«Der jetzige Verteilschlüssel für das Subinger Schulzentrum wäre unser finanzieller Ruin». (Zitat von Urs Phillot aus dem Jahr 2000, damals Gemeindepräsident in Steinhof).

Zehn Jahre später ist klar, dass das Schulzentrum die Gemeinde nicht in den Ruin getrieben hat. «Aber es sind Kosten, die schwer auf dem Magen liegen», sagt Gemeindepräsident René Sutter. Und nach wie vor seien die Kosten im Schulwesen eines der finanziellen Hauptprobleme für die Gemeinde. Zweimal hatte Steinhof den Bau des Oberstufenzentrums in Subingen abgelehnt. Eine regionalisierte Schule mache zwar durchaus Sinn, sagt Sutter. «Doch die Kosten sind nicht akzeptierbar.» Eine Alternative gabs jedoch nicht, und so entstanden trotz Subventionen massive Mehrkosten für die Gemeinde. Anders war das vor der Regionalisierung der Schule. Damals wurden die Schulkosten pro Kind und nicht pro Einwohnerzahl verrechnet.

Dass die Steinhöfer vor zehn Jahren noch nichts von einer Fusion wissen wollten, manifestierte sich auch in der Ausscheidung einer neuen, gemischten Wohn- und Gewerbezone. Nicht zuletzt mit dem «Ziel, in den nächsten 15 Jahren um 60 Einwohner zu wachsen». (Zitat Phillot im Jahr 2000).

Der Trend ging in eine andere Richtung. Heute hat Steinhof nicht mehr Einwohner als vor zehn Jahren – trotz Neubauten. Kommt hinzu, dass die Gemeinde kein eigenes Bauland besitzt. Zwar erhielt die Einwohnergemeinde nach dem Zusammenschluss mit der Bürgergemeinde Landwirtschaftsland und Wald, jedoch kein Bauland. «Wir sind darauf angewiesen, dass die Eigentümer ihr Land verkaufen und neue Einwohner zu uns hinaufkommen», sagt Sutter. Man habe einiges unternommen, aber schliesslich liege es an den Privateigentümern, vorwärtszumachen. Andererseits sei es um jeden «Bitz» schade, der überbaut werde. «Der Mangel an Wohnungen bei uns zwingt die jungen Steinhöfer, wegzuziehen», sagt Sutter. Sieht man der Realität ins Auge, wird Steinhof auch bis in 5 Jahren das angestrebte Wachstum nicht mehr erreichen.

«Wir wollen so lange wie möglich selbstständig bleiben.» (Zitat Phillot im Jahr 2000).

Eine Fusion ging dem damaligen Gemeindepräsidenten zu weit. «Das Ziel wurde erreicht», sagt Sutter. Man sei so lange wie möglich eigenständig geblieben. Sonst wäre eine Fusion schon vor sechs Jahren über die Bühne gegangen. Heute sei man aus finanzieller Not dazu gezwungen. Die Gemeinde weist ab 2012 einen Bilanzfehlbetrag auf. Lange habe es gut ausgesehen; etwa nachdem Bürger- und Einwohnergemeinde zusammengeschlossen wurden. Auch die Steuern wurden von 150 auf 135 Prozent gesenkt. Grössere Projekte wie die Entwässerung Halden wurden realisiert. Damals wusste man jedoch nicht um die Auswirkungen der Regionalen Schule äusseres Wasseramt und die bildungsbedingten Mehrkosten. «Aus geografischer Sicht», sagt Sutter auch heute noch, «macht eine Fusion für uns keinen Sinn.»

Personalmangel zeichnet sich ab

Auch personell zeichnet sich in Steinhof ein Problem ab, weil die Kandidaten für Gemeinde-Ämter rarer werden. Sutter, der seit 2001 Vize- und seit 2005 Gemeindepräsident ist, wird wie ein Teil seiner Kollegen keine weitere Legislatur mehr anhängen.

«Die Schwankungen der Erträge aus dem kantonalen Finanzausgleich sind hoch.» (Zitat Phillot im Jahr 2000).

«Die Situation ist heute sogar noch schlimmer», sagt Sutter. Einerseits habe man versucht, die finanziellen Mittel sinngemäss einzusetzen, andererseits erhielt die Gemeinde jedes Jahr weniger Geld aus dem Finanzausgleich. 40000 Franken seien zu wenig für Steinhof. Sutter hofft auf die Zusicherung der Regierung betreffend die Übergangsfinanzierung. Das brächte der Gemeinde fast 100000 Franken Mehreinnahmen. Doch retten würde dies die Gemeinde auch nicht.

Auf einem Fragebogen konnten die Steinhöfer vergangenen Sommer ihre Sorgen und Ideen im Zusammenhang mit der Gemeindefusion kundtun. «Wo drückt der Schuh, was muss unbedingt eingebracht werden, was ist weniger wichtig?» Man wolle der Bevölkerung die Möglichkeit geben, mitzureden. Voraussichtlich noch dieses Jahr treffen sich die Gemeinderäte aus Aeschi und Steinhof mit dem Regierungsrat, nicht zuletzt um abzuklären, welche «Altlasten», die Aescher übernehmen würden. Ziel sei nach wie vor eine Fusion per Anfang 2012. Obwohl der Gemeinderat Steinhof den Schritt bereits auf kommendes Jahr machen wollte.

«Wir bleiben Steinhöfer»

Vor allem die Bauern hätten gewisse Ängste vor einer Fusion, weiss Sutter. Auch dass es danach keine Steinhöfer Bürger geben wird, dürfe man nicht vernachlässigen. Für einen Einfamilienhausbesitzer sei es dagegen eher wichtig, dass die Steuern sinken. Sowohl in Steinhof als auch in Aeschi sei es Aufgabe des Gemeinderates, der Bevölkerung Ängste zu nehmen und die Auswirkungen der Fusion genau aufzuzeigen. Denn Emotionen seien im Spiel. Etwa wenns um die Ortstafeln geht, auf denen der Name Steinhof auf vielfältigen Wunsch erhalten bleiben muss. «Doch ob wir nun mit Aeschi fusionieren oder nicht: Wir bleiben Steinhöfer», sagt Sutter. «Und: Die Perle Steinhof muss so bleiben, wie sie ist. Ob mit oder ohne Fusion.»