Kunst

Die Kunst ziehts an die frische Luft

Fränzi Neuhaus’ Skulptur «Ripp Koerper» (2009) wird in Starrkirch-Wil gezeigt.  zvg

Fränzi Neuhaus’ Skulptur «Ripp Koerper» (2009) wird in Starrkirch-Wil gezeigt. zvg

Freiluft-Ausstellungen, Kunst- und Skulpturenwege erleben eine Boomphase. Das Publikum kommt in Scharen. Inwiefern der «Dialog der Kunstwerkemit der Landschaft» noch stattfindet, ist eine andere Frage. Open-Air-Ausstellungen landauf, landab: Wie lange hält der Boom noch an?

Der Drang, Kunst in der freien Natur auszustellen, hat allenthalben zugenommen. Kaum ein Dorf, das nicht mit einem Skulpturenweg oder einer Open-Air-Kunstpräsentation auftrumpft. Und die Events werden immer spektakulärer. Saisonrenner heuer ist zweifellos «Kulturundum» in Attiswil, wo der rosa Kirchturm von Reto Bärtschi Fernsehteams und Journalisten aus der ganzen Schweiz angelockt hat.

Das Publikum liess sich nicht zweimal bitten. Seit der Eröffnung am 22. Mai dürften rund 6000 Personen den Kunstweg in und um Attiswil besucht haben, schätzen die Organisatoren. «Genau beziffern lässt sich die Besucher-zahl naturgemäss nicht», erklärt Peter Schaad, Mediensprecher von «Kulturundum». Doch mit dem Echo sei man sehr zufrieden. «Der Kunstweg Attiswil wird das zweitbeste Besucherergebnis in der Geschichte des Ortsvereins», berichtet Schaad (nach der Ausstellung «Heilpflanzen und Gewürze 1977). Es habe sich eine Art «Multiplikatoreffekt» gezeigt: Attiswiler haben mit Familienangehörigen und Freunden Ausflüge auf dem Kunstweg veranstaltet, Vereine und Organisationen aus der ganzen Region haben Führungen gebucht. Das nationale Medienecho war beträchtlich und das mehrheitlich gute Wetter im Frühjahr und Herbst tat das Seine dazu.

Ein Frage des Geldes

In der Region Olten ist zurzeit der Skulpturenweg der Kulturstiftung Starrkirch-Wil «in Betrieb». Laut Stiftungspräsident Joe Birchmeier lässt sich anhand des Flyer-Verteilkastens vor Ort etwa abschätzen, wie viele Leute den Skulpturenweg besichtigt haben. «Wenn wir es mit den verteilten Infoblättern messen, kommen wir auf eine Besucherzahl von 4500», sagt Birchmeier. Dies ist ebenfalls eine stattliche Anzahl. Die Ausstellung zeigt 13 Skulpturen von arrivierten Künstlern. Das Konzept in Attiswil ist hingegen gemischt. Bekannte Namen stehen neben (noch) unbekannten.

Die beiden erfolgreichen Ausstellungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Luft für die Organisatoren von Open-Air-Kunstevents dünner geworden ist. Albert Arnold (Heinrichswil), Präsident des Vereins «Kultur im äusseren Wasseramt», kann ein Lied davon singen. Ein für 2011 geplantes Projekt kam mangels Sponsorengeldern nicht zustande. Dies trotz einem Projektbeitrag von 25000 Fr. aus dem kantonalen Lotteriefonds plus einer Defizitgarantie von 15000 Fr. Gekostet hätte die Produktion laut Regierungsratsbeschluss vom Februar rund 95 000 Fr.

«Es ist zunehmend schwierig für uns, Geld aufzutreiben. Wenn namhafte Firmen einen solchen Event ähnlich taxieren wie ein Grümpelturnier, dann stimmt etwas nicht mehr», meint Arnold dazu. Eine Bank, die früher 10000 Fr. spendete, sei gerade noch bereit gewesen, 500 Fr. zu geben. So habe man vorerst aufgegeben, wolle aber für 2013 einen neuen Anlauf nehmen.

Pionier der landschaftsbezogenen Kunst

Dabei ist «Kultur im äusseren Wasseramt» ein eigentlicher Pionier der landschaftsbezogenen Kunstpräsentation. Unvergessen bleibt die «Kunstlinie» von 1996, als 40 Künstler die stillgelegten Buchsibahnlinie belebten. «Ein Problem ist sicher, dass es inzwischen zu viele solcher Events gibt», hält Arnold fest. Er übt aber auch inhaltliche Kritik. «Die Idee der Kunstpräsentation auf freiem Feld ist, die Werke in einen Kontext zur Umgebung zu stellen. Das findet heute kaum mehr statt», sagt Arnold. «Der ursprüngliche Sinn von Freiluft-Präsentationen ist so verloren gegangen», folgert Arnold. «Die Kunstwerke stehen zwar draussen, aber dennoch im luftleeren Raum.» Sie könnten genauso gut in einer Galerie stehen.

En Vogue sind die Skulpturenwege trotzdem, wie die zwei aktuellen Beispiele zeigen. Dass die Sponsorenmittel nicht mehr so reichlich fliessen, hänge wohl auch mit der Wirtschaftssituation zusammen – besonders im Wasseramt, räumt Arnold ein. Die Organisatoren in Attiswil und Starrkirch haben sich gut darauf eingestellt – jeder auf seine Art. «Wir setzen ganz stark auf ehrenamtliche Mitarbeit und kommen mit einem Budget im tiefen fünfstelligen Bereich aus», betont «Kulturundum»-Sprecher Peter Schaad. In Starrkirch-Wil sei man dank der Stiftung und einem Beitrag des kantonalen Lotteriefonds fast ganz von privaten Sponsoren unabhängig, erklärt dazu Joe Birchmeier.

Kulturundum Attiswil: bis 30 Oktober; Skulpturenweg Starrkirch-Wil: bis 23. Oktober.

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