Im Kanton Solothurn bekommen unter anderem die Bürgergemeinden den dadurch entstehenden Konkurrenzdruck zu spüren. «Der Weihnachtsbaumverkauf ist defizitär», gibt Mark Hunninghaus, Betriebsleiter Forstbetrieb Bucheggberg, auf Anfrage Auskunft. Laut Alois Wertli, Revierförster Solothurn, nehmen die Grossverteiler keine Rücksicht auf die lokalen Verkäufer. «Dabei wären sie gar nicht auf den Weihnachtsbaumverkauf angewiesen.»

Die Bilanz fällt auch im Rest des Kantons nicht besser aus: In den letzten Jahren wurden die Einbussen vieler Bürgergemeinden immer grösser. Andernorts stagnierten die Zahlen auf einem weitaus tieferen Niveau als früher. «Wir verkaufen noch halb so viele Bäume wie vor 15 Jahren», sagt Thomas Studer, Forstbetriebsleiter Leberberg.

Frisch geschnitten und natürlich

Dabei birgt es durchaus Vorteile, seinen Weihnachtsbaum über die Bürgergemeinden zu beziehen. «Wir können frische Bäume verkaufen», sagt Kilian Bader, Betriebsleiter Forstbetrieb Balsthal/Mümliswil-Ramiswil. Dies im Gegensatz zu vielen Discountern, bei denen die Weihnachtsbäume bereits seit Anfang Dezember im Sortiment seien. Daniel Schmutz, Betriebsleiter Forstbetrieb Wasseramt, vermutet, dass bei diesen Bäumen mit Chemie nachgeholfen wird, damit sie länger haltbar sind. Bäume, welche in Schweizer Wäldern aufgezogen werden, dürfen hingegen nicht chemisch behandelt werden.

Wo Weihnachtsbäume nicht im Wald gezüchtet werden können, wird auf Landwirtschaftsland zurückgegriffen, welches anderweitig nur schlecht verwertbar ist. «Dort dürfen Chemikalien eingesetzt werden», erklärt Schmutz dazu. Im Wasseramt komme man bisher jedoch ohne solche Hilfsmittel aus und verzichte daher darauf. Die natürliche Zucht schlägt sich letztlich in der optischen Vielfalt der Bäume nieder. «Bei uns gibt es halt auch krumme Bäume», sagt Wertli. Manche Leute suchten aber genau so etwas und er sei immer wieder erstaunt über die vielen verschiedenen Geschmäcker seiner Kunden.

Herkunft der Bäume hinterfragen

Neben der Frische und dem weitgehenden Verzicht auf Chemikalien können Bürgergemeinden für die lokale Herkunft der Weihnachtsbäume garantieren. «Unsere Bäume stammen alle aus regionalen Kulturen», erklärt Alois Wertli. Auch die Forstbetriebe der umliegenden Bezirke machen entsprechende Angaben. Dass viele Grossverteiler auf Importware setzen, stimmt die Förster nachdenklich. «Es ist schade, dass viele Leute die Herkunft der Bäume nicht hinterfragen», sagt Bader.

Die Weihnachtsbäume der Bürgergemeinden müssen alle nach schweizerischen Richtlinien gezüchtet werden. Dies gilt auch für die Nordmanntanne, welche in der Schweiz nicht heimisch ist. Diese ist äusserst beliebt, ihre Zucht aber aufwändiger als jene für lokale Bäume. «Wir verzeichnen einen grösseren Ausfall junger Nordmanntannen als heimischer Jungpflanzen», erklärt Daniel Schmutz.

Ausserdem wächst der kaukasische Baum durchschnittlich langsamer als Schweizer Tannen. Diese Umstände erklären auch die höheren Preise für Nordmanntannen. Dafür seien sie natürlich sehr schön und die Nadeln hielten länger, betont Schmutz. Grossverteiler importieren ihre Edeltannen zum grössten Teil aus dem Ausland. Doch auch die Bürgergemeinden reagieren auf die grosse Nachfrage. «Wir beziehen unsere Nordmanntannen von Peter Wyss in Härkingen», sagt beispielsweise Kilian Bader. Der Förster habe sich auf Edeltannen spezialisiert. Einige Bürgergemeinden haben ausserdem selbst Kulturen mit Nordmanntannen angelegt.

Den Bürgern etwas Gutes tun

Der finanzielle Aufwand der Bürgergemeinden überschreitet den Ertrag im Allgemeinen. Es dauere zwischen sechs und zehn Jahre, bis ein Baum als Weihnachtsbaum verkauft werden könne. Solange müsse er gepflegt werden, erklärt Alois Wertli. «Aber es wäre doch schade, wenn wir immer nur auf den Profit schauen würden.» Weshalb werden dann noch Weihnachtsbäume durch die Bürgergemeinden verkauft? «Wir wollen die Tradition aufrechterhalten», erklärt Ruth Zuber-Affolter, Bürgergemeindepräsidentin von Gerlafingen.

So klingt es überall. Der Verkauf von Weihnachtsbäumen ist eine Dienstleistung, die die Bürgergemeinden anbieten. Man wolle den Bürgern etwas Gutes tun, erklärt Mark Hunninghaus. Mancherorts kann man als Bürger oder Einwohner die Bäume sogar gratis beziehen. Neben der Tradition sei das gesellschaftliche Erlebnis wichtig. «Gerade für Familien kann der Weihnachtsbaumkauf ein Erlebnis sein», sagt Schmutz. «Kinder können bei uns manchmal helfen zu sägen», fügt Zuber-Affolter an. Und um in der kalten Jahreszeit Körper und Geist etwas zu erwärmen, erhalten viele Kunden bei ihrem Einkauf ein Glas Glühwein oder Tee. Oder sie können sich, wie in Riedholz, sogar über ein ganzes Frühstück freuen.

Der Verkauf der Weihnachtsbäume findet in den meisten Bürgergemeinden heute Samstag statt. Die Bürgergemeinde Solothurn bietet zudem von Mittwoch bis Freitag nächster Woche nochmals Bäume an. Eine entsprechende Gelegenheit bietet sich ausserdem morgen Sonntag am Weihnachtsmarkt im Kreuzackerpark.