«Little Venedig»
Die «Wasserstadt» lohnt sich – trotz teurer Sanierung des Stadtmists

Das Projekt «Wasserstadt» würde Stadt und Kanton in den nächsten 40 Jahren rund 190 Millionen Franken einbringen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie im Auftrag der «Wasserstadt»-Promotoren und der kantonalen Wirtschaftsförderung.

Stefan Frech
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Auf dem Podium im Alten Spital (v. l.): Max Wittwer, Kurt Fluri, Adrian Schmid, Markus Schneider, Heini Sommer und Ivo Bracher. Hansjörg Sahli

Auf dem Podium im Alten Spital (v. l.): Max Wittwer, Kurt Fluri, Adrian Schmid, Markus Schneider, Heini Sommer und Ivo Bracher. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

«Zwar kosten die Totalsanierung des Stadtmists und die Erschliessung rund 260 Mio. Franken. Demgegenüber stehen jedoch zusätzliche Steuereinnahmen von 450 Mio. Franken», rechnete Studienleiter Heini Sommer vom Beratungs- und Forschungsunternehmen Ecoplan vor.

Mehr Steuereinnahmen und Arbeitsplätze

Das Projekt «Wasserstadt» sieht den Bau von bis zu 700 Wohnungen für Zuzüger der oberen Mittelklasse vor. Gespräche mit Interessenten haben ergeben, dass 50 Prozent der 750 Bewohnerinnen und Bewohner von ausserhalb des Kantons und 30 Prozent aus anderen Solothurner Gemeinden kommen werden.

Und das bedeutet dann eben zusätzliche Steuereinnahmen: für den Kanton jährlich 7 Mio. Franken und für die Stadt jährlich 11,5 Mio. Franken. Zudem wird der Betrieb der «Wasserstadt» langfristig Arbeitsplätze schaffen, und Detailhandel oder die Kultur- und Freizeitanbieter werden von der zusätzlichen Nachfrage profitieren.

Vom Bau profitieren Firmen

Laut Studienleiter Sommer gibt es durch den Bau der «Wasserstadt» auch einen hohen kurzfristigen regionalwirtschaftlichen Nutzen: «Die Bauherrschaft plant Investitionen von 630 Mio. Franken, davon 470 Mio. Franken für den Bau.» Sommer geht davon aus, dass 60 Prozent der Arbeiten von Solothurner Unternehmen ausgeführt werden können.

Insgesamt würde der sechs Jahre dauernde Bau 293 Personen beschäftigen. Heini Sommer verschwieg aber auch die Risiken nicht: «Beim Bau muss die Bevölkerung mit mehr Lärm und Staub rechnen, und das neue Quartier bringt der Stadt mehr Verkehr.»

Modell der «Wasserstadt» Solothurn

Modell der «Wasserstadt» Solothurn

Zur Verfügung gestellt

Zur Vorstellung der Studie waren rund 60 Personen in den Keller des Alten Spitals eingeladen worden – unter ihnen viele Kantons- und Gemeinderäte, nicht zuletzt um sie vom Projekt «Wasserstadt» zu überzeugen. An der abschliessenden Podiumsdiskussion nahmen nur Personen teil, die sich für die Totalsanierung des Stadtmists und den Bau der «Wasserstadt» aussprachen: Kurt Fluri (Stadtpräsident Solothurn), Markus Schneider (IG Chance Wasserstadt), Max Wittwer (Präsident innostep espaceSolothurn), Ivo Bracher (VR-Präsident wasserstadtsolothurn AG) und Heini Sommer.

In dem von Radiojournalist Adrian Schmid geleiteten Gespräch sprach Wittwer von einem «Leuchtturmprojekt», das schweizweit wahrgenommen wird. Bracher und Fluri betonten den doppelten Nutzen des Projekts: Die «tickende Zeitbombe» im Boden kann für immer entschärft werden, und Kanton und Stadt erhalten einen finanziellen Mehrwert.

Kanton prüft Sanierungsmethoden

Zur Finanzierung der städtischen Sanierungskosten steht für beide zurzeit ein Public- Private-Partnership-Modell im Vordergrund. Schneider könnte sich auch eine Trägerschaft von Kanton und Stadt vorstellen. Stadtpräsident Fluri sieht den Knackpunkt des Projekts zurzeit vielmehr in möglichen raumplanerischen Hürden.

Zurzeit lässt der Kanton nochmals alle Sanierungsmethoden prüfen. Kommt es zu einer Totalsanierung, könnten laut Bracher im Jahr 2015 die ersten Häuser in der Wasserstadt stehen.