Ausbildung
Die Suche nach Lernenden wird schwieriger

Robust zeigt sich der Lehrstellenmarkt in den Kantonen Solothurn und Bern. Sowohl die Zahl der neuen wie bestehenden Lehrverträge bleibt hoch. Doch die geburtenschwachen Jahrgänge führen zum Stiften-Mangel.

Franz Schaible
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Noch können die meisten Lehrstellen mit geeigneten Schulabgängern besetzt werden. Wachsende schulische Ansprüche erschweren Rekrutierung.

Noch können die meisten Lehrstellen mit geeigneten Schulabgängern besetzt werden. Wachsende schulische Ansprüche erschweren Rekrutierung.

Oliver Menge

Zum Lehrbeginn 2011 präsentiert sich der Lehrstellenmarkt in der Schweiz weitgehend stabil», meldete diese Woche das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie. Diese Bilanz trifft auch auf die Kantone Solothurn und Bern zu. So haben diesen August im Solothurnischen über 2300 Lernende ihre Berufslehre gestartet, im Kanton Bern waren es deren 10300; in etwa gleich viel wie in den beiden Vorjahren. Auch der Bestand an laufenden Lehrverhältnissen blieb stabil (siehe Tabelle).

Eigentlich erstaunlich, war doch die Konjunktur über die drei Jahre grossen Schwankungen ausgesetzt. «Die Betriebe wissen, dass es wichtig ist, beruflich gut ausgebildete Fachpersonen zu haben», erklärt Sibylle Brenner, Vorsteherin der Abteilung Betriebliche Bildung im Berner Mittelschul- und Berufsbildungsamt. Die immer noch guten Wirtschaftsprognosen sowie der erkannte Fachkräftemangel hätten dazu geführt, dass «die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe trotz volatilen Phasen andauernd und erfreulich hoch ist», ergänzt Renato Delfini, Leiter der Solothurner Berufs- und Studienberatung.

Wille ist da

Dass dieser Wille da ist, zeigt eine Umfrage unter Firmen in der Region. Fast alle Betriebe konnten ihre offenen Lehrstellen besetzen. Ebenso ist sich die Mehrheit einig, dass die Rekrutierung in den kommenden Jahren schwieriger werden wird. «Oftmals genügen die erbrachten schulischen Leistungen nicht dem Anforderungsprofil der Lehrstelle», sagt Scintilla-Personalchef Christoph Bärtschi. Zudem erwartet er durch den starken Trend hin zur direkten universitären Ausbildung im Bereich der anspruchsvolleren Berufslehren zusätzliche Schwierigkeiten. Auch Swatch-Sprecherin Serena Chiesura erwartet eine erschwerte Suche. «Insbesondere für Berufe mit hohen schulischen Anforderungen wie Polymechaniker oder Kunststofftechnologen wird es schwieriger.»

Klartext redet Ammann-Sprecher Lukas Jenzer. «Die Schulabgänger haben zunehmend Mühe, die schulischen und hier insbesondere die mathematischen Voraussetzungen zu erfüllen.» Steigende Ansprüche an Berufe wie Carrossier oder Fahrzeugschlosser macht Kurt Späti, Geschäftsleiter der Calag Carrosserie in Langenthal, geltend. «Nebst handwerklichem Können sind vermehrt auch Informatik-, Autoelektrik- sowie Materialkenntnisse wichtig.» Einen branchenspezifischen Grund gibt Lantal-Sprecherin Daniela Grunder an. «Für die Lehre als Textiltechnologen gibt es zwar geeignete Bewerber, aber deren Anzahl ist grundsätzlich kleiner.» Das habe auch mit dem Image der Branche und der Auswahl an künftigen Arbeitgebern zu tun. «Die Interessierten fragen sich: Welche Zukunft hat diese Branche in der Schweiz, bleibt mein Arbeitsplatz bestehen, was sind die Entwicklungsmöglichkeiten?»

Zahl der potenziellen Stifte geht zurück

Andererseits gibt es Betriebe, die der Rekrutierung gelassener entgegenblicken. So etwa Stefan Zbinden, Lehrlingsverantwortlicher bei der Späti Holzbau AG. «Wir haben bis jetzt immer genügend geeignete Schulabgänger gefunden.» Und daran werde sich kaum etwas ändern. «Zimmermann und Schreiner wird es auch in Zukunft brauchen und es sind interessante Berufe mit vielen Weiterbildungsmöglichkeiten.» Selbst aus dem Bauhauptgewerbe, welches oft über unbesetzte Lehrstellen klagt, kommt eine ähnliche Aussage. «Das ist zwar in der Branche nicht üblich. Aber wir hatten noch nie Probleme, Lernende zu finden», sagt Christoph Müller, Geschäftsführer der Baufirma Marti. Er führt dies «auf den guten Ruf unserer Lehrlingsbetreuer und der Firma» zurück. Zudem: «Wir beschäftigen und fördern die besten unserer Lehrabgänger im eigenen Betrieb weiter.»

Mit einer Tatsache sind aber alle Ausbildner konfrontiert. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass in den nächsten Jahren die Zahl der potenziellen Stifte abnehmen wird.

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