Luterbach
Die Misstöne ums «Oasis» klingen nicht ab

Beschwerden aus der Bevölkerung trüben die Halbzeitbilanz des Wohnheims «Oasis». Für die Misstöne sorgen in erster Linie Bewohner, die Regeln missachten und im schlimmsten Fall gar in fremde Gebäude eindringen.

Christof Ramser
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«Wir erfahren viele positive Reaktionen», sagt Genossenschaftspräsidentin Helena Frey. Hanspeter Bärtschi

«Wir erfahren viele positive Reaktionen», sagt Genossenschaftspräsidentin Helena Frey. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Noch ist keine Ruhe eingekehrt im Wohnheim Oasis. Zwar konnten ein halbes Jahr nach dem Neustart im ehemaligen «Kreuz» Vorurteile gegenüber dem Betrieb abgebaut werden. Doch manche im Dorf haben immer noch Vorbehalte. Dafür sorgen in erster Linie Bewohner, die Regeln missachten und im schlimmsten Fall gar in fremde Gebäude eindringen. Einzelfälle zwar, doch sie kratzen an der grundsätzlich vorhandenen Akzeptanz seitens der Bevölkerung. So hat sich kürzlich ein Bewohner des «Oasis» in aller Frühe Zutritt zu einem benachbarten Privatkeller verschafft, wo er offenbar eine Kiste Champagner stehlen wollte. Der junge Mann wurde schliesslich von der Polizei abgeholt.

Die Tür war zwar nicht abgeschlossen, doch Michael Ochsenbein ärgert sich, wenn er über den Vorfall spricht: «Wie ist so etwas möglich?», fragt der Gemeindepräsident. «Schliesslich sollten die Bewohner doch ständig betreut sein.» Noch viel schlimmer mache die Situation, dass die Heimleitung über 24 Stunden nach dem Vorfall nichts davon gewusst habe. Dabei habe Heimleiter Marco Zeller erwähnt, wie gut es im «Oasis» laufe. Das gefährde die an sich gute Zusammenarbeit mit dem Heim, sagt Ochsenbein. Bereits nach der Eröffnung hatte er betont, dass das Wohnheim die Geduld der Bevölkerung nicht auf die Probe stellen sollte – schliesslich muss sich das Heim im ersten Betriebsjahr bewähren.

Er soll das Wohnheim verlassen

Helena Frey, Präsidentin der Genossenschaft, ist über den Vorfall informiert. Sie betont, dass so etwas nicht passieren sollte. «Nachdem wir davon erfahren haben, suchten wir sofort das Gespräch mit dem jungen Mann. Er wurde ermahnt.» Gemeinsam mit der einweisenden Behörde werde nun ein anderer Platz für ihn gesucht. Helena Frey will den Fall nicht herunterspielen. Doch sie hält fest, dass der Mann erst vor kurzem von der psychiatrischen Klinik dem Wohnheim in Luterbach zugewiesen wurde, wo er mit der neu gewonnenen Freiheit im ersten Moment nicht zurecht kam. «Neue Bewohner brauchen oft etwas Zeit, bis sie sich an das Umfeld gewöhnt haben.» Das «Oasis» sei keine geschlossene Institution, manche Bewohner schwieriger zu betreuen als andere.

Der unerwünschte Eindringling war allerdings nicht der einzige «Oasis»-Bewohner, der im Dorf für Aufsehen gesorgt hat: Bereits im Frühling waren laut Gemeindepräsident Ochsenbein zwei Meldungen wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit eingegangen. Einmal sei ein Bewohner am Bahnhof rückwärts auf die Geleise gestürzt. Andere hätten im Dorf gebettelt oder vor der Gemeindeverwaltung an einen Baum gepinkelt. «Der Grossteil der Luterbacher stört sich nicht am «Oasis», sagt Ochsenbein. «Doch solche Vorfälle sind nicht tolerierbar.» Man wolle Ruhe und Ordnung, und die Umgebung sei sensibel. Gegenüber der Institution gelte erhöhte Aufmerksamkeit. Man werde den Heimleiter darum in die erste Gemeinderatssitzung nach den Sommerferien einladen.

Ochsenbein hofft, dass die Bevölkerung nicht die Faust im Sack macht, sondern Vorfälle meldet. Denn wenn der Betrieb nach der einjährigen Probephase erst definitiv bewilligt sei, müsse man dies akzeptieren. Würde hingegen ausgesprochen, was einem nicht passe, könne das Wohnheim darauf eingehen und handeln. Doch sollten sich gar noch viel mehr Reklamationen anhäufen, so der Gemeindepräsident, müsse man konstatieren, dass Luterbach nicht der richtige Standort für das Wohnheim sei.

«Wir sind offen für Gespräche»

Auch Helena Frey ist daran interessiert, dass Kritik ausgesprochen wird. «Wir begrüssen das, und wir sind stets offen für Gespräche.» Eine Begleitgruppe, in der neben Anwohner Martin Henzi auch Gemeinderat Patrick Probst sitzt, behält den Betrieb ausserdem kritisch im Auge.

Die Genossenschaftspräsidentin glaubt an den Standort Luterbach. Im Gegensatz zu den beengten Verhältnissen in Solothurn habe man hier viel mehr Platz zur Verfügung. Derzeit wird das «Oasis» sogar ausgebaut und die Kapazität auf 16 Bewohner erhöht. «Die Nachfrage ist sehr gross.» Man erlebe viele positive Reaktionen aus der Bevölkerung. «Wir kaufen im Dorf ein, beschäftigen Handwerker aus der Gemeinde, sind hier breit akzeptiert», sagt Helena Frey. Sie hofft, dass der Lärm ums «Oasis» im zweiten Halbjahr deutlich nachlässt.