Lebendige Traditionen
Die Solothurner Fasnacht ist noch im Rennen

Solothurner und Aargauer haben sich Anfang Jahr auf die Suche nach lebendingen Traditionen für die nationale Kulturerbe-Liste gemacht. 29 Vorschläge werden nun dem Bundesamt für Kultur vorgeschlagen. Auch die Solothurner Fasnacht ist dabei.

Ueli Wild
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Die Solothurner Fasnacht mit Chesslete (im Bild) und Hilari hats der Jury besonders angetan.

Die Solothurner Fasnacht mit Chesslete (im Bild) und Hilari hats der Jury besonders angetan.

Hansjörg Sahli

Weitherum im Kanton Solothurn ist die Fasnacht eine lebendige Tradition. Aber von den Eintragungen in die gemeinsame Liste des immateriellen Kulturerbes der Kantone Aargau und Solothurn hat als Vertretung der närrischen Zeit nur die Solothurner Fasnacht Platz unter den 29 Vorschlägen gefunden, die dem Bundesamt für Kultur als «Kandidaten» für die nationale Liste der lebendigen Traditionen weitergeleitet wurden.

Mit «Solothurner Fasnacht» ist, wie Karin Janz, die Leiterin des aargauisch-solothurnischen Teilprojektes, sagt, «die Fasnacht mit Hilari und Chesslete in Stadt und Region Solothurn» gemeint. Die an das Bundesamt weitergeleiteten 29 Vorschläge wurden aus insgesamt 250 eingereichten Ideen ausgewählt.

Die Vielfalt wahren

Nach welchen Gesichtspunkten wurde die Auswahl für die nationale Liste denn getroffen? Drei Hauptkriterien nennt Karin Janz: «Die Tradition muss lebendig sein, von Generation zu Generation weitergegeben werden und sie muss identitätsstiftend sein.» Rund 30 Vorschläge aus ihrem Teilprojekt hätten eingereicht werden können, sagt Janz. Und da sei es auch darum gegangen, die Vielfalt zu wahren. So seien Traditionen ausgewählt worden, die in einem Verein, im Rahmen einer Grossveranstaltung oder aber auch im stillen Kämmerlein gepflegt würden. «Die Verleihung des Roth’schen Ehrenkleides soll auf der nationalen Liste genauso Platz haben wie die Badenfahrt.» Selektioniert wurden der Vielfalt wegen sodann «Dinge, die es nur an einem speziellen Ort gibt – und solche, die regional verbreitet sind».

Die Auswahl hat ein dreistufiges Verfahren durchlaufen: Zuerst an der Reihe war das dreiköpfige Projektteam, bestehend aus Karin Janz,
dem Leiter der Abteilung Kulturpflege des Kantons Solothurn, André Schluchter und Hans Joerg Zumsteg, Geschäftsführer des Aargauer Kuratoriums. Nächste Instanz war ein externes Gremium, bestehend aus zwei Volkskundlern und zwei Historikern der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. Zuletzt segneten die Kuratorien der beiden Kantone die Vorschläge ab. Meinungsverschiedenheiten gab es nach Angaben der Projektleiterin kaum: «Wir haben sehr offen und lebhaft diskutiert – und schnell einen Konsens gefunden.»

Liste wird noch abgespeckt

Eine elfgliedrige Steuerungsgruppe unter Federführung des Bundesamtes für Kultur (BAK), der als Vertreter der Nordwestschweiz auch Hans Joerg Zumsteg abgehört, hat die Eingaben nun zu prüfen und aus gesamtschweizerischer Sicht zu bewerten, wie einer Medienmitteilung des BAK von gestern Dienstag zu entnehmen ist. Bis im Herbst sollen die Kantone dann anhand der Empfehlungen der Steuerungsgruppe entscheiden, welche rund 160 der 387 Vorschläge auf der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz Platz finden.

Wie das BAK festhält, soll die Liste laufend aktualisiert und erweitert werden. Die nationale Liste ist zudem Voraussetzung für die Nominierung lebendiger Traditionen für die internationale Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes.