sind deshalb auch bereit, eine gewisse Summe zu investieren. Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung repariert er auch Messgeräte wie z. B. Oszilloskope oder hilft bei Computerproblemen.

Die Kundschaft holt sich Aeschlimann, der inzwischen von der Tätigkeit leben kann, vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch seine Tätigkeit im Kino Uferbau und technischer Mitarbeiter an den Solothurner Filmtagen verschafft ihm wertvolle Branchenkontakte. Ein weiterer Technologiesprung der Multimediaelektronik geht nämlich zurzeit mit der Digitalisierung der Kinos über die Bühne, bzw. Leinwand. «In unserer Branche hat man nie ausgelernt und das ist das was mich fasziniert», meint Aeschlimann. «Ich würde diese Berufslaufbahn auch heute wieder wählen.»