Oensingen

Die Oensinger Druag schliesst und 63 Jobs verschwinden

Ende Januar hat Druag die letzten Lieferverpflichtungen erledigt und die Fabrik steht still.  Armand Rindlisbacher

Ende Januar hat Druag die letzten Lieferverpflichtungen erledigt und die Fabrik steht still. Armand Rindlisbacher

Die Schuldenlast wurde zu gross, der Franken zu stark und der Geschäftsführer nahm den Hut. Das sind die wesentlichen Gründe für das plötzliche Aus der Druag Druckguss AG in Oensingen. Nun wird der überschuldete Druckgusshersteller geschlossen.

Bereits Mitte September musste der Amtsgerichtspräsident von Thal-Gäu in Balsthal den Konkurs eröffnen. Das Urteil erfolgte aufgrund einer Überschuldungsanzeige durch den Verwaltungsrat. Verlustvorträge aus Vorjahren, der Zerfall des Eurokurses und schliesslich auch die mit der Kündigung des Geschäftsführers seit Ende August entstandene Führungslosigkeit haben den Niedergang des Unternehmens beschleunigt. «Eine Rettungsaktion, die den Verkauf der Gesellschaft zum Ziel hatte, brachte bis heute keine Lösung», erklärte Mark Stadelmann vom Kantonalen Konkursamt in Oensingen auf Anfrage.

1967 von Oensingern gegründet

Die Druag Druckguss AG wurde 1967 durch die Oensinger Kleinunternehmer Otto Baumgartner und dessen Sohn Kurt Baumgartner gegründet. Letzterer verkaufte dann später altersbedingt und mangels einer familieninternen Nachfolgelösung den Betrieb (siehe Kasten). Die Firma war seit jeher spezialisiert auf die Herstellung von Aluminium- und Zinkdruckgussteilen sowie die spanabhebende Bearbeitung und die Montage von Baugruppen. Unter Einsatz von Spezialmaschinen und -systemen stellten die Mitarbeitenden auch die Druckgiessformen selber her.

Nicht beschlussfähig

Am vergangenen Freitag fand nun in Olten die erste Gläubigerversammlung statt. Da jedoch weniger als der vorgeschriebene vierte Teil der bekannten Gläubiger anwesend oder vertreten war, konnte die Versammlung keine gültigen Beschlüsse fassen, erläuterte Stadelmann weiter. In diesem Fall und weil die Einsprachefrist unbenützt blieb, gelten die vom Konkursamt vorgelegten Anträge als auf dem Zirkulationsweg genehmigt.

Deshalb kann nun der Betrieb noch bis zum 31. Januar 2012 weitergeführt werden. Dies vor allem im Interesse der Mitarbeitenden und der Kunden, die aus noch laufenden Aufträgen auf die Druag-Produkte angewiesen sind und den Zulieferer nicht so schnell wechseln können. Zudem steht der Entscheid für einen vorläufigen Weiterbetrieb auch im Zusammenhang mit den Debitorenbeständen, die so besser realisiert werden können.

Weiter ist die Konkursverwaltung jetzt ermächtigt, die Inventargegenstände und weiteren Aktiven im Freihandverkauf oder allenfalls durch öffentliche Steigerung gesamthaft oder einzeln zu verwerten. Dies soll terminlich so ablaufen, dass die Weiterführung des Betriebes und die Erfüllung noch laufender Lieferverpflichtungen bis Ende Januar in jedem Fall gewährleistet sind.

Stufenweiser Stellenabbau

Bitter sieht es für die 63 Druag- Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus. «Das ist für die Betroffenen eine Katastrophe. Dies umso mehr bei einem Konkurs kein Sozialplan zur Anwendung kommt», sagt Markus Baumann, Leiter der Sektion Solothurn der Gewerkschaft Unia. Immerhin sei es gelungen, dass der Betrieb vorerst weitergeführt werde und die Angestellten ihre Arbeitsplätze gestaffelt verlieren.

Stadelmann vom Konkursamt bestätigt das. Die Angestellten hätten neue, befristete Arbeitsverträge erhalten. Die jeweilige Dauer richte sich nach den Tätigkeiten. Aber Ende Januar ist, wenn nicht noch ein Wunder passiert und ein Investor den Betrieb übernimmt, definitiv Schluss. Das sei die bestmögliche Lösung gewesen. Denn im Normalfall wäre die Firma bei Konkurseröffnung sofort aufgelöst worden.

Schon lange überschuldet

Die Druag habe schon lange ums Überleben gekämpft, weiss Stadelmann. Sie sei seit bereits drei Jahren überschuldet gewesen. Der Betrieb war zudem produktionstechnisch überaltert gewesen, wie Unia-Mann Baumann ergänzt. «In den vergangenen Jahren haben die Besitzer zu wenig in die Modernisierung gesteckt.» Zusammen mit dem Eurozerfall habe sich der Niedergang beschleunigt. Man habe intensiv nach einer Übernahmelösung gesucht, aber kein Interessent wollte zupacken. Baumann: «Die Investitionen wären zu hoch gewesen.»

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