Bed & Breakfast-Tourismus

Die persönlichere Art zu übernachten

Penny Gassmann-Läng in ihrer Bed-and-Breakfast-Wohnung am Klosterplatz in Solothurn. Foto: Hanspeter Bärtschi

Die persönlichere Art zu übernachten

Penny Gassmann-Läng in ihrer Bed-and-Breakfast-Wohnung am Klosterplatz in Solothurn. Foto: Hanspeter Bärtschi

Die Nachfrage nach «Bed and Breakfast» in Solothurn und im Oberaargau ist steigend.

In der Solothurner Altstadt findet man bereits zwei Adressen mit Bed and Breakfast. Im Oberaargau bieten beispielsweise die Familie Bellin in Farnern sowie Heidi Lehmann und Heinz Fluhbacher in Wangen an der Aare ein Bett mit Frühstück (Bed & Breakfast) an. Damit wird eine Unterkunft bei Privatpersonen bezeichnet.

Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus, meint zur etwas kargen Situation in der Stadt Solothurn: «Wir haben ein wachsendes Bedürfnis festgestellt. Das Angebot entwickelt sich allmählich.» Bed and Breakfast werden häufig von Fahrradfahrern aufgesucht. «Die sind nun vermehrt in der Stadt anzutreffen, dank der Route von Veloland Schweiz», erklärt Hofer.

Nicht nur Touristen

Marlies Emch betreibt seit drei Jahren das Bed and Breakfast «Aimée» an der Schmiedengasse 13 in Solothurn. Vorher befand sich im ganzen Haus das Brautmodengeschäft, das die 74-Jährige zusammen mit ihrer Tochter geführt hatte. Altersbedingt hat sie sich entschieden, das Geschäft zu schliessen. «Wir wollten aber das Haus nicht leer stehen lassen; unser Sohn hatte schon vor Langem die Idee mit dem Bed and Breakfast», erklärt Emch. Zu Beginn hätten sie nur ein Zimmer gehabt und richteten dann im Verlauf der zwei Jahre noch zwei Zimmer ein.

Die Klientel sei sehr unterschiedlich – vom gewöhnlichen Touristen bis zum Arbeitsuchenden. Einmal war sogar ein Geschäftsmann aus Dubai da. «Wir haben viele Gäste aus dem deutschen Raum, die in der Region auf Stellensuche sind und paar Tage bleiben. Heimwehsolothurner kehren manchmal auch bei uns ein», erzählt Ehemann Walter Emch. Die Zahl der ausländischen und Schweizer Gäste sei ziemlich ausgeglichen. Rund die Hälfte des Jahres sind sie ausgebucht – vor allem an Grossanlässen in der Stadt. Während der HESO hatten sie einige Gäste, die beruflich in der Stadt weilten. Ein Zimmer kostet zwischen 35 und 70 Franken, bezahlt werde bar beim Check-in.

Einen Versuch ist es wert

Die zweite Adresse in der Stadt Solothurn befindet sich am Klosterplatz 3 und gehört Penny Gassmann Läng und Hans-Ueli Läng. Die 2½-Zimmer-Wohnung wurde erst kürzlich komplett renoviert und am 5.September 2010 eröffnet. Die ehemalige Lehrerin erfüllte sich damit einen lange gehegten Traum. «Wir wollen es versuchen und schauen jetzt, wie es so läuft», so Gassmann Läng. In der kurzen Zeit habe sie bereits relativ viele Nachfragen erhalten, und die Wohnung sei teilweise schon gebucht, was sie positiv stimme. Ihre Adresse ist auf der Internetseite von Solothurn Tourismus registriert, und sie weiss, dass die Anfragen fast ausschliesslich über das Tourismusbüro an sie gelangten. Die Wohnung kann auch als Ferienwohnung gemietet werden.

Eine Einzelbelegung kostet 110 Franken ohne, 120 Franken mit Frühstück. Auf der Homepage von Solothurn Tourismus ist eine Liste mit diversen Gastgebern auch aus der Umgebung der Stadt Solothurn zu finden. Zum Beispiel die Pension Stern Elsässli in der Krempelgasse 8 in Derendingen, die von Lepa Ingold geführt wird. Sie hat die Pension im Parterre ihres Wohnhauses am 1. Februar 2010 eröffnet. «Mein Mann war ein wenig skeptisch. Aber alle unsere Erwartungen wurden übertroffen», so Ingold. Im ehemaligen Arbeiterquartier «Elsässli» kehren vorwiegend deutsche Gäste ein, die hier in der Region arbeiten. Im Oktober seien die drei Einzelzimmer jedes Wochenende ausgebucht, da in der Umgebung diverse Anlässe stattfinden. «Wir sind mehr als zufrieden», sagt die Gastgeberin. Der Preis liegt wischen 50 und 75 Franken für ein Einzelzimmer.

Bed and Breakfast im Oberaargau

In Farnern am Acherliweg 11 bieten seit zweieinhalb Jahren Myrta und Martin Bellin ein Doppelzimmer und ein Studio für 30 bzw. 45 Franken mit Frühstück an. «Meine Frau hat sich damit einen Traum verwirklicht», sagt Martin Bellin. Das Ehepaar schätzt den Kontakt mit den verschiedenen Leuten und sieht es als eine Bereicherung. «Wir haben bemerkt, dass viele deutsche Touristen kommen, die hier Angehörige haben», so Bellin. Der Anteil der Gäste, die wegen der Stellensuche, einer Weiterbildung oder Temporärarbeit hier sind, sei relativ gross.

Seit acht Jahren beherbergen Heidi Lehmann und Heinz Fluhbacher Gäste in den zwei 3½-Zimmer-Wohnungen auf ihrem Bauernhof Hohfuren in Wangen an der Aare. Heidi Lehmann ist zufrieden mit der Auslastung. Die Übernachtung kostet 45 ohne, 53 Franken mit Frühstück. Daneben führen sie Reitstunden und Kutschenfahrten durch, die auch den Gästen zur Verfügung stehen.

Gewisse Verpflichtung

Bei Bellins in Farnern und im Elsässli bildet das Bed & Breakfast ein zusätzliches und nicht das Haupteinkommen. «Leben können wir davon nicht, aber ich mache es gerne und sehe es als Hobby», sagt auch Marlies Emch. Sie erzählt ebenso von Schadensfällen: «Wir hatten Probleme mit verstopften Toiletten, da manche Gäste alles hinein warfen.» Martin Bellin weist auf die gewisse Verpflichtung hin: «Da ist man manchmal schon etwas angebunden.»

Bei allen Gastgebern ist klar spürbar, dass sie den direkten Austausch mit den Reisenden schätzen. Schliesslich gewähren sie einen zum Teil intimen Einblick in die eigenen vier Wände. Und ermöglichen den Gästen einen persönlichen sowie vertieften Einblick in Mensch, Kultur und Region.

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