Brandermittlung
Diese Männer sind Feuer und Flamme für ihren Beruf

Vier Männer sind für die Brandermittlung im Kanton Solothurn zuständig. Zwei von ihnen geben nun Einblick in ihre Arbeit. Dieses Jahr haben sie bereits 288 Brände untersucht – vom Aschenbecher im Abfallkübel bis zum Altstadtbrand.

Lucien Fluri
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Noch während des Altstadtbrandes waren die Ermittler vor Ort. WW

Noch während des Altstadtbrandes waren die Ermittler vor Ort. WW

Solothurner Zeitung

Fotos von ihren Gesichtern sollten nicht in der Zeitung erscheinen, ebenso wenig ihre Namen: Diskretion halten die Brandermittler des kriminaltechnischen Dienstes hoch. Sie erhöht die Sicherheit – und je geheimnisvoller ihr Beruf bleibt, desto faszinierender bleibt er auch. Am Mittwochabend lüfteten zwei Beamte des Brandermittlungsdienstes dennoch einige Geheimnisse und erzählten aus ihrem Berufsalltag. Organisiert war der Vortrag von der Solothurner Sektion des Architekten und Ingenieurverbandes Swiss Engineering.

Vier Männer sind für die Brandermittlung im Kanton Solothurn zuständig. Dieses Jahr haben sie bereits 288 Brände untersucht – vom Aschenbecher im Abfallkübel bis zum Altstadtbrand.

Wenn die Brandermittler ihre Arbeit beginnen, ist meist nicht viel mehr als Schutt und Asche übrig. Durch einen halben Meter Löschwasser waten sie; Wände und Dachbalken der Brandruinen sind oft einsturzgefährdet. Irgendwo im Schutt findet sich das Corpus delicti, vielleicht auch nur ein 380-Volt-Anschluss, dessen Kraterspuren für Laien erst auf der Makroaufnahme zu erkennen sind. Verlassen die Brandermittler den Ort, ist er manchmal besenrein – denn sollte Benzin die Ursache gewesen sein, lassen sich die Spuren vor allem am Boden nachweisen.

97 Prozent werden aufgeklärt

«Wir gehen nach dem Ausschlussverfahren vor», erklärt einer der Ermittler und gibt einige grobe Anhaltspunkte preis: Wo es besonders lange heiss war, finden sich auch entsprechende Spuren. Und: «Wo es beginnt, hört es meistens auch früh auf.» Wichtig sind für die Ermittlung deswegen auch Fotografien vom Brand. Indiz ist auch der tiefste Punkt des Brandes, da sich das Feuer nach oben weiterfrisst.

Trotzdem: «Sachbeweise zu finden, ist sehr schwierig», erklärt einer der Ermittler. Denn die Brandursache kann schlicht auch einfach weggebrannt sein. In 97 Prozent der Fälle bestimmen die Ermittler die Brandursache jedoch zweifelsfrei.

«Dieses Jahr hat es in sich»

600 Millionen Franken Schaden entstehen bei den 20000 Bränden, die es pro Jahr in der Schweiz gibt.

«Dieses Jahr hat es in sich», sagte einer der Brandermittler, denn unter den bisherigen 288 Einsätzen hatte es einige aussergewöhnliche:

• Am 1. Januar brannte in Wangen b. Olten ein Haus. Der Grund: Mäuse, die die Stromleitung anfrassen.

• Am 4. Januar war der Brandanschlag in der St. Ursen-Kathedrale. Glück im Unglück war der Seidenteppich unter dem Altar, der schwerer brennt als synthetische Teppiche. In ihrem Alltag treffen die Ermittler sonst oft auf das Gegenteil: Billiges Material wie Kunststoff brennt allzu schnell. «Für Sicherheit gibt man kein Geld aus», klagt einer der Ermittler.

• Am 28. Januar brannte die Scheune zwischen den beiden Restaurants Kreuz und Ueli der Pächter in Kriegstetten. Eine defekte Tiefkühltruhe war der Grund.

• Am 13. Februar brannte das «Bahnhöfli» in Bettlach. Ein Mann rettete sich mit einem Seil aus dem Dachstock. Zwei Personen mussten aus dem Fenster springen.

• Am 29. März ereignete sich der Altstadbrand in Solothurn.

• Am 9. Juli brannte das «Helvetia» in Oberdorf. Der Brand wird zu den drei Prozent der Fälle ohne klare Brandursache gehören. Zwar wissen die Ermittler, dass der Brand aus dem Bereich des Fernsehers kam. Ob es der Fernseher selbst war oder eine Steckleiste, wird man aber nie genau wissen – so bleiben auch noch einige Geheimnisse vor den Ermittlern «sicher.»

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