Langendorf

Die Römische Villa birgt noch viele Geheimnisse

An der römischen Villa wurde in mehreren Etappen gegraben. Foto: Oliver Menge

An der römischen Villa wurde in mehreren Etappen gegraben. Foto: Oliver Menge

Die bisherigen Ausgrabungen an der römischen Villa in Langendorf haben noch lange nicht alle Gebäude hervorgebracht. Dies zeigt eine neue Dissertation.

Die römische Villa von Langendorf gehört zu den besterforschten römischen Gutshöfen im Kanton Solothurn. Auf 292 Seiten legen der Kantonsarchäologe Pierre Harb und die Archäologin Mirjam Wullschleger im Rahmen ihrer Lizenziatsarbeit Zeugnis ab, was seit der Entdeckung des ersten römischen Gebäudes beim Wohnquartier «Hüslerhof» im Jahre 1980 alles an den Tag befördert wurde.

Nach weiteren Grabungen in den Jahren 1993, 1994 und 2002 bestand kein Zweifel mehr, dass dort vor 2000 Jahren ein römischer Gutsherr in einer komfortablen Villa wohnte, umgeben von zahlreichen Bediensteten und Landarbeitern, die die Felder bestellten und in mehreren Nebengebäuden untergebracht waren. Unter der Grabungsleitung von Pierre Harb wurden in 3040 Manntagen das Hauptgebäude, ein repräsentatives Nebengebäude, ein Landarbeiterhaus, eine Schmiede und ein kleines Grubenhaus freigelegt und ausgewertet.

Von grosser Bedeutung ist der im Hauptgebäude zum Vorschein gekommene Steinkeller, dessen fast zwei Meter hohe Wände als die am besten erhaltene römische Mauer im Kanton bezeichnet werden kann.

«Die meisten Ausgrabungen von römischen Villen beschränken sich auf das Hauptgebäude», blickte Pierre Harb an der Buchvernissage im ökumenischen Kirchenzentrum Langendorf auf die intensiven Ausgrabungsjahre zurück. Nicht so beim heutigen «Hüslerhof». Mit der Entdeckung einer Landarbeiterunterkunft mit gut erhaltenem Hausrat betraten die Grabungsleute Neuland und konnten nebst dem Einblick in einen mittelgrossen, 250 Jahre alten Gutsbetrieb am Jurasüdfuss Rückschlüsse auf das Leben der ärmeren Landbevölkerung ziehen.

Landammann Walter Straumann: «Schon damals wurde das Personal kürzer gehalten als die Herrschaften.» Wie bei den Auswertungen festgestellt wurde, gelangten zu dieser Zeit Lebensmittel aus allen Teilen des Römischen Reiches nach Solothurn. Zu den exotischen Speisen und Getränken gehörten Austern aus dem Atlantik, Süssweine aus Kreta oder Datteln aus dem südöstlichen Mittelmeerraum.

Die Dokumentation besteht aus 546 Feldplänen, 1437 Schwarz-Weiss-Fotos und einem Tagebuch, das sechs Bundesordner füllt. Die Funde sind in 119 Fundkisten gelagert und bestehen aus Keramikscherben, Gläsern, Münzen, Wandmalereien, Schmiedeschlacken, Knochen, Pflanzenresten, Steingeräten und Baukeramik. Die Kosten für die Ausgrabung, die Dokumentation, die Auswertung und das Buch belaufen sich auf 1,37 Mio. Franken. Daran beteiligt sich der Lotteriefonds mit 1,08 Mio. Franken. «Wir wissen, dass noch weitere Gebäude im Boden verborgen sind», so die Co-Autorin Mirjam Wullschleger. «Wenn es zu einer weiteren Überbauung kommt, werden wir noch einmal ausrücken müssen.»

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